EtherChannel bündelt mehrere physische Links zu einem logischen Port-Channel. Das erhöht Bandbreite und Redundanz und reduziert STP-Komplexität, weil STP den Bundle als einen einzigen Link betrachtet. Mit LACP (Link Aggregation Control Protocol) konfigurieren Sie die Bündelung standardkonform und sicherer als mit rein statischen „on“-Bundles. In diesem Packet-Tracer-Tutorial erstellen Sie einen LACP-EtherChannel zwischen zwei Switches, prüfen den Status und üben typische Fehlerbilder.
Was EtherChannel und LACP technisch leisten
Ein EtherChannel fasst mehrere Ports zu einem logischen Interface (Port-channelX) zusammen. LACP verhandelt dabei die Bündelung automatisch. Für ein funktionierendes Bundle müssen zentrale Parameter auf allen Mitgliedsports identisch sein.
- Mehr Bandbreite: Lastverteilung über mehrere Links (hash-basiert)
- Mehr Ausfallsicherheit: Fällt ein Link aus, bleibt der Port-Channel aktiv
- STP sieht nur einen Link: weniger Blockings in redundanten Designs
- LACP-Modi:
active(initiiert),passive(antwortet)
Wichtige Kompatibilitätsregeln für Member-Ports
- Gleiche Geschwindigkeit und Duplex
- Gleicher Switchport-Modus (Access oder Trunk)
- Bei Trunk: gleiche Native VLAN und gleiche Allowed VLANs
- Mitglieder müssen im gleichen Channel-Group (gleiche Nummer) gebündelt werden
Lab-Setup: Zwei Switches, zwei Links, ein Port-Channel
Sie erstellen einen EtherChannel zwischen SW1 und SW2 mit zwei physischen Links. Der Port-Channel wird als Trunk konfiguriert, damit er VLANs transportieren kann (typischer Praxisfall). Optional hängen Sie PCs an beide Switches, um Traffic zu erzeugen.
- Switches: SW1 und SW2 (z. B. 2960)
- Links: SW1 Fa0/23 ↔ SW2 Fa0/23 und SW1 Fa0/24 ↔ SW2 Fa0/24
- Port-Channel:
Port-channel1 - Trunk über den Port-Channel (VLAN 10/20 als Beispiel)
Verkabelungshinweis
- Switch↔Switch: klassisch Crossover oder Straight-Through, je nach Auto-MDI/MDIX im Lab
- Beide Links müssen zwischen den gleichen Switches enden (keine „Mischverkabelung“)
Schritt 1: VLANs vorbereiten (optional, aber praxisnah)
Wenn Sie den Port-Channel als Trunk nutzen, legen Sie die VLANs vorab an. Für das reine EtherChannel-Training ist das nicht zwingend, aber es macht die Verifikation realistischer.
enable
configure terminal
vlan 10
name USERS
vlan 20
name SERVERS
end
write memory
Schritt 2: LACP-EtherChannel auf SW1 konfigurieren
Konfigurieren Sie zuerst die Member-Ports identisch und aktivieren Sie LACP mit mode active. Danach konfigurieren Sie den logischen Port-Channel als Trunk. In der Praxis konfigurieren Sie Trunk-Parameter bevorzugt am Port-Channel, nicht einzeln auf jedem Member.
SW1: Member-Ports in Channel-Group 1 (LACP active)
enable
configure terminal
interface range fastEthernet0/23 - 24
description LACP_TO_SW2
switchport mode trunk
channel-group 1 mode active
no shutdown
exit
interface port-channel1
description PO1_TO_SW2
switchport mode trunk
switchport trunk allowed vlan 10,20
end
write memory
Schritt 3: LACP-EtherChannel auf SW2 konfigurieren
Auf SW2 konfigurieren Sie die gleichen Ports in die gleiche Channel-Group. Für eine sichere LACP-Verhandlung setzen Sie SW2 ebenfalls auf active oder auf passive. Mindestens eine Seite muss active sein.
