Barrierefrei planen ist kein Nischenthema für „später“, sondern eine der klügsten Entscheidungen, die du beim Grundriss treffen kannst. Denn die meisten Hürden entstehen nicht durch fehlende Technik, sondern durch Zentimeter im Plan: eine zu schmale Tür, ein enger Flur, eine Schwelle zur Terrasse, ein Bad ohne Bewegungsfläche oder eine Treppe ohne Alternative. Genau hier setzt die DIN 18040 an. Sie beschreibt Anforderungen und Empfehlungen für barrierefreies Bauen – verständlich gesagt: Sie hilft dabei, Gebäude so zu planen, dass sie für möglichst viele Menschen nutzbar sind, unabhängig von Alter, Mobilität oder temporären Einschränkungen. Wichtig ist dabei: „Barrierefrei“ bedeutet nicht automatisch „klinisch“ oder „teuer“. In vielen Fällen sind es wenige, früh getroffene Grundriss-Entscheidungen, die später großen Nutzen bringen: bequeme Laufwege, bessere Türen, ein Bad, das auch mit Einschränkungen funktioniert, und ein Erdgeschoss, das im Zweifel als vollständige Wohnebene nutzbar bleibt. Dieser Artikel erklärt barrierefrei planen anhand der DIN 18040 so, dass du die Grundriss-Regeln wirklich verstehst: Welche Begriffe wichtig sind, welche Maße in der Praxis zählen, wo häufige Missverständnisse liegen und wie du deinen Grundriss Schritt für Schritt barrierearm oder barrierefrei ausrichten kannst, ohne die Architektur zu „verbiegen“.
1. Was bedeutet „barrierefrei“ nach DIN 18040 – und was nicht?
Der Begriff „barrierefrei“ wird oft locker verwendet, meint aber im Normkontext etwas Konkretes. Die DIN 18040 unterscheidet zudem je nach Gebäudetyp (z. B. öffentlich zugängliche Gebäude vs. Wohnungen). Für Bauherren ist entscheidend: Barrierefreiheit ist ein Planungsziel mit klaren Kriterien, nicht nur „breitere Türen“.
- Barrierefrei: Nutzung ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe möglich.
- Barrierearm: weniger strikt, aber mit vielen barrierefreien Prinzipien (oft sinnvoll im Einfamilienhaus).
- Rollstuhlgerecht: höhere Anforderungen, größere Bewegungsflächen, stärkere Maßvorgaben.
- Kein Stilthema: Barrierefreiheit betrifft vor allem Geometrie, nicht „Design“.
Eine verständliche Einführung in das Thema und die Einordnung der DIN findest du als Überblick z. B. bei DIN 18040 erklärt (Übersicht) (zur Orientierung).
2. Warum barrierefrei planen auch für Einfamilienhäuser sinnvoll ist
Viele Bauherren denken: „Wir sind gesund, wir brauchen das nicht.“ Doch Barrierefreiheit ist keine reine Altersvorsorge. Sie verbessert Alltagstauglichkeit in vielen Situationen: mit Kinderwagen, nach einer OP, mit Gips, bei schwerem Einkauf oder wenn Gäste kommen, die nicht mobil sind. Außerdem erhöht sie die Flexibilität des Hauses – und oft auch den Wiederverkaufswert, weil mehr Zielgruppen das Haus nutzen können.
- Komfort im Alltag: breitere Wege, weniger Schwellen, bessere Bewegungsflächen.
- Zukunftsfähigkeit: Wohnen auf einer Ebene wird möglich, wenn das Erdgeschoss richtig geplant ist.
- Gäste und Familie: barrierearmes Gäste-Bad und ein nutzbares Zimmer im EG sind praktisch.
- Umbaukosten vermeiden: spätere Anpassungen sind oft deutlich teurer als frühe Planung.
Praxis-Tipp: Plane mindestens „barrierearm mit Option auf barrierefrei“ – das heißt: kritische Engstellen vermeiden, Schwellen reduzieren, Bad und Türen zukunftsfähig auslegen.
