6.1 Vorgangspassiv im Deutschen wiederholen: B2-Grammatik einfach erklärt

Im Deutschen ist das Passiv sehr wichtig. Besonders auf B2-Niveau soll man es gut verstehen und benutzen können. Viele Lernende kennen zuerst nur aktive Sätze wie: „Der Lehrer erklärt die Regel.“ Später lernt man auch passive Sätze wie: „Die Regel wird erklärt.“ Das nennt man Vorgangspassiv. Dabei ist nicht so wichtig, wer etwas macht. Wichtiger ist, was passiert. Auch wenn du noch auf A1–A2-Niveau lernst, kannst du diese Struktur schon Schritt für Schritt verstehen. In diesem Text lernst du, was das Vorgangspassiv ist, wie man es bildet, wann man es benutzt und wie es in einfachen Sätzen, kurzen Lesetexten und Dialogen vorkommt.

Was ist das Vorgangspassiv?

Die Grundidee einfach erklärt

Das Vorgangspassiv zeigt eine Handlung oder einen Prozess. Es sagt also: Etwas passiert. Wer die Handlung macht, ist oft nicht wichtig oder nicht bekannt.

Beispiele:

  • Der Lehrer erklärt die Regel. = Aktiv
  • Die Regel wird erklärt. = Passiv

Im aktiven Satz ist „der Lehrer“ wichtig. Im passiven Satz ist „die Regel“ wichtig. Das Vorgangspassiv zeigt also den Vorgang, also das Geschehen.

Warum man das Vorgangspassiv braucht

Im Deutschen benutzt man das Vorgangspassiv oft, wenn die handelnde Person nicht wichtig ist oder wenn man allgemein und sachlich sprechen möchte.

  • Man beschreibt einen Prozess.
  • Man beschreibt Regeln und Anweisungen.
  • Man spricht sachlich über Arbeit, Schule oder Alltag.
  • Man muss die handelnde Person nicht immer nennen.

Beispiele:

  • Im Kurs werden viele Übungen gemacht.
  • Die Tür wird jeden Abend geschlossen.
  • Die Aufgabe wird morgen erklärt.

Wie bildet man das Vorgangspassiv?

Mit „werden“ und Partizip II

Das Vorgangspassiv bildet man mit dem Verb „werden“ und dem Partizip II.

Formel:

  • werden + Partizip II

Beispiele:

  • Der Text wird gelesen.
  • Die Tür wird geöffnet.
  • Das Essen wird vorbereitet.

Das Partizip II ist oft eine Form wie:

  • machen → gemacht
  • lesen → gelesen
  • öffnen → geöffnet
  • schreiben → geschrieben

Das Verb „werden“ im Präsens

Für das Vorgangspassiv im Präsens brauchst du die Formen von „werden“.

  • ich werde
  • du wirst
  • er / sie / es wird
  • wir werden
  • ihr werdet
  • sie / Sie werden

Beispiele:

  • Ich werde informiert.
  • Du wirst gefragt.
  • Das Buch wird gelesen.
  • Wir werden eingeladen.

Aktiv und Passiv im Vergleich

Was ist der Unterschied?

Im Aktiv ist die Person wichtig, die etwas macht. Im Passiv ist die Handlung wichtig.

Vergleich:

  • Die Lehrerin erklärt die Grammatik. = Aktiv
  • Die Grammatik wird erklärt. = Passiv
  • Der Koch bereitet das Essen vor. = Aktiv
  • Das Essen wird vorbereitet. = Passiv

Das Vorgangspassiv verändert also den Blick auf den Satz.

Wann nimmt man Aktiv, wann Passiv?

Aktiv ist oft persönlicher und direkter. Passiv ist oft sachlicher.

  • Aktiv: Jemand macht etwas.
  • Passiv: Etwas passiert.

Beispiele:

  • Im Büro schreibt man viele E-Mails. = eher allgemein aktiv
  • Im Büro werden viele E-Mails geschrieben. = sachlich passiv

Vorgangspassiv im Präsens

Für das, was gerade oder allgemein passiert

Sehr oft benutzt man das Vorgangspassiv im Präsens. Dann geht es um eine aktuelle oder allgemeine Handlung.

Beispiele:

  • Die Hausaufgaben werden kontrolliert.
  • Im Unterricht wird viel gesprochen.
  • Die Fenster werden geputzt.
  • Das Problem wird gerade besprochen.

Diese Sätze passen gut zu Alltag, Arbeit und Schule.

