ESP32 DevKit V1 vs. Lolin32: Welches Board für welches Projekt?

Der Vergleich ESP32 DevKit V1 vs. Lolin32 ist für viele Projekte entscheidender, als es auf den ersten Blick wirkt. Beide Boards basieren zwar auf dem klassischen ESP32 (meist ESP-WROOM-32) und lassen sich in der Arduino IDE oder mit ESP-IDF ähnlich programmieren, doch in der Praxis unterscheiden sie sich bei Pin-Layout, Stromversorgung, USB-Seriell-Chip, Bauform und „Alltagskomfort“. Genau diese Details entscheiden darüber, ob ein Aufbau auf dem Breadboard sauber passt, ob ein Sensor-Stack ohne Konflikte läuft, ob ein Projekt zuverlässig aus einem Akku betrieben werden kann oder ob Sie bei der Fehlersuche in endlosen Reset-Schleifen landen. Während das ESP32 DevKit V1 häufig als günstiger, universeller Einstieg gilt und je nach Version mit 30 oder 38 Pins angeboten wird, ist das Lolin32 (WEMOS/LOLIN) eher auf kompakte, portable Anwendungen ausgelegt und wird häufig mit USB-UART-Varianten wie CP2104 oder CH340C sowie mit Akku-Anschluss und Ladeelektronik vermarktet. In diesem Artikel lernen Sie, welche Unterschiede wirklich zählen, wie Sie typische Fallstricke vermeiden und welches Board sich für welche Projekttypen 2026 am besten eignet.

Table of Contents

Grundlagen: Was beide Boards gemeinsam haben

Sowohl das ESP32 DevKit V1 als auch das Lolin32 sind klassische ESP32-Entwicklungsboards, die in vielen Fällen auf dem ESP-WROOM-32-Modul basieren. Das bedeutet: Dual-Core Xtensa (je nach Konfiguration 160/240 MHz), WLAN (2,4 GHz) und Bluetooth sind grundsätzlich verfügbar, ebenso die typischen ESP32-Peripherien wie UART, SPI, I²C, PWM, ADC und Touch-Pins. Für Einsteiger ist das wichtig: Sie müssen nicht „neu lernen“, nur weil Sie das Board wechseln – die grundlegenden Konzepte bleiben gleich.

  • Gleiche Programmierlogik: Arduino-ESP32 oder ESP-IDF funktionieren für beide Boardfamilien.
  • Ähnliche Funkfähigkeit: Wi-Fi und Bluetooth sind beim klassischen ESP32 üblich.
  • Typische IoT-Anwendungen: Sensorik, Webserver, MQTT, Relaissteuerung, BLE-Provisioning.

Wenn Sie eine stabile Basis für Arduino suchen, ist die offizielle Arduino-ESP32-Dokumentation ein guter Referenzpunkt: Arduino-ESP32 Installation und die Projektübersicht: Arduino core for ESP32 family.

Der entscheidende Praxisunterschied: Board-Familie vs. „DevKit“-Begriff

Ein wichtiger Punkt, der viele Vergleiche verwässert: „ESP32 DevKit V1“ ist im Handel oft kein einheitliches Produkt, sondern eine verbreitete Board-Klasse (häufig DOIT/NodeMCU-Style) mit mehreren Varianten. Es gibt z. B. DevKit-V1-Boards mit 30 Pins und auch größere Ausführungen mit 38 Pins (mehr herausgeführte GPIOs und oft „komfortabler“ für komplexere Verdrahtung). Händlerbeschreibungen heben diese Varianten teils explizit hervor, etwa beim Hinweis auf 30-Pin-Bauweise und CP2102: ESP32 DevKit V1 (30-Pin) mit CP2102 oder die 38-Pin-Variante: ESP32 Dev Kit C/NodeMCU-Style (38 Pins).

