Farb- und Beschichtungsangaben: Pulverbeschichtung, Eloxal, Lack richtig notieren

Farb- und Beschichtungsangaben gehören zu den am häufigsten unterschätzten Details in 2D-Zeichnungen. Dabei entscheiden sie in der Praxis über Optik, Korrosionsschutz, Passgenauigkeit und nicht zuletzt über die Reklamationsquote. Ein Bauteil kann geometrisch perfekt gefertigt sein und trotzdem „falsch“ wirken, wenn Farbton, Glanzgrad oder Schichtdicke nicht eindeutig definiert sind. Besonders bei Pulverbeschichtung, Eloxal (Anodisation) und Lackierung entstehen Missverständnisse, weil Begriffe wie „schwarz matt“, „anodisiert natur“ oder „lackiert“ zu viel Interpretationsspielraum lassen. Zulieferer wählen dann das nächstbeste Verfahren, eine verfügbare Standardfarbe oder eine Schichtdicke, die prozessbedingt variiert. Das Ergebnis: sichtbare Farbabweichungen zwischen Chargen, ungewollte Glanzunterschiede, zu enge Passungen durch zu dicke Schichten, Kontaktkorrosion an Schnittkanten oder schlechte Haftung auf falscher Vorbehandlung. Gute Zeichnungsnotizen sorgen hier für Klarheit: Sie benennen System, Farbstandard, Oberflächenzustand, Schichtdickenbereich, Vorbehandlung, Maskierungen sowie Prüfkriterien und Geltungsbereiche. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Farb- und Beschichtungsangaben so notieren, dass Pulverbeschichtung, Eloxal und Lack reproduzierbar, prüfbar und lieferantensicher umgesetzt werden können.

1. Warum Beschichtungsangaben in 2D so oft scheitern: Sprache, Standards und Prozessrealität

Beschichtungen sind keine rein „optische“ Entscheidung, sondern ein Prozess mit Streuung. Schon kleine Unterschiede in Vorbehandlung, Bauteillage im Ofen, Luftfeuchtigkeit, Mischungsverhältnis oder Anodisationsparametern beeinflussen Farbe und Erscheinungsbild. Gleichzeitig treffen in Lieferketten unterschiedliche Gewohnheiten aufeinander: Der eine Zulieferer versteht unter „matt“ eine ganz andere Glanzklasse als der nächste. Deshalb gilt: Je höher die Sichtanforderung oder Funktionsrelevanz, desto präziser muss die Spezifikation sein.

  • Begriffe sind unscharf: „Schwarz“ kann RAL 9005, 9011 oder ein proprietärer Ton sein.
  • Glanz ist messbar, wird aber selten genannt: „matt“ kann 5–30 GU bedeuten.
  • Schichtdicke beeinflusst Passungen: besonders bei Bohrungen, Gewinden, Steck- und Presssitzen.
  • Maskierung wird vergessen: Kontaktflächen, Erdungspunkte, Dichtflächen oder Gewinde brauchen oft Beschichtungsfreiheit.
  • Farbmetamerie: gleiche Farbe wirkt je nach Lichtquelle anders; ohne Prüfbedingungen entstehen Diskussionen.

2. Die Grundstruktur einer guten Notiz: System + Standard + Parameter + Geltungsbereich

Eine belastbare Beschichtungsnotiz folgt einem einfachen Baukasten. Sie nennt zuerst das Beschichtungssystem (z. B. Pulverbeschichtung, Eloxal, Lack), dann den Farbstandard (z. B. RAL), anschließend die relevanten Parameter (Glanz, Struktur, Schichtdicke, Vorbehandlung, Korrosionsklasse) und schließlich den Geltungsbereich (alle Flächen oder nur markierte Sichtflächen).

  • System: Pulverbeschichtung / Eloxal / Nasslack / KTL / Zink-Nickel etc.
  • Farbstandard: z. B. RAL, NCS oder ein Hersteller-Code mit Referenz.
  • Optikparameter: Glanzgrad, Struktur, Textur, Effektpigmente (Feinstruktur, Hammerschlag, Metallic).
  • Technische Parameter: Schichtdicke(n), Vorbehandlung, Haftungs- oder Korrosionsanforderung.
  • Geltungsbereich: „Alle Außenflächen“, „Sichtfläche A“, „Innenflächen ausgenommen“.

