5.3 Partizip I und Partizip II als Attribute richtig verwenden: Deutsch auf C1-Niveau

In diesem Text lernst du, wie man Partizip I und Partizip II als Attribute richtig verwendet. Das Thema gehört zu einem höheren Sprachniveau, aber wir erklären es einfach und klar. Diese Formen helfen dir, Nomen genauer zu beschreiben. So kannst du kürzere, genauere und oft auch schriftlichere Sätze bilden. Wenn du diese Strukturen verstehst, kannst du bessere Texte lesen und selbst genauer auf Deutsch schreiben und sprechen.

Table of Contents

Was ist ein Attribut?

Ein Attribut ist eine zusätzliche Information zu einem Nomen. Es beschreibt das Nomen genauer. Ein Attribut kann ein Adjektiv sein, ein Relativsatz oder auch ein Partizip.

Einfache Beispiele

der interessante Film

die freundliche Lehrerin

das große Haus

Hier beschreiben interessante, freundliche und große das Nomen genauer.

Einfach erklärt

Ein Attribut steht oft direkt vor dem Nomen.

Zum Beispiel:

der spannende Film

Das Wort spannende sagt mehr über den Film.

Wichtige Wörter

  • das Attribut
  • das Nomen
  • beschreiben
  • genauer
  • das Partizip
  • das Adjektiv
  • der Relativsatz

Was ist Partizip I?

Partizip I bildet man normalerweise mit dem Infinitiv und -d. Es beschreibt oft eine aktive Handlung, also etwas, das gerade passiert oder von der Person oder Sache selbst ausgeht.

Beispiele für die Bildung

  • lernen → lernend
  • sprechen → sprechend
  • arbeiten → arbeitend
  • lachen → lachend

Einfache Beispiele im Satz

das lachende Kind

die arbeitende Frau

der sprechende Mann

Einfach erklärt

Das Kind lacht. → das lachende Kind

Die Frau arbeitet. → die arbeitende Frau

Das Partizip I zeigt hier: Die Person oder Sache macht selbst etwas.

Was ist Partizip II?

Partizip II kennst du vielleicht schon aus dem Perfekt. Als Attribut beschreibt es oft etwas, das schon passiert ist, oder ein Ergebnis, oder etwas Passives.

Beispiele für die Bildung

  • machen → gemacht
  • schreiben → geschrieben
  • bauen → gebaut
  • öffnen → geöffnet

Einfache Beispiele im Satz

der geschriebene Brief

die geöffnete Tür

das gebaute Haus

Einfach erklärt

Jemand hat den Brief geschrieben. → der geschriebene Brief

Jemand hat die Tür geöffnet. → die geöffnete Tür

Partizip II zeigt hier oft: Etwas ist schon gemacht oder passiert.

Partizip I als Attribut

Wenn Partizip I vor einem Nomen steht, bekommt es oft eine Adjektivendung. Dann funktioniert es wie ein Adjektiv.

Beispiele

der arbeitende Student

die singende Frau

das schlafende Kind

die spielenden Kinder

Einfach erklärt

Der Student arbeitet. → der arbeitende Student

Die Frau singt. → die singende Frau

Das Kind schläft. → das schlafende Kind

Diese Form klingt oft schriftlicher als ein normaler Nebensatz.

Vergleich mit Relativsatz

der Student, der arbeitet

der arbeitende Student

Beide Formen sind richtig. Die zweite Form ist kürzer.

Partizip II als Attribut

Auch Partizip II steht oft vor einem Nomen mit einer Adjektivendung. Es beschreibt dann oft einen Zustand, ein Ergebnis oder etwas Passives.

Beispiele

der geschriebene Text

die geschlossene Tür

das gekaufte Buch

die eingeladenen Gäste

Einfach erklärt

Der Text wurde geschrieben. → der geschriebene Text

Die Tür wurde geschlossen. → die geschlossene Tür

Das Buch wurde gekauft. → das gekaufte Buch

Vergleich mit Relativsatz

das Buch, das ich gekauft habe

das gekaufte Buch

Die zweite Form ist kürzer und kompakter.

Der Unterschied zwischen Partizip I und Partizip II

Der wichtigste Unterschied ist oft:

  • Partizip I = aktiv, die Person oder Sache macht etwas selbst
  • Partizip II = oft passiv oder Ergebnis, etwas ist schon passiert

Beispiele

das lachende Kind

das geöffnete Fenster

Einfach erklärt

Das Kind lacht selbst. Deshalb benutzt man Partizip I.

Das Fenster wurde geöffnet. Deshalb benutzt man Partizip II.

Noch ein Vergleich

der arbeitende Mann

der verletzte Mann

Im ersten Satz arbeitet der Mann selbst.

Im zweiten Satz ist etwas mit dem Mann passiert.

Partizipien als kürzere Form von Relativsätzen

Sehr oft ersetzen Partizipien einen Relativsatz. Das ist besonders in schriftlicher Sprache wichtig.

