Wer Cisco-Router oder Cisco-Switches administriert, kommt an einem Thema nicht vorbei: Konfigurationen müssen zuverlässig gespeichert werden. Genau hier passieren im Alltag besonders viele, vermeidbare Fehler. Das wichtigste Stichwort lautet Cisco Konfiguration speichern – und damit verbunden die Unterscheidung zwischen running-config und startup-config. Viele Einsteiger ändern eine Einstellung, testen kurz, alles funktioniert – und nach einem Neustart ist die gesamte Arbeit verschwunden. Der Grund ist simpel: Die laufende Konfiguration (running-config) befindet sich im Arbeitsspeicher und wird nicht automatisch dauerhaft gesichert. Erst wenn Sie die Konfiguration in die Startkonfiguration (startup-config) schreiben, bleibt sie nach einem Reload erhalten. In diesem Artikel erfahren Sie verständlich, wie Cisco die Konfigurationsspeicherung organisiert, welche Befehle Sie im Alltag wirklich brauchen, welche Stolperfallen typisch sind und wie Sie Änderungen professionell absichern. Dazu gehören auch Best Practices wie kontrollierte Änderungen, differenzierte Prüfkommandos, saubere Backups und ein Vorgehen, das Sie vor unangenehmen Überraschungen schützt – egal ob im Lab, im kleinen Firmennetz oder in größeren Umgebungen.
Grundlagen: Was bedeuten running-config und startup-config?
Auf Cisco-Geräten existieren typischerweise mindestens zwei zentrale Konfigurationsstände:
- running-config: Die aktuell aktive Konfiguration. Sie wird im RAM (Arbeitsspeicher) gehalten und steuert sofort das Verhalten des Geräts.
- startup-config: Die Konfiguration, die beim Booten geladen wird. Sie liegt in einem nichtflüchtigen Speicher (typisch NVRAM oder ein vergleichbarer persistenter Speicher, je nach Plattform).
Das entscheidende Praxisprinzip lautet: Änderungen in der running-config wirken sofort, sind aber ohne explizites Speichern nach einem Neustart weg. Die startup-config ist Ihr „sicherer Stand“, der beim nächsten Reload geladen wird.
Warum Cisco diese Trennung nutzt
Die Trennung hat einen sehr praktischen Zweck: Sie können Änderungen testen, ohne sie sofort dauerhaft zu übernehmen. Das ist besonders wertvoll, wenn Sie Konfigurationen schrittweise anpassen, Fehler schnell zurückrollen oder in Wartungsfenstern arbeiten. Im Labor ist es angenehm, im Betrieb ist es oft essenziell.
Wo liegen die Konfigurationen – und was passiert beim Booten?
Vereinfacht läuft der Ablauf beim Start eines Cisco-Geräts so ab:
- Das Gerät bootet das Betriebssystem (Cisco IOS oder IOS XE, abhängig von der Plattform).
- Es versucht, die startup-config aus dem persistenten Speicher zu laden.
- Die geladene startup-config wird zur running-config und ist ab diesem Moment aktiv.
Wenn keine startup-config vorhanden ist (zum Beispiel nach einem Factory Reset), startet das Gerät mit einem minimierten Grundzustand. In vielen Fällen erscheint dann ein Setup-Dialog oder das Gerät wartet auf manuelle Konfiguration.
Wichtige Begriffe im Speicher-Kontext
- RAM: flüchtig, verliert Inhalte bei Neustart oder Stromausfall.
- NVRAM / Flash: nichtflüchtig, bleibt bei Neustart erhalten (Bezeichnungen können je nach Plattform variieren).
- running-config: aktiv im RAM.
- startup-config: persistent gespeichert, beim Booten geladen.
Wenn Sie Plattformdetails oder Befehlsvarianten nachschlagen möchten, ist der Anchor-Text Cisco IOS Command Reference eine zuverlässige Anlaufstelle.
Die wichtigsten Befehle: Anzeigen, vergleichen, speichern
Im Alltag brauchen Sie vor allem drei Fähigkeiten: running-config anzeigen, startup-config anzeigen und die running-config in die startup-config speichern.
running-config anzeigen
show running-config
startup-config anzeigen
show startup-config
running-config dauerhaft speichern
Der Standardbefehl lautet:
copy running-config startup-config
Viele Administratoren nutzen außerdem die Kurzform:
write memory
Beide Befehle verfolgen das gleiche Ziel: Die aktuelle running-config wird in den persistenten Speicher geschrieben und steht beim nächsten Boot als startup-config zur Verfügung.