Praxisformel

Wenn ein Zulieferer nach der Notiz immer noch zwei plausible Interpretationen hat, ist die Notiz nicht eindeutig genug.

3. Farbstandards richtig verwenden: RAL, NCS und Referenzmuster

Farbangaben sollten möglichst über einen anerkannten Standard erfolgen. Im industriellen Kontext ist RAL besonders verbreitet. Wichtig ist: Ein Standard benennt den Zielton, nicht automatisch das Verfahren oder das visuelle Verhalten bei unterschiedlichen Materialien. RAL 9005 auf Stahl pulverbeschichtet kann anders wirken als RAL 9005 auf Aluminium eloxiert oder lackiert.

  • RAL exakt angeben: Nummer und Bezeichnung (z. B. „RAL 9005 Tiefschwarz“).
  • Standard ergänzen: bei kritischer Optik ein Referenzmuster definieren („Freigabe nach Musterplakette“).
  • Metallische Effekte: bei Metallic/Perl-Effekten ist ein reiner Farbcode selten ausreichend; Muster und Prozessfenster sind entscheidend.
  • Substrateffekte beachten: Grundmaterial, Oberflächenrauheit und Vorbehandlung beeinflussen den Farbeindruck.

Für die Einordnung von RAL als Farbsystem kann RAL-Farben als neutraler Überblick dienen.

4. Pulverbeschichtung richtig notieren: Farbe, Glanz, Struktur, Schichtdicke und Vorbehandlung

Pulverbeschichtung ist robust und wirtschaftlich, aber sie bringt typische Spezifikationsfallen mit sich: Kantenaufbau, Orangenhaut, unterschiedliche Schichtdicken an Geometriekanten und die Frage, ob eine Grundierung (Primer) erforderlich ist. Für Zulieferer ist außerdem wichtig, ob Innenflächen mitbeschichtet werden sollen und welche Korrosionsanforderung gilt.

  • Beschichtungssystem: z. B. „Pulverbeschichtung Polyester“ (Außenanwendung) oder „Epoxy“ (innen, chemisch resistent, UV-empfindlich).
  • Farbe: z. B. „RAL 7016 Anthrazitgrau“.
  • Glanzgrad: matt/seidenmatt/glänzend – besser mit Bereich (z. B. „matt 5–10 GU bei 60°“).
  • Struktur: glatt, fein strukturiert, grob strukturiert; idealerweise definieren, ob Struktur zulässig oder gefordert ist.
  • Schichtdicke: typischerweise als Bereich (z. B. „70–100 µm“), ggf. getrennt für Primer + Deckschicht.
  • Vorbehandlung: z. B. Entfetten, Beizen, Konversionsschicht (bei Aluminium häufig entscheidend für Haftung/Korrosion).

Beispiel-Notiz Pulverbeschichtung

PULVERBESCHICHTUNG: Polyester, Farbe RAL 9005, Glanz matt (5–10 GU/60°), Schichtdicke 70–100 µm, Außenflächen vollständig beschichten. Kontaktflächen X/Y maskieren (beschichtungsfrei). Kanten entgraten, keine scharfen Kanten.

Als branchenübliche Qualitätsreferenz im Aluminium-Bereich ist QUALICOAT als Begriff hilfreich, auch wenn Sie intern abweichende Spezifikationen nutzen.

5. Eloxal (Anodisation) richtig notieren: Typ, Farbe, Schichtdicke, Verdichtung, Sichtanforderung

Eloxal ist kein „Lack“, sondern eine elektrochemisch erzeugte Oxidschicht auf Aluminium. Das hat Konsequenzen: Eloxal verändert die Passung, ist transparent bis transluzent, und die Farbwirkung hängt stark von Legierung, Oberflächenfinish und Prozessführung ab. Für Zulieferer muss klar sein, ob es sich um Schutzeloxal oder dekoratives Eloxal handelt, ob eine Färbung vorgesehen ist und welche Schichtdicke gefordert wird.

  • Grundzustand definieren: gestrahlt, gebürstet, geschliffen, poliert – der Grundfinish prägt Optik und Homogenität.
  • Eloxaltyp: dekorativ oder technisch; ggf. Norm-/Spezifikationsbezug.
  • Farbe: „natur“, „schwarz“, „champagner“ – besser mit Prozess-/Musterreferenz, da es keine echte „RAL-Gleichheit“ gibt.
  • Schichtdicke: als Bereich (z. B. 10–20 µm dekorativ, höher bei technischer Anforderung).
  • Verdichtung (Sealing): relevant für Korrosionsbeständigkeit und Farbstabilität.
  • Kontaktflächen: elektrische Kontaktierung im Prozess kann Kontaktstellen hinterlassen; definieren, wo diese liegen dürfen.

