SolidWorks Zeichnungen sind im Industriedesign weit mehr als ein „Pflichtdokument“ für die Fertigung. Richtig aufgebaut, helfen sie dabei, Design-Intent eindeutig zu kommunizieren, Rückfragen von Zulieferern zu reduzieren und Änderungen kontrolliert durch den Prozess zu bringen. Gleichzeitig entstehen in Industriedesign-Projekten typische Spannungsfelder: schnelle Iterationen vs. saubere Dokumentation, ästhetische Darstellung vs. technische Eindeutigkeit, Prototyping vs. Serienreife. Genau hier entscheiden gute Best Practices, ob Zeichnungen zum Bremsklotz werden oder zum Beschleuniger. Dieser Praxis-Guide zeigt, wie Sie SolidWorks-Zeichnungen strukturiert, robust und teamfähig aufsetzen – von Vorlagen und Blattformaten über Ansichten, Bemaßung und Toleranzen bis zu Stücklisten, Revisionen und PDF-Export. Ziel ist nicht „mehr Maße“, sondern bessere Klarheit: eine Zeichnung, die beim ersten Lesen funktioniert, verlässlich druckbar ist und sich auch nach fünf Änderungsständen noch sauber pflegen lässt.
1. Zeichnungsstrategie festlegen: Wofür ist die Zeichnung wirklich da?
Bevor Sie die erste Ansicht platzieren, lohnt sich eine klare Entscheidung: Soll die Zeichnung primär fertigungstauglich sein, montageorientiert, oder kommunikativ (z. B. für interne Reviews, Lieferantengespräche, Handbücher)? In Industriedesign-Projekten sind Mischformen üblich – aber ohne Priorität entstehen schnell überladene Blätter.
- Prototyping: Fokus auf kritische Maße, Passstellen, Funktionsflächen, schnelle Freigabe.
- Serienreife: vollständige Spezifikation, klare Toleranzlogik, definierte Prüfmerkmale, eindeutige Notizen.
- Montage/Assembly: Explosionsansichten, Positionsnummern, Montagehinweise, Drehmomente, Reihenfolge.
- Zuliefererkommunikation: eindeutige Anforderungen, klare Verantwortlichkeiten (Material, Oberfläche, Normen, Abnahmekriterien).
2. Vorlagen richtig aufsetzen: Template vs. Sheet Format sauber trennen
Viele Probleme in SolidWorks Zeichnungen haben eine gemeinsame Ursache: fehlende Standardisierung. Wenn jedes Projekt „irgendwie“ startet, sind Inkonsistenzen bei Schrift, Linienstärken, Bemaßungsstil und Tabellen vorprogrammiert. Setzen Sie deshalb auf eine stabile Vorlagenlogik.
- Drawing Template: enthält Dokumenteigenschaften (Bemaßung, Schrift, Tabellen, Norm-Settings) und dient als Startpunkt.
- Sheet Format: enthält Rahmen, Titelblock, Logos, feste Hinweise, Tabellenpositionen und Layout-Elemente.
Für den strukturierten Einstieg lohnt sich ein Blick auf die SolidWorks-Hilfe zu Sheet Formats anpassen sowie eine kompakte Erklärung der Unterschiede in Drawing Templates vs. Sheet Formats.
Praxis-Tipp für Teams
Pflegen Sie Templates und Sheet Formats zentral (z. B. im PDM/PLM oder in einem kontrollierten Netzwerkpfad). Lokale „Schattenkopien“ sind eine der häufigsten Ursachen für uneinheitliche Zeichnungsstände.
3. Titelblock professionell machen: Felder, Eigenschaften und Eingabelogik
Der Titelblock ist nicht Dekoration, sondern Dateninterface. Gute Titelblöcke minimieren manuelle Eingaben und ziehen Informationen aus verknüpften Eigenschaften (z. B. Part Number, Benennung, Material, Oberfläche, Gewicht, Revision). Wichtig ist eine klare Eingabelogik: Wer trägt was ein, und woher kommen die Werte?
- Eigenschaften statt Freitext: Wo möglich, mit Custom Properties arbeiten und diese in Notizen verlinken.
- Pflichtfelder definieren: Zeichnungsnummer, Revision, Maßstab, Einheit, Material/Oberfläche (falls relevant), Freigabestatus.
- Hotspots & Editierbereiche: Damit Nutzende nur die vorgesehenen Felder bearbeiten.
Die SolidWorks-Hilfe zu Title Blocks definieren und bearbeiten ist dafür eine praktische Referenz.
4. Drafting Standards und Dokumenteigenschaften: Konsistenz schlägt Kreativität
Industriedesign-Projekte profitieren von einem klaren, wiederholbaren Zeichnungsstil. SolidWorks bietet dafür Drafting Standards, die viele Detail-Einstellungen bündeln: Bemaßungsdarstellung, Schrift, Pfeilspitzen, Toleranzformate, Tabellenformate und mehr.