Schnelle Kontrolle, ob gespeichert wurde
Nach dem Speichern ist es sinnvoll, die startup-config kurz zu prüfen:
show startup-config
Alternativ können Sie gezielt nach einer gerade geänderten Zeile suchen, zum Beispiel mit Filter:
show startup-config | include hostname
Typische Alltagsszenarien: Wann welche Konfiguration zählt
Die Unterscheidung klingt theoretisch, ist aber in der Praxis ständig relevant. Einige typische Situationen:
Sie ändern ein Interface und testen sofort
Wenn Sie ein Interface konfigurieren, ändern Sie die running-config. Der Effekt ist sofort sichtbar:
configure terminal
interface gigabitethernet0/0
description Uplink
no shutdown
Wenn Sie jetzt neu starten, ist die Änderung nur dann dauerhaft, wenn Sie gespeichert haben.
Sie verlieren nach einem Reload die Konfiguration
Das passiert, wenn die Änderungen in der running-config nicht in die startup-config geschrieben wurden. Im Betrieb ist das kritisch, weil ein ungeplanter Stromausfall denselben Effekt haben kann wie ein Neustart.
Sie testen eine Änderung bewusst ohne Speichern
Das ist ein legitimes Vorgehen: Sie probieren eine Anpassung aus, prüfen das Verhalten und verwerfen sie später wieder – entweder durch Rücknahme der Konfig oder durch einen Reload ohne Speichern (je nach Prozess). Wichtig ist, dass Sie das absichtlich tun und nicht aus Versehen.
Best Practice: Erst verifizieren, dann speichern
Ein professioneller Workflow speichert nicht blind „nach jedem Tastendruck“, sondern nach einem kurzen Plausibilitätscheck. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- Änderung vornehmen (möglichst in kleinen, klaren Schritten).
- Relevante Statusprüfung mit
show-Befehlen durchführen. - Wenn das Ergebnis korrekt ist: speichern.
- Optional: Konfig-Backup extern ablegen.
Prüfkommandos, die fast immer passen
show ip interface brief(Interface-Status und IPs)show running-config | section interface(Interface-Abschnitte prüfen)show ip route(Routing prüfen)show logging(Hinweise in Logs)
Gerade auf Switches kommen häufig dazu:
show vlan briefshow interfaces trunkshow spanning-tree
Stolperfallen: Warum das Speichern trotz „copy run start“ manchmal nicht klappt
In der Praxis gibt es einige typische Gründe, warum Konfigurationen nicht wie erwartet persistent werden.
Sie speichern, aber auf dem falschen Gerät
In Multi-Session-Umgebungen (Jump Hosts, mehrere Tabs, viele Geräte) ist das häufig. Ein eindeutiger Hostname hilft, Fehler zu vermeiden. Prüfen Sie vor dem Speichern kurz:
show running-config | include hostname
Sie speichern nicht, weil der Prompt nicht offensichtlich ist
Viele Administratoren glauben, sie hätten gespeichert, weil sie „aus dem Konfigmodus raus“ sind. Aber end oder Ctrl+Z speichert nicht. Nur ein explizites copy running-config startup-config (oder Äquivalent) schreibt dauerhaft.
Schreibschutz oder Speicherprobleme
In seltenen Fällen verhindern Speicherprobleme das Schreiben. Dann sehen Sie oft Fehlermeldungen. Prüfen Sie im Zweifel, ob die startup-config wirklich die neue Zeile enthält, und kontrollieren Sie den verfügbaren Speicher (plattformabhängig). Bei anhaltenden Problemen ist die herstellerseitige Dokumentation der beste Bezugspunkt, zum Beispiel über den Anchor-Text Cisco Support.
Konfigurationsänderungen durch externe Systeme
In professionellen Umgebungen können Änderungen auch durch Automatisierung oder zentrale Systeme erfolgen (z. B. Konfig-Management). Das ist grundsätzlich sinnvoll, kann aber verwirren, wenn parallel manuell gearbeitet wird. Best Practice ist ein klarer Prozess: Wer ändert was, wann, und wie werden Änderungen versioniert?
running-config und startup-config vergleichen: Unterschiede schnell erkennen
Gerade nach Änderungen ist es hilfreich zu wissen, ob running-config und startup-config noch auseinanderlaufen. Je nach Plattform und Feature-Set gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Eine einfache, robuste Methode ist, gezielt die relevanten Abschnitte beider Konfigurationen anzusehen und zu vergleichen.
