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11.3 RPC-basierte Kommunikation verständlich erklärt

Network engineer working with tablet in server data center room, professional skilled technician

RPC-basierte Kommunikation ist ein zentrales Konzept moderner Netzwerkautomatisierung und spielt besonders bei Protokollen wie NETCONF eine wichtige Rolle. Für viele Network Engineers wirkt der Begriff zunächst abstrakt, obwohl das Grundprinzip sehr einfach ist: Ein System fordert eine bestimmte Aktion auf einem anderen System an, und dieses antwortet mit einem strukturierten Ergebnis. Genau dieses Muster steckt hinter vielen automatisierten Netzwerkoperationen, etwa dem Auslesen einer Konfiguration, dem Schreiben eines Parameters oder dem Abrufen von Statusdaten. Wer modellgetriebene Netzwerke, NETCONF, REST-APIs oder strukturierte Gerätekommunikation verstehen will, sollte deshalb auch das RPC-Prinzip sicher einordnen können.

Was RPC grundsätzlich bedeutet

RPC als Remote Procedure Call

RPC steht für Remote Procedure Call. Wörtlich übersetzt bedeutet das „Aufruf einer Prozedur auf einem entfernten System“. Gemeint ist damit, dass ein Client eine definierte Funktion oder Operation auf einem anderen Gerät oder Dienst anfordert, ohne dass der Benutzer oder das aufrufende Programm alle internen Abläufe dieses Zielsystems kennen muss.

Vereinfacht ausgedrückt:

Für Network Engineers ist das besonders relevant, weil viele moderne Management-Schnittstellen genau nach diesem Muster arbeiten. Statt manuell Befehle in eine CLI einzutippen, fordert ein Automatisierungssystem gezielt eine Funktion an, etwa „liefere die laufende Konfiguration“ oder „ändere einen bestimmten Konfigurationsbereich“.

Der Unterschied zur interaktiven CLI

In einer klassischen CLI-Sitzung arbeitet ein Administrator Schritt für Schritt. Er verbindet sich per SSH, wechselt in verschiedene Modi, tippt Befehle ein und interpretiert Textantworten. RPC-basierte Kommunikation funktioniert anders. Hier wird nicht interaktiv mit Einzelkommandos gearbeitet, sondern mit strukturierten Anfragen an klar definierte Operationen.

Ein klassischer CLI-Ablauf könnte so aussehen:

show running-config
configure terminal
interface GigabitEthernet0/1
description Uplink-to-Core
end
write memory

Ein RPC-basierter Ansatz formuliert die Absicht stattdessen als strukturierte Anforderung. Das ist nicht in erster Linie für Menschen gedacht, sondern für Maschinen, Tools und Automatisierungssysteme.

Warum RPC-basierte Kommunikation im Netzwerk wichtig ist

Automatisierung braucht definierte Abläufe

Je stärker Netzwerke automatisiert werden, desto wichtiger werden klar definierte und reproduzierbare Kommunikationsmuster. Freie Textbefehle sind für Menschen gut lesbar, für Maschinen aber nur eingeschränkt ideal. Maschinen arbeiten zuverlässiger, wenn klar festgelegt ist:

RPC-basierte Kommunikation erfüllt genau diese Anforderungen. Sie schafft eine formale Schnittstelle zwischen Automatisierungslogik und Netzwerkgerät.

Struktur statt freier Befehlsfolgen

Der große Vorteil von RPC liegt darin, dass nicht einfach Befehlszeilen übertragen werden, sondern gezielt definierte Operationen. Dadurch wird die Kommunikation kontrollierter, verständlicher für Tools und besser validierbar.

Das Grundprinzip einer RPC-Kommunikation

Anfrage und Antwort

Das Kernprinzip ist immer gleich: Ein Client ruft eine Funktion auf einem entfernten System auf. Das Zielsystem führt diese Funktion aus und liefert ein Ergebnis zurück. Dieses Muster ähnelt einem Funktionsaufruf in einem Programm, nur dass die Funktion auf einem anderen Gerät oder Dienst läuft.

Im Netzwerkumfeld kann das beispielsweise bedeuten:

Wichtig dabei ist: Der Client beschreibt nicht jeden internen Verarbeitungsschritt des Geräts. Er fordert lediglich die gewünschte Aktion an.

Ein alltagsnaher Vergleich

Man kann RPC gut mit einem standardisierten Serviceprozess vergleichen. Wer an einer Rezeption einen bestimmten Vorgang anstößt, muss nicht alle internen Prozesse kennen. Man nennt klar, was man braucht, und erhält eine definierte Antwort. Genauso fordert ein RPC-Client eine bestimmte Funktion an, etwa das Auslesen von Konfigurationsdaten oder das Prüfen einer Konfiguration.

RPC im Zusammenhang mit NETCONF

Warum NETCONF RPC-basiert arbeitet

NETCONF ist eines der wichtigsten Beispiele für RPC-basierte Kommunikation im Netzwerk. Das Protokoll verwendet strukturierte Remote Procedure Calls, um Konfigurationen zu lesen, zu ändern, zu validieren oder zu committen. Statt frei formulierter CLI-Kommandos werden also definierte Operationen aufgerufen.

