QoS (Quality of Service) auf Cisco Switches sorgt dafür, dass zeitkritischer Traffic wie Voice und Video auch bei Last stabil bleibt: geringe Latenz, wenig Jitter und möglichst kein Paketverlust. Im Campus ist QoS weniger „Bandbreite schaffen“, sondern „Engpässe beherrschbar machen“ – typischerweise auf Access-Uplinks, in Warteschlangen (Queues) und an Übergängen zu langsameren Links (z. B. 1G Access → 10G Distribution oder umgekehrt). Dieses Tutorial erklärt die Grundlagen, typische Markierungen (DSCP/CoS), ein praxistaugliches Trust-Modell für IP-Telefone und die wichtigsten Verifikationsbefehle.
QoS-Grundprinzip: Markieren, Vertrauen, Queuen
Campus-QoS besteht aus drei Schritten. Wenn einer davon fehlt, ist QoS oft wirkungslos oder sogar schädlich.
- Markieren: Pakete bekommen eine Priorität (CoS/DSCP)
- Vertrauen (Trust)
- Queuen/Scheduling: Bei Congestion werden Klassen bevorzugt (z. B. Priority Queue für Voice)
: Der Switch akzeptiert Markierungen von definierten Geräten/Ports
Merksatz
QoS wirkt erst, wenn ein Engpass entsteht. Ohne Congestion siehst du kaum Effekte – mit Congestion entscheidet QoS, wer leidet.
Voice & Video im Campus: Welche Ziele realistisch sind
Für VoIP ist vor allem Jitter- und Loss-Kontrolle entscheidend. Video toleriert oft mehr Jitter als Voice, braucht aber mehr Bandbreite. QoS priorisiert daher Voice strikt und behandelt Video meist als „hoch, aber nicht so strikt wie Voice“.
- Voice: geringe Latenz/Jitter, sehr niedriger Loss
- Video: mehr Bandbreite, moderates Delay, ebenfalls niedriger Loss
- Best Effort: darf bei Last zurückstecken
Markierungen verstehen: CoS (Layer 2) vs. DSCP (Layer 3)
Im Campus siehst du beides: CoS (802.1p) auf Trunks/Voice VLAN und DSCP im IP-Header. Üblich ist: Phones markieren Voice, Switches vertrauen oder remarken kontrolliert.
- CoS: 3-Bit Priorität im VLAN-Tag (nur auf getaggten Frames)
- DSCP: 6-Bit Feld im IP-Header (end-to-end über L3)
- Mapping: Switch mappt CoS ↔ DSCP ↔ Queue
Typische Campus-Markierungen (als Konzept)
- Voice (RTP): hoch priorisiert (oft DSCP EF, CoS 5)
- Call-Signaling: höher als Best Effort (oft DSCP CS3/AF31)
- Video: hoch, aber nicht strikt wie Voice (häufig AF-Klassen)
Trust-Modell: Wem darfst du Markierungen glauben?
Der wichtigste QoS-Designpunkt ist Trust. Wenn du jedem Client Markierungen glaubst, kann jeder „Voice“ markieren und den Rest verdrängen. Im Campus vertraut man daher typischerweise IP-Telefonen am Access-Port, nicht beliebigen PCs.
- Access-Port mit Telefon: Trust CoS/DSCP vom Telefon (CDP/LLDP-MED), PC wird remarkt
- Access-Port ohne Telefon: grundsätzlich nicht trusten, ggf. alles auf Best Effort remarken
- Uplinks/Trunks: Trust nur, wenn Downstream sauber markiert (Policy-Kette)
Hinweis zur Praxis
Ohne konsequentes Trust-Modell ist QoS im Campus schnell „Fake“ oder unfair. Plane Trust als Kette von Access → Distribution → Core.
QoS global aktivieren: MLS QoS als Basis
Auf vielen Catalyst-Plattformen ist QoS erst aktiv, wenn die globale QoS-Funktion eingeschaltet ist. Danach kannst du Trust und Queue-Policies setzen.
enable
configure terminal
mls qos
end
Status prüfen
show mls qos
Access-Port Praxis: IP-Telefon + PC (Voice VLAN) sauber priorisieren
Ein klassischer Campus-Port hat ein Telefon und dahinter einen PC. Ziel: Telefon darf Voice priorisieren, PC nicht. Dafür nutzt du Voice VLAN und ein Trust-Setup am Access-Port.
