Im UX-Design ist das Verständnis der Nutzererfahrung über alle Kontaktpunkte hinweg entscheidend. Viele Teams konzentrieren sich nur auf UI-Design oder Usability, aber übersehen den großen Zusammenhang: den kompletten Weg, den Nutzer*innen von der ersten Wahrnehmung bis zur langfristigen Nutzung durchlaufen.
Customer Journey Mapping ist eine der wirksamsten Methoden, um diese Gesamterfahrung sichtbar zu machen. Eine gut erstellte Journey Map hilft UX Designer*innen, Barrieren, Emotionen, Chancen und Optimierungspotenziale systematisch zu erkennen.
In diesem umfassenden Leitfaden erfährst du Schritt für Schritt, wie du Customer Journey Maps erstellst, welche Methoden du brauchst, welche Fehler du vermeiden solltest und wie du deine Ergebnisse erfolgreich im Produktteam einsetzt.
Was ist Customer Journey Mapping?
Customer Journey Mapping ist eine visuelle Darstellung aller Schritte, die ein Nutzer oder eine Nutzerin durchläuft, wenn er/sie mit einem Produkt, Service oder einer Marke interagiert. Dazu gehören:
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Phasen (z. B. Awareness, Consideration, Onboarding, Nutzung, Support)
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Touchpoints (Website, App, E-Mail, Social Media, Hotlines usw.)
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Aktionen (Was macht der Nutzer?)
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Gedanken & Emotionen (Was denkt/fühlt der Nutzer?)
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Pain Points
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Opportunities
Journey Maps dienen nicht nur UX Designerinnen, sondern auch Produktmanagern, Marketerinnen und Service-Teams.
Warum ist Customer Journey Mapping wichtig?
Eine gute Journey Map hilft dir:
1. Nutzerverhalten ganzheitlich zu analysieren
Nicht nur die UI zählt — sondern der gesamte Weg, inklusive Kontext, Motivation und Erwartungen.
2. Pain Points klar zu identifizieren
Fehlende Informationen, zu viele Schritte, technische Probleme oder verwirrende Navigation werden sichtbar.
3. Fehlende oder schlechte Touchpoints aufzudecken
Du erkennst, wo Nutzer abspringen oder frustriert sind.
4. Team-Alignment herzustellen
Design, Produkt, Marketing und Support arbeiten mit einem gemeinsamen Bild.
5. Prioritäten und Roadmaps besser zu begründen
Jede Optimierung wird anhand der Journey argumentiert — ideal für Stakeholder.
Die zentralen Elemente einer Customer Journey Map
Eine hochwertige Journey Map enthält:
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Persona / Zielnutzer
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Ziel der Journey
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Journey-Phasen
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Tasks / Aktionen der Nutzer
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Touchpoints
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Emotionen & Gedanken
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Pain Points
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Opportunities / Lösungsideen
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KPIs (optional)
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Verantwortlichkeiten im Team (optional)
Customer Journey Mapping: Schritt-für-Schritt für UX Designer
Schritt 1 — Ziel & Kontext definieren
Bevor du eine Journey Map erstellst, kläre:
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Welche Persona betrachten wir?
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Welche Journey soll gemappt werden? (z. B. Account-Erstellung, Kaufprozess, Onboarding, Kündigung)
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Was ist das Ziel der Map? (z. B. Conversion erhöhen, Support-Belastung reduzieren)
Eine zu breite Journey führt zu Chaos — fokussiere immer auf ein klar definiertes Szenario.
Schritt 2 — Nutzerforschung durchführen
Eine Journey Map ist nur so gut wie die Daten, die sie stützen.
Kombiniere:
Qualitative Daten
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Tiefeninterviews
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Kontext-Research
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Usability-Tests
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Customer Support Insights
Quantitative Daten
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Analytics
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Funnel-Metriken
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Heatmaps
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Umfragen
Stelle Fragen wie:
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„Wie haben Sie uns gefunden?“
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„Was wollten Sie als Nächstes tun?“
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„Gab es Momente der Verwirrung oder Frustration?“
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„Was hat Sie weitergebracht?“
Schritt 3 — Touchpoints identifizieren
Erstelle eine Liste aller relevanten Kontaktpunkte:
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Website
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Social Media
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E-Mail
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Werbeanzeigen
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App
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Payment-Prozess
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Landing Pages
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Kundenservice
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Offline-Touchpoints (wenn relevant)
Hier passiert oft die erste Überraschung: Teams denken, Nutzer starten im Produkt — tun sie aber selten.
Schritt 4 — Journey-Phasen definieren
Typische Phasen:
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Awareness
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Consideration
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Decision / Kauf
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Onboarding
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Nutzung
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Support
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Loyalty / Retention
Passe sie an dein Produkt an — wichtig ist, dass sie logisch und eindeutig sind.