Typische Situationen im Präsens

  • In Schulen werden Prüfungen geschrieben.
  • Im Restaurant wird das Essen schnell serviert.
  • Im Krankenhaus werden viele Menschen behandelt.
  • In der Firma werden neue Pläne gemacht.

So beschreibt man Abläufe sehr gut.

Vorgangspassiv in anderen Zeiten

Passiv im Präteritum

Auch im Präteritum kann man das Vorgangspassiv bilden. Dann nimmt man „wurde“ oder „wurden“.

Beispiele:

  • Die Tür wurde geöffnet.
  • Der Text wurde gelesen.
  • Viele Fragen wurden gestellt.

Das Präteritum ist in Berichten und schriftlichen Texten sehr häufig.

Passiv im Perfekt

Im Perfekt bildet man das Vorgangspassiv mit „ist“ plus Partizip II plus „worden“.

Beispiele:

  • Die Tür ist geöffnet worden.
  • Das Essen ist vorbereitet worden.
  • Die Aufgabe ist erklärt worden.

Diese Form ist etwas länger, aber wichtig auf höherem Niveau.

Passiv im Futur

Auch die Zukunft ist möglich. Dann benutzt man „wird … werden“.

Beispiele:

  • Die Regel wird morgen erklärt werden.
  • Das Zimmer wird bald gereinigt werden.

Diese Form ist grammatisch richtig, aber im Alltag benutzt man oft einfachere Sätze.

Wer macht die Handlung?

Mit „von“ oder „durch“

Manchmal möchte man doch sagen, wer die Handlung macht. Dann kann man im Passiv „von“ oder manchmal „durch“ benutzen.

Beispiele:

  • Die Regel wird von der Lehrerin erklärt.
  • Das Essen wird vom Koch vorbereitet.
  • Die Tür wird durch den Wind geschlossen.

„Von“ benutzt man oft bei Personen. „Durch“ benutzt man oft bei Mitteln oder Ursachen.

Oft ist die Person nicht wichtig

Sehr oft lässt man „von …“ einfach weg.

  • Die Regel wird erklärt.
  • Das Essen wird vorbereitet.
  • Die Aufgabe wird morgen besprochen.

Das ist ganz normal im Passiv.

Wann benutzt man das Vorgangspassiv besonders oft?

In Anleitungen und Regeln

Das Vorgangspassiv ist sehr typisch für Anleitungen, Regeln und formelle Informationen.

Beispiele:

  • Die Formulare werden zuerst ausgefüllt.
  • Danach werden die Dokumente geprüft.
  • Die Tür wird um 18 Uhr geschlossen.
  • Im Prüfungsraum wird nicht gesprochen.

Solche Sätze klingen sachlich und klar.

In Schule, Arbeit und Alltag

Auch in normalen Alltagssituationen kommt das Passiv oft vor.

  • Im Kurs werden neue Wörter gelernt.
  • Im Büro werden viele E-Mails beantwortet.
  • In der Küche wird das Abendessen gekocht.
  • Im Supermarkt werden die Waren sortiert.

Darum ist das Thema sehr wichtig.

Was passiert mit dem Objekt?

Das Objekt wird zum Subjekt

Im Aktiv gibt es oft ein Akkusativobjekt. Im Passiv wird dieses Objekt zum Subjekt des Satzes.

Beispiel:

  • Die Lehrerin erklärt die Grammatik. = Aktiv
  • Die Grammatik wird erklärt. = Passiv

„Die Grammatik“ war im Aktiv das Objekt. Im Passiv wird es zum wichtigen Satzteil.

Nicht jedes Verb bildet ein normales Passiv

Ein normales Vorgangspassiv ist besonders leicht bei Verben mit Akkusativobjekt.

Beispiele:

  • Man liest den Text. → Der Text wird gelesen.
  • Man öffnet die Tür. → Die Tür wird geöffnet.
  • Man schreibt den Brief. → Der Brief wird geschrieben.

So kannst du Aktiv und Passiv gut vergleichen.

Unpersönliches Passiv

Wenn kein klares Subjekt da ist

Manchmal gibt es im Passiv kein echtes Subjekt. Das nennt man unpersönliches Passiv.

Beispiele:

  • Hier wird gearbeitet.
  • Im Kurs wird viel gelacht.
  • Am Abend wird noch getanzt.

Diese Sätze sind im Deutschen sehr häufig.

Warum diese Form wichtig ist

Mit dieser Form kannst du allgemein sagen, was an einem Ort passiert.

  • Im Büro wird heute lange gearbeitet.
  • Im Unterricht wird nur Deutsch gesprochen.
  • Auf der Party wird viel getanzt.

So klingt die Sprache natürlich und allgemein.