3. Die Grundlogik der DIN 18040: Bewegungsflächen statt Quadratmeter
Der wichtigste Perspektivwechsel: Barrierefreiheit wird nicht über die reine Raumgröße erreicht, sondern über nutzbare Bewegungsflächen. Ein großes Bad kann unbrauchbar sein, wenn die Flächen ungünstig belegt sind. Ein kleineres Bad kann funktionieren, wenn Bewegungszonen sauber freigehalten werden.
- Bewegungsfläche: freie Fläche zum Drehen, Wenden, Umsetzen.
- Greif- und Bedienbereiche: Schalter, Griffe, Fenster, Sanitärobjekte müssen erreichbar sein.
- Stufen und Schwellen: sind die häufigsten „harten Barrieren“ im Grundriss.
- Durchgänge: Türen und Flure müssen nicht nur „passen“, sondern nutzbar sein.
Praxis-Tipp: Prüfe im Grundriss nicht nur Wände, sondern zeichne Bewegungsflächen als Kreise/Quadrate ein. So siehst du sofort, ob die Nutzung wirklich möglich ist.
4. Türen und Durchgänge: Der schnellste Hebel für Barrierefreiheit
Türen sind ein Schlüsselthema der DIN 18040, weil sie Engstellen definieren. Relevant sind nicht nur Türblattmaße, sondern vor allem lichte Durchgangsbreiten und Bewegungsflächen vor und hinter der Tür. Ebenso wichtig: Türanschläge, Schwellen und der Platz zum Öffnen.
- Lichte Breite: sollte so gewählt werden, dass Rollator/Rollstuhl (je nach Ziel) sicher passieren kann.
- Türanschlag: darf Bewegungsflächen nicht zerstören, besonders im Bad.
- Schwellen: möglichst vermeiden; bodengleiche Übergänge sind ein Komfortgewinn.
- Schiebetüren: können in engen Bereichen helfen, müssen aber sinnvoll geplant werden (Wandfläche, Schallschutz).
Praxis-Tipp: Wenn du nur wenige Dinge konsequent machst: Plane zentrale Türen im Erdgeschoss großzügiger und verhindere Schwellen an Eingängen und Terrassentüren.
5. Flure und Verkehrsflächen: Breite allein reicht nicht
Barrierefreie Verkehrsflächen müssen Begegnung, Wendemanöver und Bedienbarkeit ermöglichen. Ein Flur kann breit wirken, aber durch Garderobe, Türschwenks oder Möbel real deutlich enger sein. Die DIN-Logik betrachtet deshalb den nutzbaren Raum, nicht nur Wand-zu-Wand-Maße.
- Freihalten der Laufzone: keine dauerhaften Engstellen durch Schränke oder Heizkörper.
- Wendebereiche: an Knotenpunkten (z. B. vor Türen, am Flurende) einplanen.
- Türschwenks koordinieren: Türen dürfen sich nicht gegenseitig blockieren.
- Garderobe intelligent: lieber in Nischen oder separaten Zonen, statt den Flur zu verengen.
Praxis-Tipp: Flure werden barrierearm, wenn sie nicht „alles aufnehmen müssen“. Stauraum im HWR oder Abstellraum entlastet die Verkehrsfläche massiv.
6. Bad barrierefrei planen: Bewegungsflächen, Dusche, WC, Waschbecken
Das Bad ist der Raum, in dem Barrierefreiheit am meisten Nutzen bringt – und am häufigsten scheitert. Hier kommen Bewegungsflächen, Türlogik, rutschhemmende Oberflächen und bodengleiche Duschen zusammen. Selbst wenn du nicht vollständig rollstuhlgerecht planst, lohnt sich eine barrierearme Badlogik: mehr Platz, weniger Schwellen, bessere Nutzung.
- Bodengleiche Dusche: erleichtert Alltag, reduziert Sturzrisiko, ist zukunftsfähig.
