2D-Zeichnungen für 3D-Druck: Was du trotzdem angeben solltest

2D-Zeichnungen für 3D-Druck wirken auf den ersten Blick überflüssig: Das 3D-Modell liegt vor, der Druckdienstleister bekommt STL oder STEP, und das Teil kommt „genau so“ aus dem Drucker. In der Praxis entstehen jedoch gerade bei additiver Fertigung überraschend viele Missverständnisse – nicht, weil das Modell fehlt, sondern weil Anforderungen nicht eindeutig festgelegt sind. Welche Flächen sind funktionskritisch und müssen nachbearbeitet werden? Welche Toleranzen sind realistisch, welche Prüfmerkmale gelten? Welche Oberfläche ist akzeptabel? Wie ist die Bauteilorientierung gedacht, und welche Seite darf Stützstrukturen oder sichtbare Layerlinien zeigen? Soll das Teil dicht sein, belastbar, temperaturbeständig oder optisch sauber? Der 3D-Druck ist kein einzelner Prozess, sondern eine Familie unterschiedlicher Verfahren (FDM/FFF, SLA/DLP, SLS, MJF, Metall-AM) – mit jeweils anderen Genauigkeiten, Oberflächen, Materialeigenschaften und Nachbearbeitungen. Eine gute 2D-Zeichnung sorgt deshalb nicht dafür, dass das Modell „verstanden“ wird, sondern dass das Ergebnis messbar und abnehmbar wird. Sie übersetzt Designabsicht in prüfbare Spezifikationen: Funktionsmaße, Toleranzklassen, Oberflächenzonen, Nachbearbeitung, Materialien, Einbaulage, Markierungen und Qualitätskriterien. Dieser Leitfaden zeigt, was Sie trotz 3D-Modell in 2D angeben sollten, wie Sie Ihr Zeichnungsblatt für additive Teile sinnvoll strukturieren und welche typischen Fehler in RFQs, Prototypen und Kleinserien am häufigsten Zeit und Budget kosten.

1. Warum 2D beim 3D-Druck trotzdem sinnvoll ist: Abnahme statt Geometrie

Bei subtraktiver Fertigung ist die Zeichnung oft die primäre Quelle für Geometrie. Beim 3D-Druck ist sie eher ein „Vertrag“ über Qualität, Funktion und Nacharbeit. Ohne diese Festlegungen erhalten Sie zwar ein Teil, aber nicht zwingend das Teil, das Sie brauchen – und vor allem nicht reproduzierbar über mehrere Chargen oder Anbieter hinweg.

  • Vergleichbarkeit: Angebote und Ergebnisse unterschiedlicher Dienstleister werden erst mit klaren Anforderungen vergleichbar.
  • Funktionssicherheit: kritische Maße, Passungen und Dichtflächen müssen definiert sein.
  • Nacharbeit: viele AM-Teile benötigen Bohren, Reiben, Gewinde, Schleifen oder Wärmebehandlung – das muss geplant werden.
  • Qualitätskriterien: Porosität, Dichtheit, Oberflächenzonen und Sichtflächen sind ohne Zeichnung schwer abnehmbar.

2. Verfahren unterscheiden: Was sich in 2D je nach AM-Technologie ändert

„3D-Druck“ ist kein einheitlicher Standard. Die Anforderungen, die Sie in einer 2D-Zeichnung festhalten sollten, hängen stark vom Prozess ab. Ein FDM-Teil hat andere Oberflächen und anisotrope Festigkeit, ein SLS-Teil ist eher „rau“, SLA liefert Details, kann aber spröde sein, und Metall-AM bringt Themen wie Stützstrukturen, Wärmebehandlung und Nachfräsen mit.

  • FDM/FFF: Layerlinien, anisotrope Festigkeit, Stützstellen; oft größere Maßstreuung.
  • SLA/DLP: sehr gute Detailauflösung, aber Nachhärtung/UV-Effekte; Materialalterung möglich.
  • SLS/MJF: gute Funktionsteile, aber raue Oberfläche; Pulverrückstände und Dichtheit beachten.
  • Metall-AM: Stützstrukturen, Spannungen, Wärmebehandlung, Nachbearbeitung fast immer erforderlich.

