Local Preference (LocalPref) ist in Enterprise-BGP das zentrale Steuerinstrument für Outbound-Traffic: Der höchste LocalPref gewinnt und bestimmt, über welchen Exit dein AS das Internet oder ein WAN verlässt. Genau deshalb braucht LocalPref Governance. Ohne Standards entsteht „Policy-Chaos“: unterschiedliche Teams setzen Werte nach Bauchgefühl, Ausnahmen werden nie zurückgebaut, und ein harmloser Change kann global den Exit-Pfad umdrehen. Dieses Tutorial zeigt, wie du LocalPref als unternehmensweite Policy etablierst: mit klaren Wertbereichen, Community-basierter Steuerung, zentralen Policy-Punkten und verifizierbaren Betriebsprozessen.
Warum LocalPref Governance notwendig ist
LocalPref wirkt innerhalb deines AS. Ein einzelner falsch gesetzter Wert kann deshalb standortübergreifend Traffic verschieben. Im Alltag passiert das häufig durch „schnelle Fixes“ an einzelnen Edge-Routern oder durch inkonsistente Route-Maps.
- Globaler Impact: LocalPref verändert Exit-Entscheidungen im gesamten AS
- Unsichtbare Ausnahmen: alte Sonderregeln bleiben dauerhaft aktiv
- Troubleshooting-Hölle: „Warum geht Traffic über ISP B?“
LocalPref Basics: Die Regel, die wirklich zählt
LocalPref ist ein Best-Path-Kriterium, das vor vielen anderen Attributen greift. In der Praxis ist es der zuverlässigste Hebel für Outbound-Traffic Engineering.
Merker
- LocalPref wird nicht nach außen (eBGP) propagiert
- LocalPref muss konsistent im iBGP verteilt werden
- Fehlerquelle: unterschiedliche Defaults pro Router
Governance-Prinzip 1: Ein offizielles Wertschema (keine „freien Zahlen“)
Der wichtigste Schritt ist ein Wertschema mit reservierten Bereichen. Damit verhinderst du Wildwuchs und machst Policies lesbar. In Enterprise-Umgebungen ist ein dreistufiges Modell oft ausreichend: Primary, Secondary, Tertiary (Backup).
- 200: Primary Exit (Standard)
- 150: Secondary Exit (gleichwertig oder regional)
- 100: Backup Exit (nur Failover)
- 50: „Penalty“ (nur nutzen, wenn nichts anderes da ist)
Best Practice
- Wertbereiche dokumentieren (Wiki/Runbook)
- Keine ad-hoc Werte außerhalb der Bereiche
- Neue Ausnahmen nur über Change-Prozess
Governance-Prinzip 2: Communities als Steuer-Interface, LocalPref als Implementation
LocalPref direkt „hart“ in vielen Route-Maps zu setzen skaliert schlecht. Besser ist ein zweistufiges Modell: Teams taggen Routen mit internen Communities (Intent), und eine zentrale Policy setzt daraus LocalPref. So bleibt die Logik einheitlich.
- Teams setzen Communities: PRIMARY/SECONDARY/BACKUP
- Zentrale Policy mappt Community → LocalPref
- Vorteil: weniger Copy/Paste, mehr Auditierbarkeit
Interne Communities definieren
ip community-list standard CL_EXIT_PRIMARY permit 65000:100
ip community-list standard CL_EXIT_SECONDARY permit 65000:150
ip community-list standard CL_EXIT_BACKUP permit 65000:200
Zentrale Route-Map: Community → LocalPref
route-map RM_LP_GOVERN permit 10
match community CL_EXIT_PRIMARY
set local-preference 200
route-map RM_LP_GOVERN permit 20
match community CL_EXIT_SECONDARY
set local-preference 150
route-map RM_LP_GOVERN permit 30
match community CL_EXIT_BACKUP
set local-preference 100
route-map RM_LP_GOVERN permit 100
set local-preference 150
Governance-Prinzip 3: Ein zentraler Policy-Punkt pro Domäne
LocalPref sollte nicht an „irgendwelchen“ Stellen gesetzt werden. Lege fest, wo die Wahrheit entsteht: typischerweise an den Internet-Edges beim Inbound von eBGP, oder zentral an Route Reflectors (wenn bewusst als Policy-RR designt). Wichtig ist: nur ein Modell, nicht beides parallel.
