Open Source Hardware Lizenzen verständlich erklärt

Open Source Hardware Lizenzen verständlich erklärt ist ein Thema, das für Entwickler, Maker, Studierende und alle Technik‑Interessierten wichtig ist, die Hardware entwerfen, teilen oder kommerziell nutzen möchten. Während Open‑Source‑Software seit Jahrzehnten etabliert ist, gewinnt Open‑Source‑Hardware zunehmend an Bedeutung: Mikrocontroller‑Boards, Sensor‑Module, 3D‑Drucker, Roboterplattformen oder sogar komplette Geräte werden unter freien Lizenzen veröffentlicht, damit andere sie verstehen, nachbauen, verbessern und weiterverbreiten können. Doch was bedeutet „Open Source Hardware Lizenz“ genau? Welche Lizenztypen gibt es? Welche Rechte und Pflichten entstehen für Entwickler und Nachnutzer? Und wie unterscheiden sich diese Lizenzen rechtlich und praktisch? In diesem umfassenden Artikel erklären wir dir die Grundlagen von Open‑Source‑Hardware‑Lizenzen, gehen auf die wichtigsten Lizenzmodelle ein und zeigen dir Beispiele und Anwendungsszenarien, damit du als Maker oder Entwickler rechtssicher und kompetent mit offenen Hardware‑Projekten arbeiten kannst. Damit du nicht nur weißt, was Open‑Source‑Hardware ist, sondern wie du ihre Lizenzen sinnvoll nutzt und einsetzt.

Was bedeutet „Open Source Hardware“?

Open Source Hardware (OSH) beschreibt physische Geräte und elektronische Schaltungen, deren Design, Schaltpläne, Layouts und oft auch Firmware öffentlich zugänglich und replizierbar sind. Der grundlegende Gedanke ist derselbe wie bei Open‑Source‑Software: Die Dokumentation und Designs werden so veröffentlicht, dass andere sie nutzen, modifizieren und weitergeben können. Diese Offenheit fördert Innovation, Zusammenarbeit und Lernen in der Community.

Der Begriff „Open Source Hardware Lizenz“ bezieht sich auf spezielle Lizenztextbausteine, die definieren, unter welchen Bedingungen diese Offenlegung und Nachnutzung stattfindet. Eine Lizenz schützt die Rechte des Autors, regelt gleichzeitig aber auch die Nutzungsmöglichkeiten für andere.

Warum braucht man für Hardware eine Lizenz?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es keine Lizenz braucht, weil Schaltpläne ohnehin offen im Internet verfügbar sind. Doch das ist rechtlich nicht ausreichend. Ohne eine klare Lizenz bleibt der Urheberrechtsschutz bestehen und andere dürfen rechtlich gesehen nicht ohne Weiteres kopieren, ändern oder verkaufen, selbst wenn die Dokumentation öffentlich ist. Eine Open‑Source‑Hardware‑Lizenz stellt daher sicher:

  • Das Recht zur Vervielfältigung und Nachbau der Hardware.
  • Das Recht zur Modifikation und Weitergabe von abgewandelten Designs.
  • Klare Bedingungen, unter denen diese Rechte gelten.

Ohne Lizenz besteht rechtliche Unsicherheit sowohl für den Original‑Ersteller als auch für Nachnutzer.

Gemeinsame Elemente von OSH‑Lizenzen

Trotz unterschiedlicher Lizenzmodelle gibt es einige wiederkehrende Elemente in Open‑Source‑Hardware‑Lizenzen:

  • Offenlegungspflicht: Du musst Designs offen zugänglich machen.
  • Recht zur Vervielfältigung: Andere dürfen dein Hardware‑Design nachbauen.
  • Recht zur Abwandlung: Andere dürfen deine Designs verändern.
  • Weitergabe unter gleichen Bedingungen: Manche Lizenzen verlangen, dass abgeleitete Arbeiten unter der gleichen Lizenz veröffentlicht werden.

Unterschiede zwischen Open‑Source‑Software‑ und Hardware‑Lizenzen

Obwohl viele Prinzipien ähnlich sind, unterscheidet sich Hardware rechtlich von Software. Während Software hauptsächlich durch Urheberrecht geschützt ist, kann Hardware auch durch Patente, Designrechte oder Produkthaftungsregeln beeinflusst werden. Open‑Source‑Hardware‑Lizenzen konzentrieren sich daher auf:

  • Urheberrechtliche Offenlegung von Beschreibungen, Schaltplänen und Layouts.
  • Mechanismen zum Umgang mit Patenten und Schutzrechten.
  • Hinweisen zur Dokumentation und nutzbaren Formaten.