Kurzer Lesetext

In Annas Deutschkurs wird heute das Passiv wiederholt. Zuerst wird eine Regel an die Tafel geschrieben. Danach werden einige Beispiele erklärt. Im Unterricht wird viel gefragt und auch viel geübt. Eine kurze Aufgabe wird von der Lehrerin verteilt, und dann werden die Sätze gemeinsam verbessert. Am Ende wird noch ein kleiner Text gelesen. Anna merkt, dass das Thema langsam klarer wird. Besonders gut findet sie, dass im Kurs viele Regeln ruhig und Schritt für Schritt erklärt werden.

Wichtige Passivformen aus dem Lesetext

  • wird heute das Passiv wiederholt
  • wird eine Regel an die Tafel geschrieben
  • werden einige Beispiele erklärt
  • wird viel gefragt
  • wird viel geübt
  • wird von der Lehrerin verteilt
  • werden die Sätze gemeinsam verbessert
  • wird noch ein kleiner Text gelesen

Einfache Dialoge

Dialog im Unterricht

A: Was passiert heute im Kurs?
B: Heute wird das Passiv erklärt.
A: Werden auch Übungen gemacht?
B: Ja, es werden viele Übungen gemacht.

Dialog im Büro

A: Was passiert mit den E-Mails?
B: Sie werden heute noch beantwortet.
A: Und die Dokumente?
B: Die werden morgen geprüft.

Dialog zu Hause

A: Was wird heute gekocht?
B: Es wird eine Suppe gekocht.
A: Wird auch Salat gemacht?
B: Ja, der Salat wird gleich vorbereitet.

Dialog über Regeln

A: Darf man hier laut sprechen?
B: Nein, hier wird leise gesprochen.
A: Und wann wird die Tür geschlossen?
B: Sie wird um sechs Uhr geschlossen.

Wortschatz zum Thema Vorgangspassiv

  • das Passiv = eine Form, in der die Handlung wichtig ist
  • das Aktiv = eine Form, in der die handelnde Person wichtig ist
  • der Vorgang = das, was passiert
  • das Partizip II = eine Form wie gemacht, gelesen, geschrieben
  • sachlich = ruhig und ohne persönliche Betonung
  • die Regel = eine feste Information
  • die Anweisung = eine Erklärung, was man tun soll
  • der Prozess = ein Ablauf
  • verteilen = an viele Personen geben
  • verbessern = besser machen

Nützliche Satzmuster

Im Präsens

  • Der Text wird gelesen.
  • Die Tür wird geöffnet.
  • Das Essen wird gekocht.
  • Die Fragen werden beantwortet.

Mit Ort oder Zeit

  • Im Unterricht wird viel gesprochen.
  • Heute wird das Thema erklärt.
  • Morgen wird die Aufgabe besprochen.
  • Im Büro werden viele E-Mails geschrieben.

Mit „von“

  • Die Regel wird von der Lehrerin erklärt.
  • Das Essen wird vom Koch vorbereitet.
  • Die Briefe werden von der Sekretärin verschickt.

Typische Fehler

„Werden“ mit „sein“ verwechseln

Beim Vorgangspassiv benutzt man „werden“, nicht „sein“.

  • falsch: Die Tür ist geöffnet. = das beschreibt eher einen Zustand
  • richtig: Die Tür wird geöffnet. = das beschreibt den Vorgang

Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.

Das Partizip II vergessen

Im Passiv brauchst du immer „werden“ und das Partizip II.

  • falsch: Der Text wird lesen.
  • richtig: Der Text wird gelesen.

Aktiv und Passiv mischen

Viele Lernende mischen beide Formen.

  • falsch: Die Regel erklärt von der Lehrerin.
  • richtig: Die Regel wird von der Lehrerin erklärt.

Die falsche Zeitform benutzen

Auch im Passiv muss die Zeitform passen.

  • Präsens: Die Tür wird geöffnet.
  • Präteritum: Die Tür wurde geöffnet.
  • Perfekt: Die Tür ist geöffnet worden.

Darauf muss man achten.

Kleine Schreibhilfe

  • Im Kurs wird …
  • Heute wird … erklärt.
  • Die Aufgabe wird …
  • Im Büro werden …
  • Hier wird nicht …
  • Die Regel wird von … erklärt.
  • Das Essen wird vorbereitet.
  • Die Dokumente werden geprüft.

Mit dem Vorgangspassiv kannst du im Deutschen Abläufe, Regeln und Prozesse klar und sachlich ausdrücken. So lernst du, nicht nur zu sagen, wer etwas macht, sondern auch genau zu zeigen, was passiert.

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