Typische NETCONF-Operationen sind:

All diese Funktionen folgen dem RPC-Muster. Der Client sendet einen strukturierten Aufruf, und das Gerät antwortet mit einer strukturierten Rückmeldung.

Ein einfaches NETCONF-RPC-Beispiel

Ein stark vereinfachter RPC-Aufruf zum Lesen der Running Configuration kann logisch so aussehen:

<rpc>
  <get-config>
    <source>
      <running/>
    </source>
  </get-config>
</rpc>

Die Antwort des Geräts enthält dann die angeforderten Daten oder eine Fehlermeldung. Dieses Muster unterscheidet sich deutlich von einer CLI-Sitzung, in der ein Benutzer den Text show running-config eingibt und freie Textausgabe zurückbekommt.

Welche Bestandteile eine RPC-Kommunikation typischerweise hat

Der Client

Der Client ist das System, das die Anfrage startet. Im Netzwerk kann das ein Automatisierungsskript, ein Konfigurationsmanagement-Tool, ein Orchestrierungssystem oder ein Controller sein. Der Client entscheidet, welche Operation aufgerufen und welche Daten übergeben werden.

Typische Beispiele für Clients:

Der Server

Der Server ist das Gerät oder der Dienst, der die RPC-Anfrage verarbeitet. Im Netzwerkumfeld ist das oft der Router, Switch oder eine Management-Plattform, die entsprechende RPC-Operationen unterstützt.

Der Server prüft:

Die Operation

Die Operation beschreibt, was ausgeführt werden soll. In einer RPC-basierten Architektur ist diese Funktion normalerweise klar definiert. Das ist ein großer Unterschied zu freien Kommandozeileninteraktionen.

Beispiele für Netzwerkoperationen:

Die Antwort

Die Antwort enthält das Ergebnis der angeforderten Operation. Je nach Fall kann sie Daten, eine Erfolgsbestätigung oder eine strukturierte Fehlermeldung enthalten.

Wie sich RPC von klassischer Befehlsausführung unterscheidet

Befehlsorientiert versus operationsorientiert

In der klassischen CLI denkt der Administrator in Kommandos und Kontextwechseln. In der RPC-Welt denkt man stärker in Funktionen und Datenobjekten. Das ist ein grundlegender Perspektivwechsel.

CLI-orientiertes Denken:

conf t
router ospf 10
router-id 10.255.0.1
end

RPC-orientiertes Denken:

Für Menschen kann die CLI oft direkter wirken. Für Automatisierung ist der RPC-Ansatz meist sauberer und kontrollierter.

Weniger Interaktion, mehr Struktur

CLI-Sitzungen sind oft dialogartig. Ein Engineer entscheidet Schritt für Schritt, wie es weitergeht. RPC-Kommunikation ist stärker transaktions- und datenorientiert. Sie versucht, eine klar umrissene Aktion sauber und reproduzierbar durchzuführen.

RPC und strukturierte Datenmodelle

Warum RPC besonders stark mit YANG zusammenarbeitet

RPC-basierte Kommunikation entfaltet ihren größten Nutzen, wenn die übertragenen Daten ebenfalls strukturiert beschrieben sind. Genau deshalb wird RPC im Netzwerk häufig zusammen mit YANG-Modellen eingesetzt. YANG definiert, wie Daten aufgebaut sind, und RPC-Mechanismen wie in NETCONF transportieren diese Daten und lösen Operationen aus.

Dadurch wird Netzwerkautomatisierung deutlich robuster als bei rein textbasierten Verfahren.

Konfiguration und Status getrennt ansprechbar

Ein weiterer Vorteil ist, dass RPC-basierte Systeme gezielt zwischen verschiedenen Arten von Daten unterscheiden können. Konfigurationsdaten und Statusdaten werden nicht einfach als ein einziger großer Textblock behandelt, sondern können gezielt abgefragt oder verändert werden.

Typische Zielbereiche sind:

Praktische Beispiele aus dem Netzwerkalltag

Konfiguration lesen

Eine der häufigsten RPC-Anwendungen ist das gezielte Abrufen von Konfigurationsdaten. Statt ein Skript per SSH einen Show-Befehl senden und die Textausgabe parsen zu lassen, kann ein RPC-basierter Client gezielt einen strukturierten Lesebefehl senden.

Klassische CLI-Sicht:

show running-config

RPC-Sicht:

Das ist besonders nützlich für Inventarisierung, Compliance und Vorher-Nachher-Vergleiche.

Konfiguration ändern

Auch Konfigurationsänderungen lassen sich per RPC sauberer steuern als mit losen CLI-Sequenzen. Statt eine Reihe von Befehlen nacheinander zu senden, kann eine definierte Änderungsoperation mit strukturierten Eingabedaten aufgerufen werden.

