Im Jahr 2026 blicken wir auf eine Ära zurück, in der Smartphones noch keine holografischen Displays oder vollautonome KI-Assistenten hatten. Doch es gab Veröffentlichungen, die das Fundament für das legten, was wir heute als selbstverständlich erachten. Eine dieser Versionen war iOS 9. Veröffentlicht im September 2015, markierte es einen Wendepunkt weg von rein optischen Spielereien hin zu systemweiter Intelligenz, Effizienz und echtem Multitasking.
Für viele iPhone-Enthusiasten gilt iOS 9 als das Betriebssystem, das Apples Hardware „erwachsen“ machte. In diesem ausführlichen Blogpost tauchen wir tief in die Geschichte von iOS 9 ein, beleuchten die Funktionen, die damals revolutionär waren, und klären, welche Bedeutung dieses System heute noch für Sammler und Nutzer älterer Hardware hat.
Die Philosophie hinter iOS 9: „Intelligence and Proactivity“
Während iOS 7 das Design radikal veränderte und iOS 8 die Vernetzung (Continuity) in den Fokus rückte, war das Motto von iOS 9 schlichtweg Intelligenz. Apple wollte nicht mehr nur auf Eingaben reagieren, sondern vorausahnen, was der Nutzer als Nächstes tun möchte.
Dies war die Geburtsstunde von Proactive Assistance. Das iPhone begann zu lernen: Wenn Sie morgens nach dem Aufwachen immer zuerst die News-App öffneten, schlug das System diese bereits auf dem Sperrbildschirm vor. Wenn Sie Kopfhörer einsteckten, startete automatisch die Musik-App mit Ihrer zuletzt gehörten Playlist. Diese dezenten, aber hilfreichen Funktionen sind die direkten Vorfahren der heutigen hochkomplexen KI-Integrationen in iOS 26.
Die wichtigsten Funktionen im Überblick
iOS 9 brachte eine Fülle an Neuerungen, die teilweise heute noch das Rückgrat der iPhone-Bedienung bilden.
1. Eine klügere Siri und Spotlight
Siri wurde unter iOS 9 deutlich schneller und bekam ein neues, farbenfrohes Design, das an die Apple Watch erinnerte. Viel wichtiger war jedoch die tiefere Integration in das System. Nutzer konnten Siri nun bitten, „mich an dies zu erinnern, wenn ich im Auto bin“, wobei Siri den Kontext der gerade geöffneten App verstand. Spotlight (die Suche) wurde ebenfalls massiv aufgewertet und bot nun Kontakte, Apps und Sehenswürdigkeiten direkt beim Wischen nach rechts auf dem Home-Bildschirm an.
2. Echtes Multitasking (für das iPad)
Obwohl wir hier über das iPhone sprechen, darf der Einfluss von iOS 9 auf das iPad nicht unerwähnt bleiben. Hier wurden Slide Over, Split View und Picture-in-Picture eingeführt. Es war das erste Mal, dass man zwei Apps gleichzeitig bedienen konnte – ein Feature, das heute unter iOS 26 auf dem iPhone in ähnlicher Form als „Stage Manager“ oder verbessertes Multitasking existiert.
3. Die neue „Notizen“-App
Vor iOS 9 war die Notizen-App ein digitaler Notizblock für simplen Text. Mit dem Update wurde sie zu einem mächtigen Werkzeug. Man konnte nun Skizzen zeichnen, Checklisten erstellen, Fotos einfügen und Web-Links mit Vorschau speichern. Es war Apples Antwort auf Apps wie Evernote.
4. Apple News und Wallet
iOS 9 ersetzte die alte Kiosk-App durch Apple News, eine kuratierte Nachrichten-Plattform. Zudem wurde „Passbook“ in Wallet umbenannt, was den Wandel weg von bloßen Flugtickets hin zu einer digitalen Brieftasche für Kreditkarten (Apple Pay) und Kundenkarten markierte.