- Bewegungsflächen: vor WC, Waschbecken und Dusche müssen frei bleiben.
- Türplanung: Tür darf nicht in kritische Bewegungszonen schwenken.
- Rutschhemmung: besonders in Nasszonen wichtig.
Warum „großes Bad“ nicht automatisch besser ist
Wenn Waschbecken, WC und Dusche ungünstig verteilt sind, entstehen Restflächen statt nutzbarer Bewegungszonen. Barrierefreies Baddesign beginnt mit der Logik der Bewegungsflächen und erst danach mit Optik.
7. Küche barrierearm: Arbeitshöhen, Laufwege und Bedienbarkeit
In der Küche zeigt sich Barrierefreiheit besonders über Ergonomie und Laufwege. Breite Durchgänge, gut erreichbare Stauraumzonen und eine klare Arbeitsdreieck-Logik erleichtern Alltag nicht nur bei Einschränkungen, sondern auch beim Kochen zu zweit.
- Freie Durchgänge: genügend Platz vor Auszügen, Spülmaschine und Kühlschrank.
- Greifzonen: häufig genutzte Dinge in gut erreichbarer Höhe.
- Arbeitsflächen: ausreichend und sinnvoll angeordnet, damit keine „Zickzack-Wege“ entstehen.
- Schwellenfrei zur Terrasse: besonders wertvoll, wenn Essen oft nach draußen getragen wird.
Für praxisnahe Hintergründe zu Planung, Detailfragen und Baupraxis ist Baunetzwissen eine hilfreiche Informationsquelle.
8. Wohnen auf einer Ebene: Das Erdgeschoss als Zukunftsoption
Ein zukunftsfähiger Grundriss ermöglicht im Zweifel das Leben auf einer Ebene. Das bedeutet nicht, dass du sofort ein Schlafzimmer im Erdgeschoss brauchst – aber dass die Option realistisch ist. Häufig reicht ein multifunktionales Zimmer (Gäste/Arbeiten) plus ein geeignetes Bad, um später ohne großen Umbau zu reagieren.
- Multifunktionsraum im EG: Gästezimmer, Büro, Hobby – später Schlafraum möglich.
- Bad im EG: idealerweise so, dass es barrierearm nutzbar ist.
- Kurze Wege: Küche, Wohnen, Bad und Schlafoption ohne Stufen erreichbar.
- Terrasse/Garten: schwellenfreie Übergänge erhöhen Lebensqualität stark.
Praxis-Tipp: Wenn der Grundriss ohnehin ein Büro im EG vorsieht, lohnt es sich, Türbreiten und Badlogik so zu planen, dass daraus später ein komfortabler Schlafbereich werden kann.
9. Eingänge, Schwellen, Außenbereiche: Der häufigste Stolperstein
Barrierefreiheit scheitert oft an Übergängen: Haustürschwelle, Terrassentür, Balkon, Garage zum Haus, Stufen im Garten. Diese Details werden im Entwurf gerne klein geredet („Das lösen wir später“), sind später aber teuer. Ein konsequent schwellenarmes Konzept ist einer der größten Komfortgewinne überhaupt.
- Haustür: möglichst geringe Schwelle, ausreichend Bewegungsfläche davor und dahinter.
- Terrassenübergang: bodengleich oder schwellenarm planen, Entwässerung früh klären.
- Garage/Carport: trockener, sicherer Weg zum Haus, keine unnötigen Stufen.
- Gartenlogik: mindestens ein stufenarmer Weg in den Gartenbereich.
Energetische und konstruktive Rahmenbedingungen rund um Gebäudehülle und Übergänge können auch mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) zusammenhängen, etwa über Detailplanung von Anschlüssen und energetische Konzepte.
10. Missverständnisse zur DIN 18040: Was Bauherren oft falsch annehmen
Viele Bauherren glauben, die DIN 18040 sei entweder „immer Pflicht“ oder „nur für öffentliche Gebäude“. Beides ist zu pauschal. Ob und in welchem Umfang Anforderungen gelten, hängt von Projekt, Bundesland, Förderungen, Gebäudetyp und vertraglicher Vereinbarung ab. Wichtig ist deshalb die korrekte Einordnung.