Mit Relativsatz

Die Frau, die im Garten arbeitet, ist meine Nachbarin.

Mit Partizip I

Die im Garten arbeitende Frau ist meine Nachbarin.

Mit Relativsatz

Das Buch, das gestern gekauft wurde, liegt auf dem Tisch.

Mit Partizip II

Das gestern gekaufte Buch liegt auf dem Tisch.

Einfach erklärt

Die Partizipform ist kürzer. Sie klingt oft schriftlicher und kompakter.

Partizip I mit zusätzlichen Angaben

Partizip I kann nicht nur allein stehen. Es kann auch weitere Wörter bei sich haben, zum Beispiel Zeitangaben, Ortsangaben oder Objekte.

Beispiele

der im Park spielende Junge

die in Berlin arbeitende Ärztin

der laut sprechende Mann

die am Fenster sitzende Frau

Einfach erklärt

Der Junge spielt im Park. → der im Park spielende Junge

Die Ärztin arbeitet in Berlin. → die in Berlin arbeitende Ärztin

Das Partizip steht am Ende dieser kleinen Gruppe direkt vor dem Nomen.

Partizip II mit zusätzlichen Angaben

Auch Partizip II kann weitere Informationen bei sich haben.

Beispiele

das gestern gekaufte Buch

die von der Lehrerin erklärte Regel

der im Kurs gelesene Text

die am Morgen geöffnete Tür

Einfach erklärt

Das Buch wurde gestern gekauft. → das gestern gekaufte Buch

Die Regel wurde von der Lehrerin erklärt. → die von der Lehrerin erklärte Regel

Diese Form ist sehr nützlich in geschriebenen Texten.

Adjektivendungen bei Partizipien

Partizip I und Partizip II bekommen als Attribute dieselben Endungen wie Adjektive. Deshalb musst du auf Artikel, Genus, Numerus und Kasus achten.

Beispiele

der arbeitende Mann

ein arbeitender Mann

die arbeitende Frau

das arbeitende Kind

die arbeitenden Kinder

Mit Partizip II

der geschriebene Brief

ein geschriebener Brief

die geschriebene Nachricht

das geschriebene Wort

Einfach erklärt

Die Endung hängt nicht vom Partizip selbst ab, sondern vom Nomen und vom Artikel.

Häufige Partizip-I-Formen

Einige Partizip-I-Formen sieht man oft in Texten und Gesprächen.

Beispiele

  • der fehlende Satz
  • die passende Antwort
  • die steigenden Preise
  • die fallende Temperatur
  • die lernenden Schüler
  • der lachende Junge

Beispielsätze

Die steigenden Preise sind für viele Menschen ein Problem.

Die lernenden Schüler sitzen im Klassenraum.

Der fehlende Satz macht den Text unklar.

Häufige Partizip-II-Formen

Auch einige Partizip-II-Formen sind sehr häufig und wichtig.

Beispiele

  • die geschlossene Tür
  • der geschriebene Text
  • die gekauften Bücher
  • die besprochene Frage
  • die eingeladenen Gäste
  • das erklärte Problem

Beispielsätze

Die geschlossene Tür war sofort sichtbar.

Der geschriebene Text ist sehr klar.

Die eingeladenen Gäste kamen pünktlich.

Wann Partizipien stilistisch gut passen

Partizipien als Attribute passen besonders gut in schriftlichen Texten, Berichten, Aufsätzen und formelleren Erklärungen. Im Alltag benutzt man oft lieber Relativsätze, weil sie leichter sind.

Beispiele mit Relativsatz

Das ist die Frau, die in Berlin arbeitet.

Schriftlicher mit Partizip I

Das ist die in Berlin arbeitende Frau.

Beispiele mit Relativsatz

Das ist das Buch, das gestern gekauft wurde.

Schriftlicher mit Partizip II

Das ist das gestern gekaufte Buch.

Einfach erklärt

Die Partizipformen sind nicht immer besser. Sie sind nur stilistisch anders. Manchmal klingt ein normaler Relativsatz natürlicher und klarer.

Wann Partizipien schwer oder unklar werden

Zu lange Partizipgruppen können einen Satz schwer machen. Dann ist ein Relativsatz oft besser.

Weniger gut

Der seit mehreren Jahren in einer kleinen Wohnung in Berlin mit seiner Familie lebende und an einer Schule arbeitende Mann ist mein Onkel.

Besser

Der Mann lebt seit mehreren Jahren mit seiner Familie in einer kleinen Wohnung in Berlin und arbeitet an einer Schule. Er ist mein Onkel.

Oder:

Der Mann, der seit mehreren Jahren mit seiner Familie in einer kleinen Wohnung in Berlin lebt und an einer Schule arbeitet, ist mein Onkel.

Einfach erklärt

Wenn ein Satz zu lang wird, ist Klarheit wichtiger als Kürze.