- Pattern A (häufig): LocalPref inbound an eBGP Edges setzen
- Pattern B (seltener): Policy-RR setzt LocalPref zentral
- Anti-Pattern: Edges + RRs setzen beide LocalPref → Chaos
Empfehlung
- Edges setzen LocalPref inbound (klarer Ownership)
- RRs bleiben „transparent“ (nur reflektieren)
Baseline: Default LocalPref pro Provider und pro Standort
Eine Governance braucht Defaults, sonst entstehen Ausnahmen. Definiere daher pro Provider (und ggf. pro Region) Standardwerte. Ausnahmen werden über Communities gesteuert und dokumentiert.
Inbound Provider-Policy (Beispiel)
route-map RM_IN_ISP_A permit 10
set local-preference 200
route-map RM_IN_ISP_B permit 10
set local-preference 150
Optional: Ausnahme über Community-Tagging
route-map RM_IN_ISP_A permit 5
match community CL_EXIT_BACKUP
set local-preference 100
route-map RM_IN_ISP_A permit 10
set local-preference 200
Ausnahmen ohne Chaos: Zeitliche Begrenzung und Owner
Die meisten LocalPref-Ausnahmen sind temporär (Provider-Probleme, Wartung, Incident). Governance heißt: Jede Ausnahme hat Owner, Grund und Ablaufdatum. Sonst wird aus „Fix“ dauerhaft Tech Debt.
- Jede Ausnahme im Ticket/Change dokumentieren
- Owner + Expiry Date (Reminder) festlegen
- Nach Ende: Rückbau verpflichtend
Failover und Tracking: LocalPref mit Realität koppeln
LocalPref allein erkennt keine Link-Degradation. Du kombinierst Governance mit Failover-Mechanismen: BFD, IP SLA Tracking oder Provider-State-Checks, damit der Primary Exit nicht „bevorzugt“ bleibt, wenn er kaputt ist.
- Hard Down: BFD/Interface/Session down → BGP withdraws
- Soft Failure: IP SLA Tracking kann Default/Policy beeinflussen
- Wichtig: nicht zu aggressiv, sonst Flapping
Verifikation: LocalPref Governance beweisen
Governance ist nur glaubwürdig, wenn du schnell nachweisen kannst, warum ein Prefix welchen Exit nimmt. Dafür brauchst du standardisierte Show-Checks und idealerweise zentrale Telemetrie (NetFlow/Streaming Telemetry).
Prefix prüfen
show ip bgp <prefix>
show ip bgp <prefix> | include localpref|best
Exit-Pfade prüfen
show ip bgp summary
show ip route <next-hop>
show ip cef <next-hop> detail
Policy-Audit
show route-map
show ip community-list
Typische Pitfalls (und wie Governance sie verhindert)
Die häufigsten Fehler sind konsistente Muster: doppelte Policy-Punkte, nicht dokumentierte Ausnahmen und inkonsistente Community-Interpretation. Governance setzt genau hier an.
- LocalPref wird an mehreren Stellen gesetzt → unvorhersehbare Pfade
- Teams nutzen eigene Werte → keine Vergleichbarkeit
- Communities werden nicht überall gesendet/weitergegeben → Policy greift nicht
- Legacy Route-Maps bleiben aktiv → „Shadow Policies“
Quick-Template: Unternehmensweite LocalPref Governance (Minimal)
Dieses Template ist ein Startpunkt: klare Default-Werte, Communities als Intent, zentraler Mapping-Block. Passe ASNs und Werte an dein Schema an.
ip community-list standard CL_EXIT_PRIMARY permit 65000:100
ip community-list standard CL_EXIT_SECONDARY permit 65000:150
ip community-list standard CL_EXIT_BACKUP permit 65000:200
route-map RM_LP_GOVERN permit 10
match community CL_EXIT_PRIMARY
set local-preference 200
route-map RM_LP_GOVERN permit 20
match community CL_EXIT_SECONDARY
set local-preference 150
route-map RM_LP_GOVERN permit 30
match community CL_EXIT_BACKUP
set local-preference 100
route-map RM_LP_GOVERN permit 100
set local-preference 150
router bgp 65000
neighbor 203.0.113.1 remote-as 64500
neighbor 203.0.113.1 route-map RM_LP_GOVERN in
Konfiguration speichern
Router# copy running-config startup-config
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Was ich (je nach Paket) umsetze
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Switching: VLANs, Trunking (802.1Q), Port-Zuweisung, STP-Basics (PortFast/BPDU Guard wo sinnvoll)
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Routing: Default/Static Routing oder OSPF, Inter-VLAN Routing (Router-on-a-Stick)
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Services: DHCP (Pools/Scopes), NAT/PAT für Internet-Simulation
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