Als neutrale Einführung zu Additiver Fertigung hilft ein Überblick, ersetzt jedoch keine prozessspezifischen Spezifikationen.

3. Das Minimum: Welche Informationen in jeder 2D-Zeichnung für 3D-Druck stehen sollten

Auch wenn Sie nur Prototypen drucken lassen, lohnt sich ein Basis-Set an Angaben. Damit reduzieren Sie die häufigsten Rückfragen und vermeiden „falsch aber plausibel“ gefertigte Teile.

  • Teilename, Zeichnungsnummer, Revision (auch bei schnellen Iterationen).
  • Einheiten (mm) und klare Maßbezüge (keine Skalenangaben ohne Notwendigkeit).
  • Material und Verfahren (oder zulässige Alternativen) inklusive Qualitätsstufe.
  • Kritische Maße und Toleranzen (nur dort, wo funktional).
  • Nachbearbeitungszonen (z. B. Bohrungen aufreiben, Flächen planen, Gewinde schneiden).
  • Oberflächen-/Sichtflächen (wo „schön“ sein muss und wo nicht).

4. Toleranzen im 3D-Druck: Realistisch definieren, sonst wird es teuer

Toleranzen sind beim 3D-Druck besonders heikel, weil sie stark von Verfahren, Bauteilgröße, Orientierung und Nachbearbeitung abhängen. Zu enge Toleranzen ohne Nacharbeit sind häufig nicht reproduzierbar. Eine professionelle 2D-Zeichnung trennt deshalb klar zwischen „as-printed“ (direkt aus dem Druckprozess) und „post-processed“ (nachbearbeitet).

  • As-printed-Toleranzen: nur für unkritische Bereiche oder grobe Passungen angeben.
  • Funktionsmaße nachbearbeiten: Passbohrungen, Lageraufnahmen, Dichtflächen idealerweise fräsen/reiben.
  • Toleranzzonen definieren: lieber wenige, wichtige Maße mit klaren Toleranzen als Überbemaßung.
  • Messbarkeit: definieren, wie geprüft wird (z. B. Go/No-Go, CMM, Scan) bei kritischen Teilen.

Ein allgemeiner Einstieg in Toleranzen ist hilfreich, aber entscheidend ist die prozessspezifische Realistik.

5. Passungen, Bohrungen, Gewinde: Was „druckbar“ ist und was besser nachbearbeitet wird

Viele Fehler bei gedruckten Funktionsteilen entstehen durch die Annahme, dass Bohrungen, Gewinde und Passungen „wie im CAD“ herauskommen. In Wirklichkeit sind runde Konturen oft leicht oval, Bohrungen laufen zu, und Gewinde sind prozessabhängig. Deshalb sollte die 2D-Zeichnung klar definieren, welche Merkmale gedruckt, welche gebohrt und welche geschnitten werden.

  • Bohrungen: als Kernbohrung drucken und danach auf Maß bohren/reiben, wenn präzise nötig.
  • Gewinde: häufig besser als Gewindebohrung + nachträgliches Gewindeschneiden oder Gewindeeinsatz (Helicoil, Heat-Set Inserts).
  • Passungen: kritische Passflächen nachbearbeiten; gedruckte Passungen nur für „Spiel“ und Prototypen.
  • Toleranzklassen: nur nennen, wenn Ihr Prozess/Nacharbeit sie tatsächlich erreicht.

Praxisregel

Wenn es in der Montage „klemmt“, ist fast immer ein nicht nachbearbeitetes Funktionsmerkmal die Ursache – nicht das 3D-Modell.

6. Oberflächenzonen: Sichtflächen, Funktionsflächen, Support-Spuren sauber definieren

Beim 3D-Druck ist Oberfläche kein Nebenthema. Layerlinien, Pulverrauhigkeit, Harzglanz, Strahlspuren oder Support-Narben können optisch stören oder funktional kritisch sein (Dichtheit, Reibung, Sitz). Eine gute Zeichnung markiert Oberflächenzonen und legt fest, welche Qualität erwartet wird.

  • Sichtflächen: markieren (z. B. „Sichtfläche A“) und Anforderungen definieren (z. B. geschliffen, gestrahlt, lackierfähig).
  • Supportzonen: dort zulassen, wo Spuren akzeptabel sind; auf Sichtflächen vermeiden.
  • Funktionsflächen: z. B. Dichtflächen oder Gleitflächen – oft Nachbearbeitung erforderlich.
  • Rauheit: wenn relevant, mit Ra/Rz arbeiten oder klar definierte Nacharbeit fordern.