SW2: Member-Ports in Channel-Group 1 (LACP passive oder active)
enable
configure terminal
interface range fastEthernet0/23 - 24
description LACP_TO_SW1
switchport mode trunk
channel-group 1 mode passive
no shutdown
exit
interface port-channel1
description PO1_TO_SW1
switchport mode trunk
switchport trunk allowed vlan 10,20
end
write memory
Merksatz zu LACP-Modi
active+active= funktioniertactive+passive= funktioniertpassive+passive= funktioniert nicht
Schritt 4: EtherChannel verifizieren
Nur weil Links grün sind, ist der EtherChannel nicht automatisch korrekt gebündelt. Prüfen Sie deshalb Port-Channel-Status, LACP-Nachbarn und die Trunk-Eigenschaften am logischen Interface.
Port-Channel-Status prüfen
enable
show etherchannel summary
LACP-Details prüfen (wenn unterstützt)
enable
show lacp neighbor
Trunk über Port-Channel prüfen
enable
show interfaces trunk
show running-config interface port-channel1
Was Sie im Summary sehen sollten
Po1ist „up“ und in einem aktiven Bundle- Member-Ports (Fa0/23, Fa0/24) sind dem Bundle zugeordnet
- Trunk läuft über
Port-channel1, VLAN 10/20 sind erlaubt
Schritt 5: Funktionstest (VLAN-Verkehr über Port-Channel)
Wenn Sie zwei PCs in VLAN10 (je einer pro Switch) anschließen, können Sie die Layer-2-Konnektivität über den Port-Channel testen. Gleiches gilt für VLAN20. Inter-VLAN-Kommunikation ist dabei ohne Routing nicht möglich, was in diesem Lab auch nicht das Ziel ist.
- PC in VLAN10 auf SW1 pingt PC in VLAN10 auf SW2 → soll funktionieren
- PC in VLAN20 auf SW1 pingt PC in VLAN20 auf SW2 → soll funktionieren
- VLAN10 pingt VLAN20 → soll scheitern (ohne Inter-VLAN Routing)
Ping-Beispiel (vom PC aus)
ping 192.168.10.11
Typische Fehler in Übungen und schnelle Lösungen
EtherChannel-Fehler entstehen fast immer durch Parameter-Mismatches oder falsche LACP-Modi. Wenn der Bundle nicht hochkommt, prüfen Sie zuerst LACP und dann die Konsistenz der Member-Ports.
Fehler: EtherChannel bildet sich nicht (Po down oder Ports nicht gebündelt)
- LACP falsch: beide Seiten
passive - Unterschiedliche Channel-Group-Nummern (z. B. SW1: 1, SW2: 2)
- Ports haben unterschiedliche Geschwindigkeit/Duplex
- Member-Ports sind nicht identisch konfiguriert (Access/Trunk-Mismatch)
Fehler: Trunk funktioniert nicht über den Port-Channel
- Allowed VLANs unterscheiden sich
- Native VLAN mismatch (falls native gesetzt wird)
- Trunk nur auf Member-Ports konfiguriert, nicht auf Port-Channel (inkonsistent)
Fehler: STP blockt „trotz EtherChannel“
- STP betrachtet den Port-Channel als einen Link, kann aber in redundanten Designs trotzdem blocken
- Root Bridge prüfen und Topologie-Design verifizieren
Quickchecks für EtherChannel-Labs
enable
show etherchannel summary
show interfaces status
show interfaces trunk
show spanning-tree
Best Practices für saubere LACP-Bundles in Packet Tracer
Mit diesen Regeln bauen Sie EtherChannels reproduzierbar und vermeiden die häufigsten Übungsfallen.
- Member-Ports immer als Range konfigurieren (einheitliche Parameter)
- Trunk-Parameter am
port-channelpflegen (Single Source of Truth) - LACP: mindestens eine Seite
active - Allowed VLANs restriktiv und identisch setzen
- Nach jeder Änderung verifizieren:
show etherchannel summary
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