Wichtige Open‑Source‑Hardware‑Lizenzen

Im Folgenden stellen wir dir die gängigsten OSH‑Lizenzen vor und erläutern ihre Bedingungen und Anwendungsfälle.

CERN Open Hardware License (CERN OHL)

Die CERN Open Hardware License wurde vom Europäischen Kernforschungszentrum CERN entwickelt und ist eine der bekanntesten Lizenzen für Open‑Source‑Hardware. Sie existiert in verschiedenen Varianten:

  • CERN OHL v2 – Strongly Reciprocal: Verpflichtet zur Offenlegung von Modifikationen und abgeleiteten Designs unter derselben Lizenz.
  • CERN OHL v2 – Weakly Reciprocal: Weniger strenge Bedingungen für abgeleitete Werke.
  • CERN OHL v2 – Permissive: Erlaubt Nutzung und Weitergabe auch unter proprietären Bedingungen.

Die Lizenz regelt ausdrücklich, wie Schaltpläne, Firmware, Stücklisten und Herstellungsdateien weitergegeben werden müssen. Sie eignet sich gut für Projekte, bei denen die Community‑Weiterentwicklung im Vordergrund steht.

TapR Open Hardware License

Die TapR Open Hardware License war eine der ersten OSH‑Lizenzen und wurde für Amateur‑Radio‑ und Elektronikprojekte entwickelt. Sie erlaubt das Kopieren, Modifizieren und Weitergeben von Hardware‑Designs, verlangt aber auch, dass modifizierte Werke als solche gekennzeichnet werden. Die Lizenz war ein Vorreiter, wird heute aber seltener genutzt als neuere Varianten wie CERN OHL.

Creative Commons Lizenzen für Hardware‑Dokumentation

Creative Commons (CC) Lizenzen sind allgemein für kreative Werke gedacht, lassen sich aber auch auf Hardware‑Dokumentation anwenden, z. B. Zeichnungen, Manuals oder Fotos:

  • CC BY: Namensnennung erforderlich, sonst freie Nutzung.
  • CC BY‑SA: Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen.
  • CC0: Verzicht auf alle Rechte (Public Domain).

Wichtig: CC‑Lizenzen decken meist nur die Dokumentation ab, nicht die rechtliche Nutzung des physischen Designs selbst. Sie eignen sich besonders für Texte, Tutorials oder Diagramme ergänzend zu einer OSH‑Lizenz.

GPL‑ähnliche Lizenzen für Firmware

Wenn dein Open‑Source‑Hardware‑Projekt Firmware enthält, kann diese separat unter einer Open‑Source‑Software‑Lizenz stehen – etwa:

  • GPL (GNU General Public License): Stellt starke Copyleft‑Bedingungen für Software sicher.
  • MIT oder BSD: Permissive Lizenzen für Software, die wenige Auflagen haben.

Die Kombination aus OSH‑Lizenz für das Hardware‑Design und einer Open‑Source‑Software‑Lizenz für Firmware ist verbreitet und erlaubt klare Trennung der Rechte.

Beispiele für die Anwendung von OSH‑Lizenzen

Um die Unterschiede greifbar zu machen, hier konkrete Szenarien:

Projekt A: Lernboard unter CERN OHL

Ein Maker entwickelt ein Lernboard für Schulen und teilt Schaltpläne, Layouts und Firmware unter der „CERN OHL – Strongly Reciprocal“. Andere Lehrer und Entwickler dürfen das Board nachbauen und verbessern, müssen aber ihre Änderungen ebenfalls offen teilen. Dadurch entsteht eine freie Weiterentwicklungsgemeinschaft.

Projekt B: Sensor‑Shield mit permissiver Lizenz

Ein Entwickler veröffentlicht ein Sensor‑Shield für Mikrocontroller unter „CERN OHL – Permissive“. Andere können das Design in eigenen Produkten nutzen – auch proprietär – ohne die Verpflichtung zur Offenlegung ihrer eigenen Änderungen. Das ist attraktiv für kommerzielle Anwendungen.