Als Begriffshilfe dient Oberflächenrauheit, auch wenn AM-Oberflächen stark prozessabhängig sind.

7. Orientierung und Bauausrichtung: Wann Sie sie festlegen sollten

Bei vielen AM-Verfahren beeinflusst die Bauteilorientierung nicht nur Optik, sondern auch Festigkeit, Maßhaltigkeit und Nacharbeit. Wenn Orientierung wichtig ist (z. B. wegen Layer-Richtung bei FDM oder wegen Support-Narben), sollten Sie sie in der Zeichnung als Vorgabe oder zumindest als Präferenz dokumentieren.

  • FDM/FFF: Festigkeit ist entlang der Layer oft geringer; Orientierung kann bruchkritisch sein.
  • SLA: Supportpunkte und Entwässerung (bei Hohlteilen) hängen von Orientierung ab.
  • SLS/MJF: Orientierung beeinflusst Maßstreuung und Oberflächenbild, oft moderater als bei FDM.
  • Metall-AM: Support- und Spannungsmanagement ist entscheidend; Orientierung kann Pflicht sein.

Formulierungstipp

Statt „so drucken wie im Bild“ besser: „Bauausrichtung bevorzugt: Fläche X nach unten; Support auf Fläche Y nicht zulässig; alternative Orientierung nur nach Rücksprache“.

8. Wandstärken, Hohlräume, Entpulvern/Entwässern: 2D-Hinweise, die Ausschuss verhindern

Gerade bei SLS/MJF oder SLA sind Hohlräume und Kanäle kritisch: Pulver muss entfernt werden, Harz muss ablaufen, und eingeschlossene Volumina können Bauteile ruinieren. Auch bei FDM können dünne Wände brechen oder verzogen werden. Eine 2D-Zeichnung kann hier mit einfachen Hinweisen viele Probleme vermeiden.

  • Mindestwandstärken: wenn das Teil sehr dünn oder filigran ist, kritische Bereiche markieren.
  • Entpulveröffnungen: bei SLS/MJF Hohlkörpern Pflicht; Position und Mindestdurchmesser definieren.
  • Drainage: bei SLA Hohlteilen Ablauflöcher und Reinigungszugang berücksichtigen.
  • Dichtheit: „druckdicht“ ist ohne Spezifikation unklar – definieren Sie Prüfmedium und Druck, wenn relevant.

9. Nachbearbeitung und Wärmebehandlung: Was in die Zeichnung gehört

Viele AM-Teile werden erst durch Nachbearbeitung „fertig“: Strahlen, Glätten, Imprägnieren, Fräsen, Wärmebehandlung, HIP (bei Metall) oder Lackieren. Ohne klare Vorgaben liefern Dienstleister unterschiedliche Qualitätsniveaus. Ihre Zeichnung sollte deshalb definieren, welche Nacharbeit zwingend ist und welche optional.

  • Mechanische Nacharbeit: Planflächen, Bohrungen, Gewinde, Passungen – als Bearbeitungsnote oder separat bemaßt.
  • Oberflächenfinish: z. B. gestrahlt, geschliffen, chemisch geglättet; Sichtflächen priorisieren.
  • Wärmebehandlung: bei Metall-AM oft erforderlich; kann Maßänderung verursachen.
  • Maskierungen: Bereiche, die nicht gestrahlt/gelackt werden dürfen, kennzeichnen.

10. Qualität und Prüfung: Welche Messpunkte im 3D-Druck wirklich Sinn ergeben

Bei additiver Fertigung ist „alles messen“ selten sinnvoll. Stattdessen sollten Sie wenige, aussagekräftige Merkmale definieren, die Funktion und Prozessstabilität abdecken. Für Prototypen reicht oft eine einfache Maßprüfung; für Kleinserien kann ein Messbericht oder Erstmusterprüfung relevant sein.