5. Stromsparmodus (Low Power Mode)
Dies ist vielleicht das beliebteste Feature, das bis heute überlebt hat. iOS 9 führte den offiziellen Stromsparmodus ein, der Hintergrundaktivitäten reduziert und die Leistung drosselt, um die Akkulaufzeit in kritischen Momenten um bis zu drei Stunden zu verlängern.
Die technische Seite: Performance und Speicherplatz
Ein großes Problem vor iOS 9 war, dass System-Updates oft riesig waren. Viele Nutzer mit 16-GB-iPhones konnten iOS 8 nicht installieren, weil sie 5 GB freien Speicher benötigten. Apple reagierte bei iOS 9 mit zwei genialen Schachzügen:
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App Thinning: Der App Store lud nur noch die Programmteile herunter, die für das spezifische iPhone-Modell notwendig waren. Ein iPhone 4s lud nicht mehr die hochauflösenden Grafiken für ein iPhone 6s herunter, was massiv Platz sparte.
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Kleinere Update-Dateien: Das Update auf iOS 9 war nur noch etwa 1,3 GB groß, statt der über 4 GB bei iOS 8.
Darüber hinaus wechselte Apple die System-Schriftart von Helvetica Neue auf San Francisco, die speziell für bessere Lesbarkeit auf kleinen Bildschirmen entwickelt wurde und bis heute der Standard auf allen Apple-Geräten ist.
Kompatibilität: Welche iPhones unterstützten iOS 9?
Apple bewies mit iOS 9 eine bemerkenswerte Treue zu älterer Hardware. Jedes Gerät, auf dem iOS 8 lief, konnte auch auf iOS 9 aktualisiert werden. Dazu gehörten:
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iPhone 4s, 5, 5c, 5s, 6, 6 Plus
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Neu erschienen mit iOS 9: iPhone 6s und 6s Plus
Besonders für das iPhone 4s war dies ein Segen und Fluch zugleich. Es war das erste Mal, dass ein iPhone fünf Jahre lang mit Updates versorgt wurde, auch wenn die Performance auf dem betagten A5-Chip unter iOS 9 spürbar litt.
iOS 9 im Jahr 2026: Was ist heute noch möglich?
Wenn Sie heute ein iPhone mit iOS 9 in die Hand nehmen (vielleicht ein gut erhaltenes iPhone 5s aus Ihrer Sammlung), werden Sie feststellen, dass die Welt sich weitergedreht hat.
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App-Support: Die meisten Apps im App Store setzen heute mindestens iOS 16 oder höher voraus. Die Nutzung von WhatsApp, Instagram oder modernen Banking-Apps ist auf iOS 9 nahezu unmöglich.
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Web-Browsing: Viele moderne Webseiten nutzen Verschlüsselungsstandards und Skripte, die der alte Safari-Browser von iOS 9 nicht mehr korrekt interpretieren kann.
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Sicherheit: iOS 9 erhält seit Jahren keine Sicherheits-Patches mehr. Es ist daher nicht ratsam, ein solches Gerät für sensible Aufgaben oder mit aktiven Cloud-Accounts im Internet zu nutzen.
Dennoch: Für Retro-Gaming, als reiner Musikplayer (iPod-Ersatz) oder für ablenkungsfreies Schreiben in der Notizen-App hat ein iOS-9-Gerät auch im Jahr 2026 noch einen gewissen Charme. Es erinnert uns an eine Zeit, in der die Software anfing, uns wirklich zu verstehen.
Fazit: Ein würdiges Erbe
iOS 9 war kein Update der großen optischen Revolutionen, sondern eines der inneren Werte. Es brachte Stabilität, Effizienz und den ersten echten Hauch von künstlicher Intelligenz in unsere Hosentaschen. Es lehrte uns den Wert eines Stromsparmodus und zeigte, dass Apple auch ältere Geräte lange nicht im Stich lässt.
Jedes Mal, wenn wir heute unter iOS 26 ein Widget nutzen oder uns Siri proaktiv an einen Termin erinnert, steckt darin ein kleines Stück Code, dessen Ursprung wir im Herbst 2015 bei iOS 9 finden.