Klassische CLI:

conf t
ntp server 10.10.10.10
ntp server 10.10.10.11
end
write memory

RPC-orientiert bedeutet das:

Konfiguration validieren

Ein besonders wertvoller Einsatz von RPC ist die Validierung. Vor allem in NETCONF-Umgebungen können Änderungen geprüft werden, bevor sie aktiv werden. Das verbessert die Sicherheit automatisierter Changes deutlich.

Vorteile RPC-basierter Kommunikation für die Netzwerkautomatisierung

Standardisierung und Wiederholbarkeit

RPC-basierte Verfahren sind besonders gut für wiederholbare Prozesse geeignet. Wenn immer dieselbe Operation mit denselben Eingabedaten aufgerufen wird, ist das Verhalten besser vorhersagbar als bei interaktiver CLI-Arbeit.

Strukturierte Fehlerbehandlung

Ein weiterer großer Vorteil ist die strukturierte Fehlerkommunikation. Statt freie CLI-Textmeldungen zu interpretieren, liefern RPC-Systeme häufig definierte Fehlerrückgaben. Das vereinfacht die Auswertung durch Automatisierungstools erheblich.

Gezielte Operationen statt unkontrollierter Textblöcke

Weil RPC auf definierte Funktionen setzt, werden Änderungen gezielter. Das reduziert das Risiko, dass ungewollte Nebeneffekte durch lose Textkommandos entstehen.

Grenzen und typische Missverständnisse

RPC ist kein Selbstzweck

RPC-basierte Kommunikation verbessert die technische Struktur, ersetzt aber nicht die fachliche Planung von Netzwerkkonfigurationen. Wer keine klaren Standards, Datenmodelle oder Change-Prozesse hat, wird auch mit RPC keine saubere Automatisierung erreichen.

CLI bleibt weiterhin wichtig

Trotz aller Vorteile bleibt die klassische CLI im Troubleshooting, in der Live-Diagnose und bei plattformspezifischen Sonderfällen ein wichtiges Werkzeug. RPC-basierte Kommunikation ergänzt diese Arbeitsweise, ersetzt sie aber nicht in jedem Szenario.

Typische CLI-Befehle bleiben im Alltag unverzichtbar:

show ip interface brief
show ip route
show logging
show spanning-tree
show bgp summary

Der Unterschied liegt darin, dass RPC-basierte Verfahren vor allem für strukturierte Automatisierung und kontrollierte Änderungen besonders stark sind.

RPC bedeutet nicht automatisch Herstellerneutralität

Auch wenn RPC-basierte Protokolle standardisiert sind, hängt die tatsächliche Nutzbarkeit von der Plattform, den unterstützten Datenmodellen und der konkreten Implementierung ab. Nicht jedes Gerät bietet dieselben Operationen oder dieselbe Modellabdeckung.

RPC-basierte Kommunikation im Vergleich zu REST-Ansätzen

Gemeinsame Grundidee, unterschiedliche Umsetzung

Sowohl RPC-basierte Protokolle als auch REST-orientierte APIs dienen der Kommunikation zwischen Systemen. Der wesentliche Unterschied liegt oft im Stil der Interaktion. RPC fokussiert klar definierte Aktionen oder Prozeduren, während REST stärker ressourcenorientiert arbeitet.

Für Network Engineers ist wichtig:

Gerade im Netzwerkbetrieb existieren heute beide Welten parallel.

Warum RPC in NETCONF so gut passt

NETCONF profitiert besonders von RPC, weil viele Netzwerkänderungen und Prüfungen klar als definierte Operationen formuliert werden können. Dazu gehören Lesen, Bearbeiten, Validieren oder Committen von Konfigurationen. Dieser prozedurale Ansatz passt sehr gut zur kontrollierten Konfigurationsverwaltung.

Praktische Einordnung für Network Engineers

Wann RPC-basierte Kommunikation besonders sinnvoll ist

RPC-basierte Kommunikation ist besonders stark, wenn Änderungen kontrolliert, strukturiert und reproduzierbar erfolgen sollen. Das ist häufig der Fall bei:

Wie der Einstieg oft aussieht

In der Praxis beginnt der Einstieg meist nicht mit komplexen Write-Operationen, sondern mit einfachen Lesefunktionen. Engineers nutzen zunächst strukturierte RPC-Abfragen, um Konfigurationen oder Statusdaten auszulesen. Erst danach folgen validierte und kontrollierte Änderungsoperationen.

Typische Vorbereitungen auf Cisco-Plattformen können beispielsweise sein:

conf t
netconf-yang
end

show netconf-yang sessions
show running-config | include netconf

Diese Schritte sind zwar nicht selbst die RPC-Kommunikation, schaffen aber die Grundlage dafür, dass ein Gerät strukturierte NETCONF-RPCs verarbeiten kann.

Best Practices für das Verständnis RPC-basierter Kommunikation

Damit wird RPC-basierte Kommunikation für Network Engineers zu einem sehr greifbaren Konzept: Sie beschreibt keinen abstrakten Theoriebegriff, sondern ein praktisches Kommunikationsmuster, mit dem moderne Netzwerkgeräte strukturierte Anfragen entgegennehmen, gezielt verarbeiten und klar definierte Ergebnisse zurückliefern.

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