- Standard wählen: ISO/ANSI als Ausgangspunkt – und dann firmenspezifisch anpassen.
- Eigene Standards speichern: damit neue Zeichnungen sofort korrekt starten.
- Dokumenteigenschaften sperren: in Projekten mit vielen Beteiligten, um Stilbrüche zu vermeiden.
Als Einstieg eignet sich die SolidWorks-Dokumentation zu Drafting Standards und zu Customized Drafting Standards.
5. Ansichten planen: Weniger Views, bessere Lesbarkeit
Eine gute SolidWorks-Zeichnung zeigt genau das, was zum Verständnis und zur Fertigung nötig ist – nicht mehr. Gerade im Industriedesign wird oft zu früh zu viel gezeigt. Planen Sie die Ansichten bewusst.
- Basisansichten: Front/Top/Right plus Isometrie als Orientierung (wenn sinnvoll).
- Schnitt- und Detailansichten: gezielt dort, wo Innengeometrie oder kritische Features sonst missverstanden werden.
- Hilfsansichten: für schräge Flächen und echte Maße in Normalenrichtung.
- Konfigurations- oder Zustandszeichnungen: wenn Varianten (z. B. Farbstände, Optionen) sonst vermischt werden.
Industriedesign-spezifische Regel
Trennen Sie „Design-Review“-Blätter (verständlich, visuell) von „Fertigung“-Blättern (eindeutig, prüfbar). Das reduziert Diskussionen über Darstellungsfragen in technischen Freigaben.
6. Bemaßung: Funktionsmaße priorisieren und Redundanz vermeiden
Die beste Bemaßung ist die, die den Herstellprozess unterstützt, ohne das Blatt zu überladen. Entscheidend ist die Priorisierung: Funktionsmaße, Passmaße und Prüfmaße haben Vorrang vor „vollständiger Geometrie-Abbildung“. Redundante Maße erhöhen das Risiko widersprüchlicher Angaben.
- Datum-/Bezugskonzept: definieren Sie Bezugskanten/-flächen konsequent, statt Maßketten „irgendwo“ zu beginnen.
- Kritische Features: Bohrbilder, Passsitze, Dichtflächen, Montagebezüge klar hervorheben.
- Doppelte Definition vermeiden: ein Maß nur einmal eindeutig festlegen.
- Dual Units nur bei Bedarf: z. B. bei internationalen Projekten; sonst erhöht es die Unruhe.
7. Model Items und PMI: Automatisierung ja – aber mit Kontrolle
Viele Teams nutzen SolidWorks, um Maße und Anmerkungen aus dem 3D-Modell in die Zeichnung zu übernehmen. Das kann enorm Zeit sparen, erfordert aber Regeln: Nur sauber strukturierte Modellinformationen ergeben saubere Zeichnungen.
- Voraussetzung: sinnvolle Bemaßung im Modell (nicht nur „Konstruktionsmaße“, sondern kommunizierbare Maße).
- Selektiv einfügen: nur relevante Features, statt „alles in alle Views“.
- Nachbearbeitung: Platzierung, Lesbarkeit, Maßbezüge prüfen – Automatik ersetzt kein Review.
In der SolidWorks-Hilfe finden Sie Details zu Model Items, inklusive Einfügeoptionen nach View, Feature oder gesamtem Modell.
8. Toleranzen und Passungen: „So eng wie nötig“, nicht „so eng wie möglich“
Industriedesign-Projekte scheitern in der Fertigung selten am 3D-Modell – häufiger an missverständlichen oder überambitionierten Toleranzen. Best Practice ist ein abgestimmtes Toleranzkonzept: allgemeine Toleranzen für unkritische Maße, spezifische Toleranzen nur dort, wo Funktion, Montage oder Optik es erfordern.
- Allgemeintoleranzen: klar im Zeichnungskopf oder in den Notizen verankern.
- Passstellen gezielt definieren: Lager, Wellen, Buchsen, Führungselemente nur mit begründeten Passungen.
- Optikflächen separat behandeln: visuelle Anforderungen (Spaltmaß, Kantenbild) gehören oft in Montage- oder Qualitätsnotizen.
- Messbarkeit mitdenken: Jede Toleranz sollte prüfbar sein (Messmittel, Bezug, Verfahren).
9. Linien, Kanten und Darstellungsqualität: Zeichnung muss „ruhig“ wirken
Auch wenn SolidWorks keine Illustrationssoftware ist, beeinflusst die Darstellungsqualität die Verständlichkeit massiv. Ein ruhiges Strichbild, konsistente Linienstärken und sinnvolle Kantenarten reduzieren Lesefehler.
- Linienstile standardisieren: sichtbare Kanten, verdeckte Kanten, Achsen, Schnittlinien, Schraffuren.
