Location Scouting ist ein zentraler Hebel der visuellen Konzeption, weil die Umgebung nicht nur „Kulisse“ ist, sondern aktiv die Art Direction beeinflusst. Das Hauptkeyword „Location Scouting“ beschreibt den Prozess, passende Dreh- oder Fotolocations zu finden, zu bewerten und so vorzubereiten, dass Bildsprache, Markenwirkung und Produktionsrealität zusammenpassen. Eine Location bestimmt Licht, Farben, Texturen, Akustik, Raumwirkung, Perspektiven und sogar die Körpersprache von Personen im Bild. Sie kann eine Marke hochwertig, nahbar, urban, naturverbunden oder technologisch wirken lassen – oder genau das Gegenteil erzeugen, wenn sie unbewusst gegen die gewünschte Tonalität arbeitet. Gleichzeitig hat die Umgebung harte praktische Konsequenzen: Genehmigungen, Wetterrisiko, Strom, Zugang, Sicherheit, Nachbarschaftslärm und Logistik entscheiden darüber, ob ein Set planbar bleibt. Professionelles Location Scouting verbindet deshalb Ästhetik mit Machbarkeit. Für Art Directors bedeutet das: Wer Locations strukturiert scoutet, minimiert Risiken, spart Produktionskosten und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das geplante Bildkonzept unter realen Bedingungen tatsächlich erreicht wird.
1. Umgebung als Gestaltungsmittel: Wie Locations Look, Stimmung und Markenwirkung formen
Art Direction lebt von kontrollierten Entscheidungen. Eine Location ist dabei eines der stärksten, aber oft unterschätzten Gestaltungsmittel, weil sie viele Faktoren gleichzeitig festlegt: Hintergrund, Lichtcharakter, Raumtiefe, Farbklima und die „Geschichte“, die ein Bild implizit erzählt. Selbst ein neutrales Produktfoto wirkt anders, wenn es vor rohem Beton, warmem Holz oder glänzenden Metallflächen inszeniert wird. Location Scouting bedeutet daher, Umgebung als semantisches Element zu verstehen: Jede Oberfläche und jedes Detail kommuniziert.
- Farbklima: Wandfarben, Boden, Vegetation oder Innenausstattung beeinflussen Hauttöne und Produktfarben.
- Materialität: Beton, Glas, Textil, Holz, Stahl erzeugen Assoziationen wie „industrial“, „premium“, „handwerklich“ oder „clean“.
- Raumwirkung: Enge Räume erzeugen Intimität oder Druck, offene Flächen vermitteln Freiheit oder Distanz.
- Kontext und Story: Ein Altbau erzählt etwas anderes als ein Labor, ein Loft etwas anderes als ein Familienhaus.
- Authentizität: Echte Orte wirken oft glaubwürdiger als Sets, erfordern aber mehr Kontrolle über Störungen.
Für Art Directors ist entscheidend, dass die Location nicht „laut“ gegen die Marke arbeitet. Eine minimalistische, funktionale Marke verliert Glaubwürdigkeit in einer zu verspielten Umgebung; eine warme, menschliche Marke wirkt kühl, wenn die Location steril ist. Location Scouting beginnt deshalb mit einer klaren Tonalität: Welche Atmosphäre soll das Publikum wahrnehmen – und welche Umgebung unterstützt das ohne zusätzliche Erklärarbeit?
2. Kriterienkatalog für Location Scouting: Ästhetik, Technik, Logistik und Risiko
Gute Locations erfüllen selten alle Wünsche. Professionelles Location Scouting ist daher ein Abwägen mit klaren Kriterien. Ästhetik ist nur ein Teil. Mindestens genauso wichtig sind technische und organisatorische Faktoren, weil sie die Umsetzung am Set bestimmen. Ein systematischer Kriterienkatalog hilft, Entscheidungen vergleichbar zu machen, besonders wenn mehrere Stakeholder beteiligt sind.
Ästhetische Kriterien
- Visueller Fit: Passt der Ort zur Markenwelt (Stil, Qualität, Modernität, Milieu)?
- Hintergrundruhe: Gibt es störende Elemente (Schilder, Marken, Kabel, Unordnung), die später Retusche erfordern?
- Flexibilität der Perspektiven: Bietet der Ort mehrere Blickachsen, Variationen, Räume oder Zonen?
- Texturen und Details: Unterstützen Oberflächen die Bildsprache oder lenken sie ab?
- Kontrollierbarkeit: Können Dekorationen entfernt, Möbel umgestellt, Flächen neutralisiert werden?
Technische Kriterien
- Lichtverhältnisse: Fenstergrößen, Himmelsrichtungen, direkte Sonne, Verschattung, Kunstlichtqualität.
- Strom: Anzahl Sicherungen, Lastverteilung, Nähe von Steckdosen, Möglichkeiten für Generatoren.
- Akustik: Hall, Straßenlärm, Nachbarn, Flugrouten (kritisch für Filmton).
