BGP Best Path Selection: So entscheidet Cisco wirklich

BGP ist policy-basiert: Cisco entscheidet den „besten“ Pfad nicht über die kürzeste Leitung oder die niedrigste Latenz, sondern über Attribute und Regeln. Wer die Best-Path-Selection wirklich versteht, kann Internet-Uplinks sauber priorisieren, Failover kontrollieren und unerwartete Pfadwechsel vermeiden. Dieses Tutorial erklärt die Reihenfolge praxisnah, zeigt typische Attribute und gibt dir konkrete IOS-Kommandos, um die Entscheidung nachvollziehbar zu prüfen.

Vorab: BGP entscheidet pro Präfix, nicht „global“

Die Best-Path-Auswahl wird für jedes Zielpräfix separat durchgeführt. Für 203.0.113.0/24 kann ein anderer Uplink gewinnen als für 198.51.100.0/24, abhängig von Attributen, Policies und dem gelernten Pfad.

Router# show ip bgp
Router# show ip bgp 203.0.113.0

Die wichtigste Regel: Policies schlagen „Technik“

BGP ist so gebaut, dass du bewusst steuerst. In Enterprise-Edges ist deshalb Local Preference häufig der dominierende Hebel für Outbound, Communities/Prepend für Inbound und MED für Multi-Links zum gleichen Provider.

  • Outbound-Steuerung (dein Netz): LOCAL_PREFERENCE
  • Inbound-Steuerung (zu dir): Communities/Provider-Policy, AS-Path Prepend
  • Mehrere Links zum gleichen AS: MED kann wirken

Best Path Selection: Reihenfolge (praxisorientiert, Cisco-typisch)

Die genaue Liste kann je nach Plattform/Features variieren, aber diese Reihenfolge trifft den Cisco-Alltag sehr zuverlässig. Du kannst sie direkt als Troubleshooting-Checkliste nutzen.

  • Gewicht (Weight): höher gewinnt (lokal auf dem Router)
  • Local Preference: höher gewinnt (im eigenen AS)
  • Lokale Origination: selbst erzeugte Route bevorzugt
  • AS Path: kürzer gewinnt oft
  • Origin: IGP > EGP > Incomplete
  • MED: niedriger gewinnt (typisch zwischen gleichen Neighbor-AS)
  • eBGP vor iBGP
  • IGP-Kosten zum Next-Hop: niedriger gewinnt
  • Router-ID/Neighbor-IP als Tie-Breaker (Stabilität)

Merker: „Weight und LocalPref entscheiden früh“

Best Path  →  Weight  >  LocalPref  >  AS-PATH  >  MED

Weight: Cisco-spezifisch und nur lokal wirksam

Weight ist ein Cisco-Attribut (nicht standardisiert) und wirkt nur auf dem lokalen Router. Es ist ideal, um auf einem Edge-Router sehr hart einen Pfad zu bevorzugen, ohne iBGP-Policies im gesamten AS zu verändern.

  • Scope: nur lokal auf diesem Router
  • Regel: höher = besser
  • Typisch: „Notfall-Hebel“ oder sehr lokale Policy

Weight setzen (Route-Map inbound)

Router# configure terminal
Router(config)# route-map SET-WEIGHT permit 10
Router(config-route-map)# set weight 500
Router(config-route-map)# end

Router(config)# router bgp 65001
Router(config-router)# neighbor 203.0.113.1 route-map SET-WEIGHT in
Router(config-router)# end

Local Preference: wichtigster Hebel für Outbound im eigenen AS

Local Preference wird in iBGP verteilt und steuert, über welchen Exit dein AS den Traffic sendet. In Dual-ISP-Designs ist das die Standardmethode, um einen bevorzugten Uplink zu definieren.

  • Scope: innerhalb des eigenen AS
  • Regel: höher = besser
  • Typisch: Provider A bevorzugt (z. B. 200), Provider B Backup (z. B. 100)

Local Preference setzen (Route-Map inbound)

Router# configure terminal
Router(config)# route-map LP-ISP1 permit 10
Router(config-route-map)# set local-preference 200
Router(config-route-map)# end

Router(config)# router bgp 65001
Router(config-router)# neighbor 203.0.113.1 route-map LP-ISP1 in
Router(config-router)# end

AS Path: Pfadinfo und häufiges Kriterium nach LocalPref

AS Path zeigt den Weg durch ASNs und verhindert Loops. Kürzere AS Paths werden oft bevorzugt, wenn LocalPref/Weight gleich sind. Für Inbound-Steuerung nutzen viele Unternehmen AS-Path Prepending.