- „DIN ist Gesetz“: stimmt so nicht; Normen werden über Verträge, Förderbedingungen oder technische Regeln relevant.
- „Barrierefrei ist nur Rollstuhl“: barrierefrei umfasst viele Bedürfnisse, nicht nur Rollstuhl.
- „Das kostet immer viel“: viele Maßnahmen kosten wenig, wenn sie früh eingeplant werden (z. B. Türbreiten, Schwellen).
- „Das kann man später nachrüsten“: Schwellen und Badgeometrien sind später oft teuer.
Eine gute Einordnung, wie Normen grundsätzlich funktionieren und wann sie relevant werden, bietet das DIN-Basiswissen zu Normen und Standards.
11. Schritt-für-Schritt-Vorgehen: So machst du deinen Grundriss DIN-nah verständlich
Du musst nicht jeden Normtext auswendig kennen, um barrierefrei planen zu können. Entscheidend ist ein strukturiertes Vorgehen, das die kritischen Punkte prüft und verbessert. So wird DIN 18040 verständlich und praktisch umsetzbar.
- Schritt 1: Ziel definieren: barrierearm, barrierefrei oder rollstuhlgerecht?
- Schritt 2: Ebene ohne Stufen sicherstellen: Eingang, Wohnen, Bad, Schlafoption.
- Schritt 3: Türen und Flure prüfen: lichte Breiten, Türanschläge, Bewegungsflächen.
- Schritt 4: Bad planen: bodengleich, Bewegungsflächen frei, Türlogik passend.
- Schritt 5: Außenübergänge klären: Terrassentür, Entwässerung, Wege in den Garten.
- Schritt 6: Bedienbarkeit: Schalter, Fenster, Stauraum und Geräte in Greifzonen.
Praxis-Tipp: Lege eine kurze Liste deiner „kritischen Situationen“ an (Kinderwagen, Rollator, OP, Gäste). Wenn der Grundriss diese Situationen abdeckt, bist du in der Regel sehr nah an einem barrierearmen, hochwertigen Konzept.
12. 10-Minuten-Checkliste: Grundriss-Regeln der DIN 18040 schnell prüfen
Mit dieser Checkliste kannst du barrierefrei planen im Grundriss schnell bewerten und die größten Barrieren sofort erkennen.
- Stufenfrei im EG? Eingang, Wohnen, Bad und Schlafoption ohne Stufen erreichbar?
- Schwellen minimiert? Haustür, Terrassentür, Übergänge nach draußen schwellenarm geplant?
- Türen großzügig? zentrale Türen mit ausreichender lichter Breite, Türanschläge ohne Kollision?
- Bewegungsflächen vorhanden? vor Türen, in Fluren, im Bad frei und real nutzbar?
- Bad zukunftsfähig? bodengleiche Dusche, Bewegungsflächen, Türlogik sinnvoll?
- Flure entlastet? keine dauerhaften Engstellen durch Garderobe oder Möbel?
- Küche bedienbar? Laufwege frei, Geräteöffnungen kollisionsfrei, Greifzonen geplant?
- Schalter/Bedienhöhe gedacht? Licht, Fenster, Steckdosen in gut erreichbaren Bereichen?
- Außenwege geplant? mindestens ein stufenarmer Weg zur Terrasse/Garten nutzbar?
- Norm-Kontext geklärt? barrierefrei erforderlich (Förderung/Anforderung) oder als Qualitätsziel umgesetzt?
Wenn du diese Punkte konsequent in den Grundriss einarbeitest, wird barrierefrei planen nicht zum „Spezialprojekt“, sondern zur Qualitätsbasis: mehr Komfort heute, mehr Flexibilität morgen und ein Haus, das sich an Lebensphasen anpassen kann, ohne dass du später grundlegend umbauen musst.
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