- Platz für Technik: Auf-/Abbauzonen, Lagerfläche, Hair-&-Make-up, Client Area, Video Village.
- Netz/Empfang: relevant für Remote-Freigaben, Live-Uploads, Kommunikation.
Logistik und Risiko
- Zugänglichkeit: Parken, Ladezone, Aufzug, Treppen, Wege für Cases, Barrierefreiheit.
- Genehmigungen: Dreherlaubnis, Sondernutzung öffentlicher Flächen, Auflagen (Lärm, Sperrungen).
- Wetterplan: Indoor-Alternative, Wetterschutz, Wind, Regen, Temperatur, Tageslichtfenster.
- Sicherheit: Fluchtwege, Brandschutz, Stolperfallen, Haftungsfragen, Set-Security.
- Rechte im Bild: Markenlogos, Kunstwerke, Architekturrechte, Kennzeichen, private Personen.
Gerade der rechtliche Aspekt wird beim Location Scouting oft unterschätzt. Sichtbare Kunstwerke, Markenzeichen oder private Grundstücke können Nutzungsprobleme verursachen. Für einen allgemeinen Einstieg in rechtliche Rahmeninformationen in Deutschland können offizielle Stellen Orientierung geben, etwa das Bundesministerium der Justiz (keine Rechtsberatung, aber grundlegende Informationen) und für markenbezogene Fragen das DPMA.
3. Licht als Standortfaktor: Tageslichtfenster, Himmelsrichtung und kontrollierte Bildqualität
Die Umgebung bestimmt Licht – und Licht bestimmt die Bildwirkung. Location Scouting ist deshalb immer auch Lichtscouting. Für Fotos kann ein schönes, weiches Fensterlicht ein Projekt tragen. Für Film kann die gleiche Situation zum Problem werden, wenn Kontinuität über mehrere Stunden oder Drehtage nötig ist. Professionelle Art Direction bewertet Locations daher nicht nur nach Optik, sondern nach Lichtverhalten über Zeit.
Praktische Fragen für Lichtscouting
- Welche Himmelsrichtung haben die Fenster? Nordlicht ist oft konstant und weich, Südlicht kann hart und wechselhaft sein.
- Wie verändert sich das Licht im Tagesverlauf? Schattenwanderung, direkte Sonne, Reflexionen von Nachbargebäuden.
- Welche Flächen reflektieren Licht? Weiße Wände, Glasfassaden, helle Böden beeinflussen Kontrast und Farbe.
- Kann Licht kontrolliert werden? Vorhänge, Diffusion, Flags, Verdunkelung, Zugang zu Strom für Kunstlicht.
- Wie stabil ist die Kontinuität? Wichtig für Film: Matching von Shots, Vermeidung sichtbarer Sprünge.
Ein häufiger Fehler ist, Locations nur „zur besten Tageszeit“ zu beurteilen. Scouten Sie idealerweise zu den geplanten Drehzeiten oder simulieren Sie die Lichtlage. Für Grundlagen zu Licht, Belichtung und Farbtemperatur kann eine technische Referenz hilfreich sein, etwa Cambridge in Colour (Belichtung und Farbverständnis). Das stärkt Ihre Fähigkeit, Lichtprobleme früh zu erkennen, statt sie teuer in der Postproduktion zu reparieren.
Auch Kunstlicht am Standort ist ein Faktor: Mischlicht (Tageslicht plus unterschiedliche Lampentypen) kann Hauttöne und Produktfarben verfälschen. Prüfen Sie daher vorhandene Leuchten, Farbtemperaturen und die Möglichkeit, Lichtquellen auszuschalten oder zu ersetzen.
4. Workflow und Dokumentation: Von der ersten Suche bis zur finalen Location-Freigabe
Location Scouting wird effizient, wenn es als Prozess mit klarer Dokumentation organisiert wird. Das verhindert, dass Teams dieselben Fragen mehrfach diskutieren, und ermöglicht schnelle Entscheidungen. Für Art Directors ist die Dokumentation außerdem ein Tool, um die Umgebung in die Art Direction zu integrieren: Welche Ecken eignen sich für welche Motive? Wo ist der beste Platz für Packshots? Welche Flächen sind problematisch?
Bewährter Scouting-Workflow
- Scouting-Brief erstellen: Look-Ziele, Must-haves, No-gos, Formate, Setups, Budgetrahmen.
- Longlist aufbauen: mehrere Optionen sammeln, nicht zu früh verengen.
- Remote-Vorsichtung: Grundcheck via Fotos, Grundrisse, Street View (wenn verfügbar), Rückfragen an Owner.
- On-Site-Scouting: Lichttest, Raumcheck, Toncheck, Wege, Strom, Genehmigungsstatus.
- Scouting-Dossier: strukturiertes PDF/Deck mit Bildern, Maßen, Notizen, Risiko-Flags, Shot-Mapping.
- Tech Recce: technischer Vorlauf mit Regie/Kamera/Licht/Ton/Produktion bei komplexen Drehs.