Schritt 5 — Aktionen, Emotionen & Pain Points eintragen
Für jede Phase dokumentierst du:
Aktionen
Was macht die Nutzerin konkret?
(z. B. „Vergleicht Preise“, „Liest Bewertungen“, „Registriert sich“, „Installiert App“)
Gedanken
Welche Überlegungen hat der Nutzer?
(z. B. „Ist das sicher?“, „Ist es das wert?“)
Emotionen
z. B.
😃 Begeisterung
😐 Unsicherheit
😩 Frustration
😱 Angst vor Fehlern
Pain Points
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Lange Formulare
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Komplizierte Navigation
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Intransparente Preise
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Fehlendes Vertrauen
Opportunities
Ideen, die UX Designer*innen entwickeln können, um den Moment zu verbessern.
Dies ist der strategisch wertvollste Teil der Journey Map.
Schritt 6 — Die visuelle Journey Map erstellen
Du kannst Tools verwenden wie:
| Tool | Vorteil |
|---|---|
| Figma | Ideal für Teams, flexibel, Templates verfügbar |
| Miro | Perfekt für Workshops & Sticky-Notes |
| Notion | Gut für dokumentierte Journey Maps |
| Lucidchart / Whimsical | Gut für strukturierte Maps |
Wichtig ist, dass die Map:
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klar strukturiert
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visuell verständlich
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teamtauglich ist
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regelmäßig aktualisiert wird
Schritt 7 — Lösungen & Prioritäten ableiten
Die Journey Map ist kein Poster, sondern ein strategisches Werkzeug.
Erstelle:
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UX-Verbesserungen (Interface, Flows, Content)
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Produktideen
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Nutzertests
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Backlog-Prioritäten
Nutze eine Impact/Priority-Matrix:
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High Impact + Low Effort → sofort umsetzen
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High Impact + High Effort → Roadmap
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Low Impact → evtl. ignorieren
Schritt 8 — Journey Map im Team einsetzen
So stellst du sicher, dass die Map genutzt wird:
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Verwende sie bei Design-Reviews
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Ergänze User Stories („Als Anna möchte ich…“)
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Nutze sie bei Priorisierungen
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Verbinde sie mit KPIs
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Aktualisiere sie mindestens jedes halbe Jahr
Eine Journey Map ist am effektivsten, wenn sie ständig sichtbar und lebendig ist.
Beispiel: Customer Journey Map (Kurzversion)
Für die Persona Anna, eine Projektmanagerin:
| Phase | Aktion | Emotion | Pain Points | Opportunity |
|---|---|---|---|---|
| Awareness | Googelt nach „Projektmanagement Tool“ | 😐 neugierig | Unübersichtliche Infos | Vergleichsseite vereinfachen |
| Consideration | Liest Bewertungen | 😕 unsicher | Zu viele Optionen | Kurze, klare Value Proposition |
| Kauf | Testet Free Trial | 🙂 positiv | Lange Registrierung | Registrierung verkürzen |
| Onboarding | Erstes Projekt anlegen | 😩 überfordert | Komplexe UI | Guided Onboarding |
| Nutzung | Aufgaben verwalten | 😃 zufrieden | Langsame Ladezeiten | Performance verbessern |
Wenn du möchtest, kann ich dir die komplette Version in visueller Journey Map bauen.
Häufige Fehler beim Customer Journey Mapping
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Keine Forschung – nur Annahmen
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Zu komplexe Maps (100+ Steps)
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Zu viele Personas gleichzeitig
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Journey Map wird nach dem Workshop ignoriert
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Touchpoints und Emotionen fehlen
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Nicht am echten Verhalten orientiert (z. B. idealisierte Journeys)
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Keine Priorisierung der Erkenntnisse
Customer Journey Mapping – Best Practices für UX Designer
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Beginne immer mit einer klaren Persona.
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Halte die Journey Map einfach genug, um nutzbar zu sein.
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Visualisiere Emotionen immer mit Icons/Color Codes.
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Validiere regelmäßig mit echten Nutzern.
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Baue die Map gemeinsam mit Stakeholdern – nicht allein.
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Leite konkrete UX-Optimierungen daraus ab.
Fazit
Customer Journey Mapping ist eine der wirkungsvollsten Methoden für UX Designer, um Nutzererlebnisse ganzheitlich zu verstehen und strategische Designentscheidungen zu treffen. Eine gute Journey Map visualisiert alle Emotionen, Touchpoints, Pain Points und Chancen — und schafft ein mächtiges Werkzeug zur Optimierung von Produkten, Onboarding, Conversion und Kundenzufriedenheit.