Das Lolin32 hingegen ist stärker als konkrete Boardserie positioniert. Typische Eigenschaften sind kompakte Bauform und – je nach Modell (Lolin32, Lolin32 Lite) – Akku-Anschluss und Ladeelektronik. In Händlerlisten wird z. B. oft ein CP2104 USB-to-Serial und 4 MB Flash genannt: Wemos LOLIN32 mit CP2104.

Bauform und Breadboard-Tauglichkeit: Wenn Millimeter über Frust entscheiden

Für viele Einsteiger ist Breadboard-Kompatibilität ein unterschätztes Kriterium. Ein Board, das zu breit ist oder Pins ungünstig verteilt, blockiert schnell benachbarte Reihen oder macht die Verdrahtung unübersichtlich. Hier sind die Unterschiede in der Praxis oft größer als in Datenblättern.

ESP32 DevKit V1: Breiter, aber oft mehr Pins verfügbar

DevKit-V1-Boards sind häufig so gestaltet, dass sie gut auf Steckbrettern funktionieren, aber je nach Pinanzahl mehr Fläche beanspruchen. Gerade 38-Pin-Versionen führen mehr I/O heraus, was für Projekte mit Displays, mehreren Sensoren und Aktoren sehr hilfreich ist. Viele Pinout-Übersichten (z. B. für DOIT DevKit V1) zeigen die umfangreiche Herausführung der Schnittstellen: DOIT ESP32 DevKit V1 Pinout-Referenz.

Lolin32: Kompakt und portabel orientiert

Das Lolin32 wird häufig als kompaktes Board für portable Anwendungen genutzt. Je nach Modell werden ausgewählte GPIOs herausgeführt, wodurch das Board kleiner bleibt und sich gut in Gehäusen oder mobilen Projekten unterbringen lässt. Eine Übersicht mit Pinout und Specs findet sich z. B. hier: WEMOS LOLIN32 Details, Pinout, Specs.

USB-Seriell-Chip und Treiber: Kleine Komponente, große Wirkung

Ob ein Board „problemlos“ erkannt wird, hängt stark vom USB-UART-Chip ab. In der Praxis sind CP2102/CP2104 und CH340-Familie verbreitet. Unterschiede betreffen vor allem Treiberinstallation, Kompatibilität und Stabilität bei hohen Upload-Raten.

DevKit V1: häufig CP2102 (variiert je nach Hersteller)

Bei vielen 30-Pin-DevKit-V1-Angeboten wird ausdrücklich der CP2102 genannt: ESP32 DevKit V1 30-Pin mit CP2102. Das ist in der Regel ein unkomplizierter Chip, der auf vielen Systemen gut unterstützt wird.

Lolin32: häufig CP2104 oder CH340 (je nach Modell)

Beim Lolin32 wird in Produktbeschreibungen häufig der CP2104 erwähnt: LOLIN32 mit CP2104. Beim Lolin32 Lite wird in der Zephyr-Boarddokumentation wiederum ein CH340C als USB-to-Serial genannt, zusammen mit Akku-Ladeelektronik: LOLIN32 Lite (CH340C, Charger, GPIO-Infos).

  • Wenn Sie oft an verschiedenen PCs arbeiten: CP210x ist häufig stressfreier, weil Treiber in vielen Setups stabil laufen.
  • Wenn Sie sehr günstige Boards einsetzen: CH340 ist verbreitet, kann aber je nach System Treiberarbeit erfordern.
  • Wenn Uploads „zufällig“ scheitern: USB-Kabelqualität und Stromversorgung sind mindestens so relevant wie der Chip.

Stromversorgung und Portable-Projekte: Der Akku-Faktor

Hier trennt sich die Wahl häufig sehr klar. Das ESP32 DevKit V1 ist typischerweise auf Entwicklung am USB-Port ausgelegt: schnell, pragmatisch, gut für Labor- und Bastelaufbauten. Das Lolin32 (und besonders Lolin32 Lite) wird dagegen häufig mit Blick auf portable Anwendungen vermarktet, inklusive Akkuanschluss und Ladefunktion – je nach Modell und Revision.