  • Scope: internetweit
  • Regel: kürzer oft besser
  • Inbound-Influence: Prepending macht den Pfad „unattraktiver“

AS Path prüfen und Prepend setzen

Router# show ip bgp 203.0.113.0
Router# configure terminal
Router(config)# route-map PREPEND-OUT permit 10
Router(config-route-map)# set as-path prepend 65001 65001 65001
Router(config-route-map)# end

Origin und MED: Tie-Breaker mit typischen Missverständnissen

Origin ist meist statisch (IGP/EGP/Incomplete) und selten dein Haupthebel. MED wird oft falsch erwartet: Er wirkt typischerweise nur, wenn mehrere Pfade vom gleichen Nachbar-AS kommen. MED ist ein „Hinweis“, keine Garantie.

  • Origin: IGP bevorzugt, dann EGP, dann Incomplete
  • MED: niedriger = besser, häufig nur innerhalb gleicher Neighbor-AS verglichen

MED setzen (Outbound, Beispielprinzip)

Router# configure terminal
Router(config)# route-map SET-MED permit 10
Router(config-route-map)# set metric 50
Router(config-route-map)# end

eBGP vor iBGP: warum externe Pfade oft „gewinnen“

Wenn Attribute gleich sind, bevorzugt BGP oft eBGP-gelernte Pfade gegenüber iBGP. Das passt zum Design: externe Informationen sollen an der Edge „real“ sein, interne Verteilung ist sekundär.

Pfadquelle in der BGP-Ausgabe erkennen

Router# show ip bgp 203.0.113.0

IGP-Kosten zum Next-Hop: der häufigste „späte“ Entscheider

Wenn mehrere Kandidaten nach Attributen gleich sind, entscheidet oft die IGP-Kosten zum Next-Hop. Das ist besonders relevant in iBGP-Designs mit mehreren Exit-Punkten: Der Core wählt dann den „nächstgelegenen“ Exit (Hot Potato Routing).

  • Hot Potato: Traffic verlässt dein AS möglichst früh
  • Erfordert: Next-Hop-Erreichbarkeit im IGP
  • Kann unerwartete Ausgänge erzeugen, wenn IGP-Costs nicht geplant sind

Next-Hop und IGP-Pfad prüfen

Router# show ip bgp 203.0.113.0
Router# show ip route <next-hop-ip>
Router# traceroute <next-hop-ip>

Communities: keine direkte Auswahlregel, aber Policy-Multiplikator

Communities sind Tags, die du in Route-Maps matchen kannst, um Weight, LocalPref, MED oder Filterentscheidungen zu setzen. In Provider-Szenarien sind Communities oft der beste Weg, Inbound zu beeinflussen.

Router# show ip bgp community 65001:100

Verifikation: So siehst du, warum Cisco diesen Pfad gewählt hat

Im Troubleshooting willst du nicht raten, sondern die Attribute und den Best Path eindeutig sehen. Nutze die BGP-Detailausgabe pro Präfix und prüfe danach, ob der Pfad in die Routing-Tabelle übernommen wurde.

Best Path pro Präfix prüfen

Router# show ip bgp 203.0.113.0
Router# show ip bgp 203.0.113.0 longer-prefixes

BGP in der Routing-Tabelle prüfen

Router# show ip route bgp
Router# show ip route 203.0.113.0

Typische Fehlerbilder in der Best-Path-Selection

Wenn der „falsche“ Pfad gewinnt, ist meistens ein Attribut (LocalPref/Weight), ein Filter oder ein Next-Hop/IGP-Thema die Ursache. Diese Klassiker treten in Enterprise-Edges besonders häufig auf.

  • LocalPref ungewollt gesetzt (Route-Map matcht zu breit)
  • Next-Hop unreachable (iBGP) → Route wird nicht genutzt
  • MED wird erwartet, aber Neighbor-AS ist verschieden
  • Hot Potato durch IGP-Costs führt zu unerwartetem Exit
  • AS-Path Prepend wirkt nicht wie erwartet (Upstream-Policy dominiert)

Quick-Checks

Router# show ip bgp summary
Router# show ip bgp 203.0.113.0
Router# show route-map
Router# show ip route <next-hop-ip>
Router# show ip route bgp

Konfiguration speichern

Router# copy running-config startup-config

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