Capacity Planning fürs Routing: Wann Scale Up/Out erforderlich ist

Capacity Planning im Routing ist ein entscheidender Faktor, um Netzwerkausfälle, Routing-Instabilitäten oder Performance-Engpässe zu vermeiden. Es geht darum, frühzeitig zu erkennen, wann bestehende Geräte oder Topologien an ihre Grenzen stoßen und eine Skalierung erforderlich wird. Sowohl Scale-Up (leistungsfähigere Hardware) als auch Scale-Out (mehr Geräte oder Pfade) sind strategische Maßnahmen, die auf Basis von KPIs, Traffic-Analysen und Routing-Metriken geplant werden müssen. Dieser Artikel erläutert praxisnah, welche Kriterien beim Capacity Planning im Routing zu beachten sind, wie Limits erkannt werden und welche Maßnahmen effizient umgesetzt werden können.

Grundlagen des Routing-Capacity-Plannings

Routing-Capacity-Planung bedeutet, die Leistungsfähigkeit der Routing-Infrastruktur in Relation zum aktuellen und prognostizierten Traffic- und Netzwerkwachstum zu bewerten. Hierbei spielen mehrere Dimensionen eine Rolle:

  • CPU- und Memory-Auslastung der Router
  • Routing-Tabelle (RIB/FIB) und deren Wachstum
  • Anzahl aktiver Routing-Protokolle und Neighbor-Sessions
  • Interface-Auslastung und Anzahl paralleler Pfade

Leistungsmetriken im Fokus

Um fundierte Entscheidungen zu treffen, werden folgende Metriken regelmäßig überwacht:

  • RIB Size (Routing Information Base)
  • FIB Size (Forwarding Information Base)
  • CPU- und Speicherverbrauch auf Control-Plane und Data-Plane
  • Convergence Time bei Topology Changes
  • Fehlerstatistiken wie Route Flaps oder Interface Drops

Scale-Up vs. Scale-Out

Wenn Limits erreicht werden, kann zwischen Scale-Up und Scale-Out unterschieden werden. Die Entscheidung hängt von Netzwerkarchitektur, Budget und Betriebskonzept ab.

Scale-Up

Scale-Up bedeutet, vorhandene Router durch leistungsfähigere Geräte zu ersetzen oder Module zu ergänzen:

  • Höhere CPU-Leistung für schnellere RIB/FIB-Berechnung
  • Größerer Speicher für umfangreiche Routing-Tabellen
  • Bessere Interface-Dichte und höhere Bandbreite

Scale-Up eignet sich, wenn die Topologie stabil ist, der Traffic zentralisiert fließt und Hardware-Limits die Engstelle sind.

Scale-Out

Scale-Out beschreibt die horizontale Erweiterung des Netzwerks:

  • Zusätzliche Router oder Peering-Punkte implementieren
  • ECMP-Links zur Lastverteilung nutzen
  • Topologie segmentieren, z.B. durch VRFs oder Area Design bei OSPF

Scale-Out wird nötig, wenn die Last verteilt werden muss, Redundanz erhöht werden soll oder bestimmte Routing-Domänen zu groß werden.

RIB- und FIB-Limits erkennen

Ein kritischer Aspekt im Capacity Planning ist die Analyse der Routing-Tabellen. Router haben begrenzte Kapazitäten für RIB und FIB, die bei Überschreitung zu Paketverlust oder instabilem Routing führen können.

Praxisbeispiel Cisco

show ip route summary
show ip cef summary
show processes cpu
show memory statistics

Regelmäßige Überwachung dieser Werte ermöglicht das Erkennen von Engpässen, bevor kritische Fehler auftreten.

Traffic-basierte Dimensionierung

Traffic-Analyse liefert wichtige Hinweise auf Routing-Capacity:

  • NetFlow oder sFlow-Daten für Top Talker und Top Prefixes
  • Interface Utilization Reports
  • ECMP Pfadauslastung

Wenn Interfaces oder Pfade regelmäßig über 70–80% ausgelastet sind, sollte eine Skalierungsmaßnahme geplant werden.

Proaktive Convergence-Analyse

Routing-Capacity ist eng mit Convergence Time verbunden. Große Tabellen oder überlastete CPUs verzögern die Berechnung nach Topology Changes und erhöhen die Downtime-Risiken.

Key KPIs

  • Convergence Time nach Interface Down/Up
  • BGP-Session Reset Time
  • OSPF/IS-IS SPF Calculation Time

Tools wie Cisco Embedded Event Manager (EEM) oder externe Monitoring-Systeme können die Convergence überwachen und Engpässe frühzeitig signalisieren.

Planung von Scale-Up/Scale-Out Maßnahmen

Die Entscheidung für Scale-Up oder Scale-Out sollte anhand folgender Kriterien erfolgen:

  • CPU- und Memory-Engpässe → Scale-Up
  • Routing-Tabelle zu groß → Scale-Up oder Segmentierung
  • Hohe Interface-Auslastung → Scale-Up oder zusätzliche Links (Scale-Out)
  • Verteilte Last und Redundanzbedarf → Scale-Out

Dokumentation und Testing

Vor Umsetzung sollten Änderungen dokumentiert und getestet werden:

  • Pre-Change NetFlow/Telemetry Reports
  • Simulation der Routing-Tabelle mit aktuellen Traffic-Lasten
  • Failover-Tests bei Scale-Out-Topologien

Monitoring nach Skalierung

Nach einer Scale-Up oder Scale-Out Maßnahme ist die kontinuierliche Überwachung entscheidend:

  • RIB/FIB Growth Tracking
  • CPU- und Memory-Auslastung
  • Interface-Utilization und ECMP-Verteilung
  • Convergence Tests nach Topology Changes

Nur durch fortlaufendes Monitoring lassen sich Capacity-Engpässe frühzeitig erkennen und weitere Skalierungsmaßnahmen rechtzeitig planen.

Zusammenfassung der Best Practices

  • Regelmäßige Kontrolle von RIB/FIB, CPU, Memory und Interfaces
  • NetFlow-basierte Traffic-Analysen durchführen
  • Scale-Up bei Hardware-Engpässen, Scale-Out bei Verteilungs- oder Redundanzbedarf
  • Convergence Time messen und optimieren
  • Dokumentation, Testing und Monitoring in den Planungsprozess integrieren

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