Beispiel-Notiz Eloxal

ELOXAL: Aluminium eloxieren, Farbe Schwarz (Freigabe nach Referenzmuster), Schichtdicke 15–20 µm, verdichtet. Sichtflächen A gemäß Markierung: gleichmäßiges Erscheinungsbild, keine Flecken/Schlieren. Kontaktmarken nur in Bereich B zulässig.

Zur technischen Einordnung von Anodisation kann Anodisation als neutrale Quelle dienen.

6. Lackierung sauber spezifizieren: Nasslack, 2K-Systeme, Primer, Klarlack und Schichtaufbau

Lack ist extrem flexibel, aber genau deshalb spezikationsintensiv. Bei Nasslack müssen Sie entscheiden, ob nur Optik zählt oder ob ein definierter Schichtaufbau (Primer + Decklack + Klarlack) für Korrosion, Chemikalienbeständigkeit oder Kratzfestigkeit nötig ist. Bei Sichtteilen sind zudem Glanzgrad, Haptik und mögliche Orangenhaut relevant.

  • Lacksystem: z. B. „2K-PU-Lack“ (Polyurethan) oder „Acryllack“; je nach Einsatzumgebung.
  • Farbton: RAL/NCS oder Hersteller-Code, idealerweise mit Musterfreigabe.
  • Glanz/Haptik: matt/seidenmatt/glänzend; bei Premium-Optik besser messbar definieren.
  • Schichtaufbau: Primer ja/nein, Klarlack ja/nein, Gesamt- und Einzelschichtdicken.
  • Beständigkeiten: z. B. UV, Chemikalien, Abrieb; nur nennen, wenn gefordert und prüfbar.
  • Untergrundvorbereitung: schleifen/strahlen/entfetten; besonders wichtig bei Kunststoffteilen.

Beispiel-Notiz Lack

LACKIERUNG: 2K-PU, Farbton RAL 9016, seidenmatt (20–30 GU/60°), Schichtaufbau Primer + Decklack, Gesamtschichtdicke 60–90 µm. Sichtflächen A: gleichmäßiger Verlauf, keine Läufer/Orangenhaut sichtbar bei 30 cm Abstand. Maskierung: Dichtfläche X beschichtungsfrei.

7. Schichtdicke und Passungen: Wenn Beschichtung Funktion beeinflusst

Eine der häufigsten Reklamationsursachen ist nicht der „falsche Farbton“, sondern die Auswirkung der Beschichtung auf Maße. Schichten addieren sich beidseitig: Eine 80-µm-Beschichtung auf einer Passfläche kann den Durchmesser um 160 µm verändern. Ohne Hinweis bleibt unklar, ob Maße vor oder nach Beschichtung gelten.

  • Maßbezug definieren: „Maße gelten nach Beschichtung“ oder „kritische Passflächen vor Beschichtung tolerieren, danach nacharbeiten“.
  • Maskieren statt nacharbeiten: Gewinde, Dichtflächen und Erdungspunkte oft beschichtungsfrei halten.
  • Bohrungen beachten: Pulverbeschichtung baut in Bohrungen sichtbar auf; ggf. Bohrungen nacharbeiten oder maskieren.
  • Gleitflächen: Beschichtung kann Reibwerte verändern; bei bewegten Paarungen klare Vorgaben machen.

8. Maskierungen und Sperrflächen: So notierst du „hier keine Beschichtung“ richtig

„Maskieren“ ist ein häufig verwendeter Begriff, aber ohne Geometrie und Toleranz ist er unvollständig. Beschichtungsfreie Bereiche müssen eindeutig gekennzeichnet sein: mit Ansicht, Umrandung, Maßangaben und idealerweise einer klaren Benennung, warum die Fläche frei bleiben muss (Kontakt, Dichtung, Passung).

  • Sperrflächen markieren: z. B. mit Umrandung und Hinweis „BESCHICHTUNGSFREI“.
  • Grenzen bemaßen: Breite/Abstand zur Kante, damit Maskierung reproduzierbar ist.
  • Funktion nennen: „Erdungspunkt“, „Dichtfläche“, „Klebefläche“, „Passsitz“.
  • Toleranz für Maskierung: wenn nötig angeben, wie genau die Grenze liegen muss.