Beispiel: Voice VLAN + Trust (konzeptionell)
configure terminal
interface gigabitEthernet 1/0/15
description VOICE+PC
switchport mode access
switchport access vlan 10
switchport voice vlan 20
mls qos trust cos
spanning-tree portfast
spanning-tree bpduguard enable
end
Alternative: Trust nur, wenn ein Telefon erkannt wird (plattformabhängig)
In vielen Designs wird Trust an die Erkennung eines IP-Telefons gekoppelt (z. B. über CDP/LLDP-MED). Die genaue Syntax hängt vom Switch-Modell und IOS/IOS XE ab.
Uplink-/Trunk-Praxis: Markierungen transportieren und Queues nutzen
Uplinks sind der häufigste Engpass. Stelle sicher, dass CoS/DSCP über Trunks korrekt transportiert wird und dass die Switch-Queues Voice bevorzugen. Auf vielen Catalyst-Switches sind Queue-Mechanismen teilweise vorkonfiguriert, aber du solltest sie verifizieren.
Trunk und CoS-Transport prüfen
show interfaces trunk
show interfaces gigabitEthernet 1/0/48 switchport
Queue- und QoS-Statistiken (plattformabhängig)
show mls qos interface gigabitEthernet 1/0/48 statistics
show mls qos interface gigabitEthernet 1/0/48 queueing
Congestion erkennen: Ohne Engpass keine QoS-Wirkung
Wenn Voice „schlecht“ ist, musst du prüfen, ob Congestion existiert: Drops, Output Drops, Queue Drops oder Microbursts. QoS ist nur ein Werkzeug zur Verteilung – nicht zur Erzeugung neuer Kapazität.
Drops und Errors prüfen
show interfaces gigabitEthernet 1/0/48 | include rate|drops|discard|queue
show interfaces counters errors
Typische Ursachen für Voice-Probleme trotz QoS
- Engpass liegt außerhalb des Switches (WAN/Firewall/WLAN)
- Trust falsch: PC markiert „hoch“, verdrängt Voice
- Uplink dauerhaft überlastet: selbst Voice-Queue kann droppen
- Microbursts: kurze Peaks füllen Queues, Drops entstehen
QoS Troubleshooting: So prüfst du Markierung und Pfad
In der Praxis troubleshootest du QoS immer entlang des Pfads: Markiert das Telefon korrekt? Wird am Access-Port vertraut? Bleiben Markierungen auf Uplinks erhalten? Werden Drops in der richtigen Queue sichtbar?
Checkliste (Switch-seitig)
- QoS global aktiv? (
show mls qos) - Access-Port Trust korrekt? (
show run interface) - Markierungsstatistiken steigen? (QoS interface statistics)
- Drops auf Uplink? (
show interfaces ...)
Kommandoblock (Copy/Paste)
show mls qos
show running-config interface gigabitEthernet 1/0/15
show running-config interface gigabitEthernet 1/0/48
show mls qos interface gigabitEthernet 1/0/15 statistics
show mls qos interface gigabitEthernet 1/0/48 statistics
show interfaces gigabitEthernet 1/0/48 | include rate|drops|discard|queue
Best Practices: Campus-QoS für Voice/Video stabil umsetzen
Ein gutes QoS-Design ist langweilig: klare Klassen, strikter Trust nur für echte Voice-Endgeräte, konsequente Markierungs-Kette und Monitoring auf Drops/Queues. Damit bleiben Voice und Video auch unter Last stabil.
- Trust nur an definierten Ports/Devices (Phones), Clients nicht
- Voice strikt priorisieren, Video hoch priorisieren, Best Effort fair behandeln
- Uplinks als LACP-Port-Channel dimensionieren, um Congestion zu reduzieren
- Drops/Queue-Drops überwachen und Microbursts berücksichtigen
- QoS-Templates standardisieren (Access vs. Uplink Profile)
copy running-config startup-config
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