Projekt C: Tutorial‑Serie unter CC BY‑SA

Die Dokumentation eines Robotik‑Projekts wird unter „CC BY‑SA“ veröffentlicht – inklusive Diagrammen und Erklärtexten. Die eigentlichen Hardware‑Designs stehen zusätzlich unter OSH‑Lizenzen. CC BY‑SA stellt sicher, dass Tutorials frei bleiben, aber OSH‑Lizenzen regeln die Nutzungsrechte des Designs.

Copyleft vs. Permissive: Was bedeutet das?

Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal bei Open‑Source‑Lizenzen ist der Copyleft‑Gedanke:

  • Copyleft: Änderungen und abgeleitete Werke müssen unter derselben Lizenz veröffentlicht werden. Dies fördert freie Weitergabe und verhindert proprietäre Abschottung.
  • Permissive: Weniger Bedingungen – Designs dürfen auch in proprietäre Produkte integriert werden, ohne Offenlegung der eigenen Änderungen.

CERN OHL bietet beide Varianten, so dass Entwickler frei wählen können, wie „offen“ ihr Projekt bleiben soll.

Schritte zur Lizenzwahl für dein Projekt

Die Auswahl der richtigen Lizenz hängt von deinen Zielen ab. Ein strukturierter Prozess kann helfen:

  • Definiere dein Ziel: Community‑Entwicklung vs. kommerzielle Nutzung.
  • Entscheide, ob Copyleft‑Bedingungen sinnvoll sind.
  • Wähle passende Firmware‑Lizenzen separat (z. B. MIT, GPL).
  • Formuliere Lizenzhinweise klar in deinem Repository und in Dokumenten.

So bindest du OSH‑Lizenzen korrekt ein

In der Praxis sollte ein Open‑Source‑Hardware‑Projekt mindestens folgende Elemente enthalten:

  • Lizenztext (z. B. im Projekt‑Root)
  • Copyright‑Hinweise in Schaltplänen und Dateien
  • Readme‑Dateien mit Lizenzhinweisen
  • Separate Lizenz für Firmware und Software‑Komponenten

Viele Plattformen wie GitHub oder GitLab unterstützen Vorlagen für OSH‑Lizenzen, die du direkt in dein Repository integrieren kannst.

Rechtliche Fallstricke und häufige Fragen

Einige typische Fragen zur Lizenzwahl und Anwendung:

  • Muss ich meine Designs wirklich offenlegen? Ja – insbesondere bei Copyleft‑Lizenzen und wenn du dein Projekt als „Open Source Hardware“ bewirbst.
  • Kann ich kommerziell verkaufen? In vielen Fällen ja – solange du Lizenzbedingungen einhältst.
  • Was passiert, wenn ich die Lizenz nicht einhalte? Lizenzverletzungen können rechtliche Konsequenzen haben und das Vertrauen in dein Projekt schädigen.

Open Source Hardware Association (OSHWA) – Qualitätsmerkmale

Die Open Source Hardware Association definiert Standards und Zertifizierungsrichtlinien für OSH‑Projekte. Eine OSHWA‑Zertifizierung stellt sicher, dass ein Projekt wirklich offen ist. Kriterien beinhalten:

  • Offener Zugang zu Dokumentation
  • Nutzen einer anerkannten Lizenz
  • Klare Autor‑ und Lizenzangaben

Ein zertifiziertes OSH‑Projekt genießt oft höhere Akzeptanz in der Community.

Praxisbeispiele erfolgreicher OSH‑Projekte

  • Arduino‑Boards selbst – viele Designs sind offen und durch Lizenzen geschützt.
  • RepRap 3D‑Drucker – unter OSH‑Lizenzen frei verfügbar.
  • BeagleBoard, OpenRISC‑Projekte – Beispiele aus der Community mit aktiver Weiterentwicklung.

Tipps für Maker und Entwickler

Wenn du ein eigenes Hardware‑Projekt starten möchtest:

  • Plane frühzeitig die Lizenzwahl ein.
  • Nutze klare Lizenzhinweise und Dokumentation.
  • Informiere dich über passende Firmware‑Lizenzen.
  • Nutze OSHWA‑Zertifizierung, um Vertrauen zu schaffen.

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