9. Sichtflächen, Qualitätsklassen und Abnahme: Optik so definieren, dass sie reklamierbar bleibt

Optische Anforderungen sind heikel, weil sie subjektiv wirken. Dennoch lassen sie sich deutlich besser fassen, wenn Sie Sichtflächen definieren und Prüfbedingungen festlegen. Entscheidend ist, dass Ihre Kriterien realistisch, prüfbar und mit Lieferanten abgestimmt sind.

  • Sichtflächen-Konzept: A/B/C-Flächen oder klare Markierungen in der Zeichnung.
  • Prüfbedingungen: Abstand und Licht; nur so streng, wie Sie es später wirklich prüfen.
  • Akzeptanzkriterien: z. B. „keine sichtbaren Kratzer > 5 mm“, „keine Farbwolken“, „keine Abplatzer“.
  • Farbabweichung: bei kritischen Produkten über Musterfreigabe oder definierte Toleranzmethoden (wenn Ihr QS-System das unterstützt).
  • Chargenstabilität: bei Serienoptik kann eine „Master-Sample“-Definition helfen.

10. Häufige Fehler in Beschichtungsnotizen – und wie du sie sofort besser machst

  • „Schwarz matt“ ohne Standard: führt zu beliebigen Tönen → besser: RAL/NCS + Glanzbereich + Musterfreigabe.
  • Keine Schichtdicke: Passungen ändern sich unkontrolliert → besser: Schichtdickenbereich nennen und Maßbezug klären.
  • Maskierung nur als Text: „Kontaktfläche frei“ ohne Geometrie → besser: Sperrfläche markieren und bemaßen.
  • Widersprüche im Dokument: Notiz sagt „beschichten“, Detail zeigt „bearbeitet“ → besser: Prioritäten klären und Notizen konsolidieren.
  • Optik ohne Prüfkriterium: „kratzerfrei“ ist nicht messbar → besser: Sichtflächen + Prüfbedingungen + Akzeptanzkriterium.

11. Muster-Notizen als Vorlage: Pulverbeschichtung, Eloxal, Lack im Vergleich

  • Pulverbeschichtung (robust): „PULVERBESCHICHTUNG: Polyester, RAL 7016, seidenmatt (20–30 GU/60°), Schichtdicke 70–100 µm, Außenflächen. Maskierung: Dichtfläche X beschichtungsfrei.“
  • Eloxal (Aluminium): „ELOXAL: dekorativ, Schwarz (Freigabe nach Muster), Schichtdicke 15–20 µm, verdichtet. Kontaktmarken nur in Bereich B zulässig.“
  • Lack (Premium-Optik): „LACKIERUNG: 2K-PU, RAL 9003, matt (5–10 GU/60°), Primer + Decklack, Gesamtschichtdicke 60–90 µm. Sichtflächen A: keine Läufer, keine sichtbare Orangenhaut bei 30 cm.“

12. Outbound-Links: Neutrale Referenzen für Farb- und Beschichtungsthemen

13. Checkliste: Sind deine Farb- und Beschichtungsangaben lieferantensicher?

  • 1) Beschichtungssystem ist eindeutig (Pulver/Eloxal/Lack, ggf. Systemtyp).
  • 2) Farbstandard ist genannt (RAL/NCS/Hersteller-Code) und bei kritischer Optik mit Musterfreigabe ergänzt.
  • 3) Glanzgrad und Struktur sind definiert (idealerweise mit messbarem Bereich).
  • 4) Schichtdicke ist als Bereich angegeben; Maßbezug (vor/nach Beschichtung) ist geklärt.
  • 5) Vorbehandlung und besondere Anforderungen (Korrosion/Beständigkeit) sind nur dort genannt, wo wirklich erforderlich.
  • 6) Sichtflächen sind markiert und mit prüfbaren Akzeptanzkriterien versehen.
  • 7) Maskierungen/Sperrflächen sind grafisch markiert und bemaßt, nicht nur als Text erwähnt.
  • 8) Widersprüche zwischen Notizen, Details und Fertigungsangaben sind ausgeschlossen.
  • 9) Exportpaket ist konsistent (PDF/STEP/DXF im gleichen Revisionsstand).
  • 10) Die Notiz ist so formuliert, dass sie ohne Zusatzwissen verstanden und geprüft werden kann.

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