- Finale Freigabe: schriftliche Bestätigung, Kosten, Nutzungsrechte, Zeiten, Auflagen.
In der Dokumentation sollten Sie nicht nur „schöne Bilder“ liefern, sondern belastbare Informationen: Maße, Deckenhöhe, Fenster, Geräuschquellen, Parkmöglichkeiten, Auf- und Abbauzeiten, Sperrzonen, Regeln des Eigentümers (z. B. keine Nägel, keine Nebelmaschine). Eine einfache Skizze oder ein Plan mit markierten Setups spart am Drehtag häufig Stunden.
5. Produktion und Set-Design: Wie Art Direction die Location kontrollierbar macht
Selbst die beste Location ist selten „ready to shoot“. Art Direction macht Orte kontrollierbar, indem sie die Umgebung kuratiert: Requisiten ergänzen, störende Elemente entfernen, Farbkonflikte lösen, Markenrisiken abdecken, Bildachsen beruhigen. Dabei ist der Grundsatz hilfreich: so wenig Eingriff wie nötig, so viel Kontrolle wie erforderlich.
Typische Art-Direction-Maßnahmen auf Location
- Cleanup und „De-Cluttering“: Unruhe reduzieren, visuelle Störer entfernen, Hintergründe vereinfachen.
- Brand Safety: Fremdlogos abdecken, sensible Details vermeiden, rechtlich riskante Elemente entfernen.
- Farbkorrekturen am Set: problematische Farbflächen neutralisieren (z. B. mit Stoffen, Flats, Set-Wänden).
- Set-Dressing: gezielte Requisiten, um Story und Tonalität zu unterstützen.
- Kontinuität: Positionen, Ordnung, Lichtquellen, Props – besonders bei Film und Serien.
Wichtig ist, die Eingriffe realistisch zu planen. Set-Dressing kostet Zeit und braucht Transport und Lagerfläche. Wenn das im Location Scouting nicht berücksichtigt wurde, leidet der Ablauf. Art Directors sollten deshalb mit Produktion und Art Department eng abstimmen: Was wird mitgebracht, was ist vor Ort, was darf verändert werden, was muss wiederhergestellt werden?
Auch Nachhaltigkeit wird in der Produktion zunehmend relevant: Wiederverwendbare Requisiten, minimale Eingriffe, weniger Transport. Das kann nicht jede Location erlauben, ist aber ein zusätzliches Bewertungskriterium – insbesondere bei wiederkehrenden Kampagnen oder bei Marken mit klaren Nachhaltigkeitszielen.
6. Häufige Fehler und Best Practices: Wie Location Scouting bessere Kampagnen ermöglicht
Viele Probleme am Set lassen sich auf unvollständiges Location Scouting zurückführen. Der Ort war „schön“, aber unpraktisch. Das Licht war „toll“, aber nicht kontrollierbar. Der Hintergrund war „spannend“, aber rechtlich riskant. Best Practices helfen, diese typischen Fallen zu vermeiden und Location Scouting als echten Qualitätsfaktor für die Art Direction zu nutzen.
Häufige Fehler
- Nur nach Optik entscheiden: ohne Strom, Ton, Logistik und Genehmigungen mitzudenken.
- Zu spät scouten: wenn Budget, Casting und Setups bereits feststehen, bleibt kaum Flexibilität.
- Licht nicht über Zeit prüfen: Kontinuitätsprobleme werden erst beim Dreh sichtbar.
- Kein Plan B: Wetter, Nachbarn, Sperrungen oder Ausfälle können das Shooting kippen.
- Rechte ignorieren: Logos, Kunst, Architektur oder private Personen verursachen später Nutzungsprobleme.
- Unklare Dokumentation: Teams verlieren Zeit, weil Setups und Wege nicht geplant sind.
Best Practices für Art Directors
- Kriterien priorisieren: Must-haves klar definieren und daran konsequent messen.
- Scouting als Teamleistung: früh Regie/Kamera/Produktion einbinden, insbesondere bei Film.
- Shot-Mapping erstellen: jeder Bereich der Location bekommt eine Funktion und Priorität.
- Kontrollierbarkeit planen: Verdunkelung, Diffusion, Strom, Set-Dressing, Brand Safety.
- Risiken markieren: in der Doku sichtbar machen (Lärm, Nachbarn, Wetter, Genehmigungen, Engpässe).
- Freigaben schriftlich sichern: Bedingungen, Zeiten, Kosten, Regeln und Wiederherstellung festhalten.
Location Scouting beeinflusst die Art Direction, weil es das visuelle Fundament liefert, auf dem alle weiteren Entscheidungen aufbauen. Wer Umgebung als aktiven Teil der Bildsprache versteht und gleichzeitig die Produktionsrealität sauber absichert, schafft die Voraussetzungen für eine Kampagne, die nicht nur geplant gut aussieht, sondern am Drehtag zuverlässig gelingt.
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