Default-Only vs. Full Table vom ISP: Kapazität, Risiken und Nutzen

Bei der Anbindung an Internet-Service-Provider (ISP) stellt sich für Enterprise-Netzwerke häufig die Frage: Soll man nur eine Default-Route (Default-Only) erhalten oder die vollständige Routing-Tabelle (Full Table) vom ISP importieren? Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile, die Kapazität, Komplexität und Sicherheit betreffen. In diesem Artikel werden die Entscheidungsfaktoren, Risiken und praktischen Nutzen detailliert erläutert.

Default-Only Routing

Bei Default-Only Routing erhält der Kunde lediglich eine einzige Route, die alle unbekannten Ziele ins Internet lenkt. Dies reduziert den Verwaltungsaufwand und die Routing-Tabelle auf dem Edge-Router bleibt minimal.

Einsatzfälle

  • Kleine bis mittlere Unternehmen mit begrenzten Netzwerkressourcen
  • Szenarien, in denen Inbound-Traffic über dynamische NAT/Firewall gesteuert wird
  • Wenn der ISP als primärer Transitprovider fungiert und alle anderen Routen nicht benötigt werden

Vorteile

  • Geringe Anforderungen an CPU und RAM des Routers
  • Minimale Komplexität beim Routing-Management
  • Reduzierte Konvergenzzeiten im Vergleich zur Full Table

Nachteile und Risiken

  • Keine Kontrolle über Pfadpräferenzen für einzelne Ziele
  • Fehlende Resilienz bei ISP-Ausfällen ohne zusätzliches Failover-Konzept
  • Inbound-Traffic ist nur über Default-Routen erreichbar, was bei redundanten ISPs problematisch sein kann

CLI-Beispiel

router bgp 65001
  neighbor 203.0.113.1 remote-as 65002
  neighbor 203.0.113.1 default-originate

Hier erzeugt der ISP für den Kunden eine Default-Route, ohne die gesamte BGP-Table zu senden.

Full Table Routing

Beim Full Table Routing erhält der Kunde die komplette BGP-Routing-Tabelle des ISPs, die aktuell mehrere Hunderttausend Prefixes umfasst. Dies ermöglicht eine präzisere Kontrolle über Pfade, Redundanz und Traffic Engineering.

Einsatzfälle

  • Große Enterprise- oder Data-Center-Umgebungen
  • Multi-Homing mit mehreren ISPs
  • Wenn gezieltes Traffic Engineering, Präferenzen und Failover benötigt werden

Vorteile

  • Feingranulare Kontrolle über Pfade und Next-Hops
  • Möglichkeit zur Nutzung von BGP-Policies wie Local Pref, MED oder AS-Path Prepend
  • Redundanz und schnelle Failover zwischen mehreren ISPs

Nachteile und Risiken

  • Hohe Anforderungen an Router-Ressourcen (RAM, CPU, TCAM)
  • Komplexes Policy-Management notwendig
  • Längere BGP-Convergence-Zeiten bei Änderungen oder Flaps
  • Fehlerhafte Filter oder unkoordinierte Policies können Routing-Loops oder Blackholes erzeugen

CLI-Beispiel

router bgp 65001
  neighbor 198.51.100.1 remote-as 65002
  neighbor 198.51.100.1 ebgp-multihop 2
  neighbor 198.51.100.1 route-map IMPORT in
  neighbor 198.51.100.1 route-map EXPORT out

Hier empfängt der Router die volle BGP-Table und kann mittels Route-Maps gezielt Präfixe filtern oder modifizieren.

Kapazitäts- und Ressourcenbetrachtung

Full Table benötigt signifikant mehr Router-Ressourcen:

  • RAM: Speicherung der BGP-Routes (aktuell >900.000 IPv4- und IPv6-Prefixes)
  • CPU: Berechnung der RIB und FIB
  • TCAM: Hardware-basierte Forwarding-Engine muss große Anzahl von Prefixes abbilden

Default-Only reduziert diese Belastung erheblich, ist jedoch nur für einfache oder kleine Deployments sinnvoll.

Risikoanalyse

  • Default-Only: Single Point of Failure beim ISP, eingeschränkte Kontrolle
  • Full Table: Potentielle Instabilität bei Flaps, hohes Management- und Monitoring-Requirement
  • Unkoordiniertes Filter-Design kann bei beiden Modi zu Blackholes führen
  • Mehrere Upstreams erhöhen Komplexität deutlich, besonders bei Full Table

Best Practices

  • Für kleine bis mittlere Büros: Default-Only mit klar definiertem Failover über IP SLA oder Floating Static Routes
  • Für größere Multi-Homing-Umgebungen: Full Table mit dokumentierten Policies, Route-Maps, Prefix-Lists und Monitoring
  • Testumgebungen nutzen, um Convergence-Zeiten und Resource Load zu prüfen
  • Redundanzstrategien implementieren, unabhängig vom Routing-Modell
  • Regelmäßige Audits der Routing-Tabelle und Policies durchführen

Zusammenfassung

Die Wahl zwischen Default-Only und Full Table hängt von Unternehmensgröße, vorhandener Infrastruktur, Redundanzanforderungen und Traffic Engineering ab. Default-Only minimiert Komplexität und Ressourcenbedarf, während Full Table maximale Kontrolle und Flexibilität bietet, jedoch Management-Overhead und Risiken erhöht. Eine fundierte Entscheidung erfordert Abwägung von Kapazität, Stabilität und Betriebskosten, kombiniert mit einem klaren Failover- und Monitoring-Konzept.

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