Gezielt prüfen statt alles lesen
Nutzen Sie Filter, um nur das zu sehen, was Sie interessiert:
show running-config | section line vty
show startup-config | section line vty
Oder für SSH-Einstellungen:
show running-config | include ip ssh|ip domain-name
show startup-config | include ip ssh|ip domain-name
So erkennen Sie schnell, ob die Änderungen bereits persistiert wurden.
Konfigurations-Backups: Warum Speichern allein nicht reicht
Das Speichern in die startup-config schützt vor dem Verlust durch Neustart, aber nicht vor Bedienfehlern, Hardwaredefekten oder ungewollten Änderungen. Für einen stabilen Betrieb sollten Sie zusätzlich externe Backups einplanen. Typische Methoden sind:
- Backup auf einen Server (z. B. via SCP/SFTP, je nach Gerät)
- Versionierung in einem Repository (Konfig als Textdatei)
- Zentrales Netzwerkmanagement/Automatisierung mit Change-Historie
Wenn Sie sichere Übertragungswege statt unsicherer Protokolle nutzen möchten, bietet der Anchor-Text Cisco Secure Copy (SCP) / SFTP hilfreiche Hintergrundinformationen.
Praktische Routine für ein manuelles Backup
Auch ohne großes Tooling können Sie ein einfaches Vorgehen etablieren:
- Vor der Änderung: aktuellen Stand sichern (Text-Export der running-config).
- Änderung durchführen und testen.
- Nach der Änderung: running-config speichern und erneut exportieren.
- Beide Stände versioniert ablegen (Datum, Ticket, Kurzbeschreibung).
Konfiguration sicher ändern: „Rollback“-Denken mit Cisco-CLI-Grundlagen
Ein weiterer Grund für die Trennung zwischen running-config und startup-config ist die Möglichkeit, Änderungen kontrolliert zu testen. Gleichzeitig sollten Sie ein „Rollback“-Mindset entwickeln: Was tun Sie, wenn die Änderung unerwartete Effekte hat?
Änderungen mit „no“ rückgängig machen
Viele Konfigurationszeilen lassen sich mit no entfernen. Beispiel:
no ip ssh version 2
Oder eine Route entfernen:
no ip route 0.0.0.0 0.0.0.0 203.0.113.1
Das ist besonders dann hilfreich, wenn Sie die Änderung sofort zurücknehmen möchten, ohne einen Neustart zu riskieren.
Warum ein Reload ohne Speichern riskant sein kann
In produktiven Umgebungen ist „reload ohne Speichern“ selten die richtige Lösung, weil ein Neustart selbst Auswirkungen hat (Downtime, Nachbarschaften, Tunnel, Routing-Konvergenz). Besser ist es, Änderungen sauber zurückzunehmen und dabei die Services aktiv zu beobachten.
Speichern im Alltag: Welche Befehle sich bewährt haben
Für den täglichen Betrieb hat sich ein kleines Set an Kommandos etabliert, das Sie nahezu immer brauchen:
show running-config(aktueller Stand)show startup-config(persistenter Stand)copy running-config startup-config(dauerhaft speichern)show running-config | include <TEXT>(gezielt prüfen)show startup-config | include <TEXT>(gezielt prüfen)
Wenn Sie in Konfigurationsmodi sind und schnell prüfen möchten, hilft häufig der do-Befehl:
do show ip interface brief
Praxisbeispiel: Eine kleine Änderung – und wie Sie sie sauber persistieren
Angenommen, Sie wollen den SSH-Zugriff auf einem Gerät absichern und konfigurieren eine VTY-Line. Typischer Ablauf:
configure terminal
line vty 0 4
login local
transport input ssh
exec-timeout 10 0
end
Jetzt prüfen Sie, ob die Konfiguration in der running-config korrekt steht:
show running-config | section line vty
Wenn alles passt, speichern Sie:
copy running-config startup-config
Und kontrollieren anschließend kurz, ob die startup-config die Änderung enthält:
show startup-config | section line vty
Checkliste: Cisco Konfiguration speichern ohne Überraschungen
- Vor Änderungen: kurz Gerät/Hostname prüfen.
- Änderungen in kleinen Blöcken durchführen.
- Nach jedem Block verifizieren (Show-Befehle).
- Erst nach erfolgreichem Test:
copy running-config startup-config. - Startup-config stichprobenartig prüfen (Filter nutzen).
- Zusätzlich externes Backup erstellen, wenn es produktiv ist.
- Änderung dokumentieren (Ticket, Datum, Zweck).
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