  • Schlüsselmaße: Montagepunkte, Lochbilder, Dichtflächen, Referenzebenen.
  • Geometrieprüfung: bei komplexen Formen ggf. 3D-Scan als Vergleich zur CAD-Referenz definieren.
  • Akzeptanzkriterien: Sichtflächen (Kratzer, Supportnarben), Porosität/Dichtheit (wenn relevant) klar definieren.
  • Dokumentation: Revision, Materialcharge, Prozessparameter nur dann fordern, wenn Sie sie nutzen.

11. Typische Fehler in 2D-Zeichnungen für 3D-Druck – und wie Sie sie vermeiden

  • Keine Unterscheidung „as-printed“ vs. nachbearbeitet: führt zu falschen Erwartungen bei Toleranzen und Oberfläche.
  • Zu viele Maße: macht das Dokument widersprüchlich und erhöht Prüfaufwand ohne Nutzen.
  • Unklare Sichtflächen: Supportnarben oder Rauheit werden später als „Fehler“ diskutiert.
  • Gewinde/Passungen direkt gedruckt: ohne Nacharbeit nicht reproduzierbar für Funktion.
  • Orientierung ignoriert: Festigkeit und Optik variieren stark, je nach Bauausrichtung.
  • Hohlräume ohne Entpulver-/Drainagekonzept: Pulver/Harz bleibt im Teil, Gewicht und Qualität stimmen nicht.
  • Material zu vage: „Nylon“ oder „Resin“ statt konkretem Grade/Hersteller – führt zu schwankenden Eigenschaften.

12. Outbound-Links: Neutrale Grundlagen zu 3D-Druck und relevanten Begriffen

13. Checkliste: 2D-Zeichnung für 3D-Druck – kurz, klar, abnehmbar

  • 1) Verfahren und Material sind eindeutig (oder zulässige Alternativen sind klar geregelt).
  • 2) Kritische Funktionsmaße sind definiert; Unkritisches ist nicht überbemaßt.
  • 3) Toleranzen unterscheiden „as-printed“ und nachbearbeitet; Nacharbeit ist für Funktionsmerkmale vorgesehen.
  • 4) Bohrungen/Gewinde/Passungen sind als Nachbearbeitungsmerkmale sauber spezifiziert.
  • 5) Sichtflächen und Oberflächenzonen sind markiert; Supportnarben-Regeln sind definiert.
  • 6) Orientierung ist festgelegt, wenn sie Festigkeit, Optik oder Support beeinflusst.
  • 7) Hohlräume haben Entpulver-/Drainagekonzept; Dichtheitsanforderungen sind prüfbar beschrieben.
  • 8) Qualitäts- und Prüfanforderungen sind pragmatisch: wenige, relevante Messpunkte statt Vollprüfung.
  • 9) Revision, Dateikonsistenz und Benennung sind sauber, damit Iterationen nachvollziehbar bleiben.

Technische Zeichnungen & CAD-Modellierung (2D / 3D)

Technical Drawing • 3D CAD Modeling • Product Design

Ich biete professionelle Leistungen im Bereich technische Zeichnungen sowie 2D- und 3D-CAD-Modellierung, präzise und normgerecht ausgeführt. Die Designs werden funktional, detailgenau und fertigungsorientiert erstellt – geeignet für Entwicklung, Präsentation und Produktion.

Diese Leistung richtet sich an Unternehmen, Ingenieurbüros, Produktdesigner und Hersteller, die zuverlässige CAD-Lösungen für ihre Projekte benötigen. Finden Sie mich auf Fiverr.

Leistungsumfang:

  • Technische Zeichnungen (2D) mit Bemaßung

  • 3D-CAD-Modellierung & Konstruktion

  • Bauteil- und Baugruppenmodelle

  • Designanpassung nach technischen Anforderungen

  • Datenaufbereitung für Fertigung & Prototyping

Lieferumfang:

  • 2D-Zeichnungen (PDF / DWG / DXF)

  • 3D-Modelle (STEP / STL / IGES – je nach Bedarf)

  • Ansichten, Schnitte & Explosionsdarstellungen

Arbeitsweise:Strukturiert • Präzise • Normorientiert • Produktionsnah

CTA:
Benötigen Sie präzise technische Zeichnungen oder CAD-Modelle?
Kontaktieren Sie mich gerne für eine Projektbesprechung oder ein unverbindliches Angebot. Finden Sie mich auf Fiverr.

Related Articles