- Verdeckte Kanten sparsam: nur, wenn sie wirklich notwendig sind; sonst lieber Schnitt oder Detail.
- Schraffuren lesbar halten: nicht zu dicht, nicht zu dominant, gleiche Winkel für gleiche Bauteile (wo sinnvoll).
Für wiederverwendbare Linienlogik ist die Referenz zu Document Properties – Line Style hilfreich.
10. Stücklisten, Balloons und Positionslogik: Assemblies sauber dokumentieren
Bei Baugruppen ist die Stückliste (BOM) der Dreh- und Angelpunkt – nicht die Grafik. Best Practices sorgen dafür, dass Positionsnummern stabil bleiben, Varianten nachvollziehbar sind und Zulieferer eindeutig wissen, was gemeint ist.
- Item-Nummernstrategie: definieren Sie, ob Positionsnummern nach Einfüge-Reihenfolge, Konfiguration oder Struktur vergeben werden.
- Balloons konsistent: gleiche Form, gleiche Größe, klare Führungslinien, keine Kreuzungen.
- Eigenschaften aus dem Modell: Benennungen, Material, Finish und Artikelnummern müssen aus dem Modell gepflegt sein, sonst wird die BOM zur Fehlerquelle.
- Explosionsdarstellung: nutzen, wenn Montageabfolge oder Komponententrennung sonst unklar wäre.
11. Performance und große Zeichnungen: Detailing Mode sinnvoll nutzen
In Industriedesign-Projekten wachsen Zeichnungen schnell: viele Views, viele Varianten, viele Anmerkungen. Wenn das Öffnen oder Speichern zur Geduldsprobe wird, sinkt die Review-Qualität. SolidWorks bietet dafür den Detailing Mode, um große Zeichnungen schneller zu öffnen und Anmerkungen zu bearbeiten, ohne die vollständigen Modelldaten zu laden.
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Eine kompakte Erklärung finden Sie in der Hilfe zu Detailing Mode.
12. Revisionen und Änderungsdisziplin: Zeichnungen müssen „auditierbar“ bleiben
Änderungen sind im Industriedesign normal – Chaos ist es nicht. Best Practice bedeutet: klare Revisionen, nachvollziehbare Änderungen und ein Prozess, der auch nach vielen Iterationen funktioniert.
- Revisionstabelle: standardisiert im Sheet Format, mit eindeutigen Feldern (Revision, Datum, Beschreibung, Freigabe).
- Änderungsbeschreibungen konkret: „Lochbild angepasst“ ist besser als „Update“; nennen Sie, was sich geändert hat.
- Verknüpfte Eigenschaften: Revision und Status sollten aus Eigenschaften kommen, nicht als Freitext in Notizen.
- Freigabelogik: definieren Sie Verantwortlichkeiten (Designer, Konstruktion, Qualität, Einkauf/SCM), je nach Projektphase.
13. PDF-Export und Datenausgabe: Druckreife ist eine Einstellung, kein Zufall
Viele Zeichnungsprobleme entstehen nicht in SolidWorks, sondern beim Export: falsche Linienstärken, unlesbare Schriften, zu geringe Auflösung, fehlende Einbettung oder uneindeutige Blattgrößen. Legen Sie deshalb eine klare Export-Checkliste fest.
- Plot- und PDF-Standards: zentral definieren (Schrift, Linienstärken, Ausgabequalität).
- Schrift und Maßtexte lesbar: Testdruck auf A4 aus dem Ziel-PDF, auch wenn das Blatt A3/A2 ist.
- Mehrblatt-PDFs: eindeutige Reihenfolge und Benennung, damit Zulieferer nicht „falsch blättern“.
- DXF/DWG-Export: bei Fertigungskonturen zusätzlich ein PDF als visuelle Referenz mitschicken.
14. Qualitätscheck vor Freigabe: Die kurze, wirksame Review-Routine
Eine gute Zeichnung erkennt man daran, dass sie ohne Erklärungen funktioniert. Setzen Sie vor jeder Freigabe eine kurze Routine auf, die echte Fehler abfängt – nicht nur Formfehler.
- Lesbarkeit: Maßtexte, Pfeile, Notizen sind nicht überlappend, nicht zu klein, nicht an Kanten gequetscht.
- Eindeutigkeit: Material, Oberfläche, Einheiten, Maßstab, Toleranzkonzept sind klar angegeben.
- Ansichtenlogik: jede wichtige Geometrie ist in einer View eindeutig sichtbar oder per Schnitt/Detail erklärt.
- Redundanz: keine doppelt definierten Maße, keine widersprüchlichen Notizen.
- Fertigungstauglichkeit: kritische Features sind bemaßt und toleriert, Prüfbezüge sind erkennbar.
- Dokumentpflege: Revision, Datum, Freigabestatus stimmen und sind konsistent zum Projektstand.
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