Partizip I und II mit Passiv und Aktiv vergleichen

Es hilft, auf die Grundbedeutung zu achten.

Aktiv mit Partizip I

der laufende Hund

die lachende Frau

die arbeitenden Studenten

Passiv oder Ergebnis mit Partizip II

das geöffnete Fenster

der reparierte Computer

die geschriebenen Sätze

Einfach erklärt

Partizip I zeigt oft Aktivität.

Partizip II zeigt oft etwas Fertiges, Passives oder ein Ergebnis.

Kurzer Lesetext

Im Deutschkurs erklärt die Lehrerin heute Partizipien als Attribute. Zuerst schreibt sie einfache Beispiele an die Tafel: „das lachende Kind“ und „die geschlossene Tür“. Danach erklärt sie den Unterschied. Das lachende Kind macht selbst etwas. Die geschlossene Tür zeigt ein Ergebnis.

Später zeigt sie auch längere Formen. Maria schreibt: „das gestern gekaufte Buch“. Karim schreibt: „die im Garten spielenden Kinder“. Die Lehrerin sagt, dass solche Formen in Texten oft kürzer und stilistisch reicher wirken. Gleichzeitig erklärt sie, dass sehr lange Partizipgruppen schwer sein können. Deshalb sollen die Lernenden immer auf Klarheit achten.

Fragen zum Lesetext

  • Was erklärt die Lehrerin heute?
  • Welche zwei Beispiele schreibt sie zuerst an die Tafel?
  • Was schreibt Maria?
  • Was schreibt Karim?
  • Worauf sollen die Lernenden achten?

Kurzer Dialog

Tom: Verstehst du jetzt den Unterschied zwischen Partizip I und Partizip II?

Mila: Ja, ein bisschen besser.

Tom: Kannst du ein Beispiel mit Partizip I sagen?

Mila: Ja. das singende Kind.

Tom: Sehr gut. Und mit Partizip II?

Mila: die geöffnete Tür.

Tom: Genau. Das erste ist aktiv, das zweite zeigt eher ein Ergebnis.

Nützliche Sätze aus dem Dialog

  • Ich verstehe den Unterschied jetzt besser.
  • Das singende Kind.
  • Die geöffnete Tür.
  • Das erste ist aktiv.
  • Das zweite zeigt eher ein Ergebnis.

Typische Fehler vermeiden

Viele Lernende verwechseln Partizip I und Partizip II oder machen die Struktur zu kompliziert. Das ist normal. Wichtig ist, die Grundbedeutung zu sehen.

Häufige Fehler

  • Partizip I statt Partizip II benutzen
  • Partizip II statt Partizip I benutzen
  • die Endung vergessen
  • zu lange Partizipgruppen bilden

Falsch und richtig

Falsch: die öffnende Tür, wenn gemeint ist: die Tür ist schon offen

Richtig: die geöffnete Tür

Falsch: das geschlafene Kind

Besser: das schlafende Kind

Falsch: der kaufen Buch

Richtig: das gekaufte Buch

Einfach erklärt

Frage dich immer:

  • Macht die Person oder Sache selbst etwas? → oft Partizip I
  • Ist etwas passiert oder fertig? → oft Partizip II

Mini-Übungen mit Beispielen

Wähle Partizip I oder Partizip II

  • das ___ Kind (lachen) → lachende
  • die ___ Tür (öffnen) → geöffnete
  • der ___ Mann (arbeiten) → arbeitende
  • das ___ Buch (kaufen) → gekaufte

Relativsatz umformen

Die Frau, die im Garten arbeitet, ist meine Nachbarin.

Die im Garten arbeitende Frau ist meine Nachbarin.

Das Buch, das gestern gekauft wurde, liegt auf dem Tisch.

Das gestern gekaufte Buch liegt auf dem Tisch.

Die Gäste, die eingeladen wurden, kommen am Abend.

Die eingeladenen Gäste kommen am Abend.

Eigene kurze Beispiele

  • das im Park spielende Kind
  • die von der Lehrerin erklärte Regel
  • der laut sprechende Mann
  • die am Morgen geschriebene Nachricht

Wichtiger Wortschatz zum Wiederholen

  • das Partizip I
  • das Partizip II
  • das Attribut
  • das Nomen
  • aktiv
  • passiv
  • das Ergebnis
  • die Endung
  • der Relativsatz
  • lachend
  • arbeitend
  • geschrieben
  • geöffnet
  • gekauft
  • eingeladen

Weitere einfache Beispielsätze

Das lachende Kind spielt im Garten.

Die arbeitende Frau spricht wenig.

Der sprechende Lehrer erklärt die Regel.

Das geöffnete Fenster ist im Klassenzimmer.

Das gestern gekaufte Buch liegt auf dem Tisch.

Die eingeladenen Gäste kommen am Abend.

Mit Partizipien als Attributen kann ich Nomen genauer und oft auch kürzer beschreiben.

So wird mein Deutsch stilistisch reicher und genauer.

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