Lolin32: Akkuanschluss und Ladeschaltung als Vorteil (modellabhängig)

Mehrere Lolin32-Varianten werden mit einem Batterieanschluss genannt. Eine ausführliche Pinout-/Specs-Seite erwähnt einen Anschluss für 3,7-V-Batterien: LOLIN32 Pinout & Specs (inkl. Battery Connector). Für Lolin32 Lite beschreibt die Zephyr-Dokumentation explizit einen PH-2 Battery Connector und ein Lade-IC (TP4054): LOLIN32 Lite: Battery Connector & Charging IC.

  • Ideal für: mobile Sensoren, tragbare Logger, batteriebetriebene BLE/Wi-Fi-Knoten, Prototypen mit Gehäuse.
  • Wichtig: Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Ihr konkretes Lolin32-Modell wirklich Ladeelektronik enthält oder „nur“ einen Akkuanschluss.

DevKit V1: robust für USB- und 5V-Versorgung, weniger „mobil“ out of the box

DevKit-V1-Boards sind oft sehr unkompliziert für den Betrieb über USB und 5V-Pins, aber nicht automatisch für Akku-Projekte optimiert. Wenn Sie Akku und Ladefunktion benötigen, müssen Sie beim DevKit V1 meist zusätzliche Module (Lader, Schutzschaltung, Step-Down/LDO) einplanen. Dafür ist das Setup flexibel: Sie wählen selbst die passende Power-Architektur, statt sich an die Boardlösung zu binden.

GPIO-Verfügbarkeit und Pin-Strategie: Mehr Pins vs. gezielte Auswahl

Viele Projekte starten klein und wachsen: erst ein Sensor, dann ein Display, dann ein Relais, später OTA-Updates und zusätzliche Status-LEDs. Genau hier sind zusätzliche herausgeführte Pins ein echter Vorteil. Die 38-Pin-DevKit-Varianten werden häufig damit beworben, „mehr Funktionen“ anzubieten als 30-Pin-Boards: 38-Pin-Boardbeschreibung (mehr Funktionen als 30-Pin).

Wann die höhere Pinanzahl des DevKit V1 spürbar hilft

  • Displays und Touch: SPI-Displays plus Touchcontroller plus SD-Karte brauchen schnell mehrere Leitungen.
  • Mehrere Bussysteme: I²C für Sensorik, UART für GPS/Modem, SPI für Speicher gleichzeitig.
  • Prototyping mit Messklemmen: Mehr Header-Pins erleichtern das Anlegen und Umstecken.

Wann die gezielte Pin-Auswahl des Lolin32 sinnvoller ist

  • Kompakte Geräte: Wenn Sie nur wenige Sensoren/Aktoren nutzen, ist eine reduzierte Pinzahl kein Nachteil.
  • Gehäuse-Projekte: Kleine Boards lassen sich einfacher mechanisch integrieren.
  • Portable Strompfade: Wenn Akkuanschluss und Ladeoption wichtig sind, ist Lolin32 oft praktischer.

Für eine schnelle Pinout-Orientierung sind diese Referenzen hilfreich: DevKit V1 Pinout und LOLIN32 Pinout/Specs.

Qualität, Konsistenz und Klone: Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Bei beiden Boardtypen gibt es originale Designs und zahlreiche Varianten. Das ist im Maker-Bereich normal, führt aber zu Unterschieden bei Spannungsreglern, USB-UART-Chips, Lötqualität und Pin-Beschriftung. Besonders beim „DevKit V1“-Label ist die Streuung groß, weil viele Hersteller diesen Namen verwenden. Beim Lolin32 ist die Modellbezeichnung oft klarer, dennoch sollten Sie die konkrete Version prüfen (z. B. Lolin32 vs. Lolin32 Lite).

  • USB-UART-Chip prüfen: CP2102/CP2104 vs. CH340 hat Einfluss auf Treiber und Stabilität.
  • Flash-Größe: Häufig 4 MB, aber nicht garantiert; Händler nennen sie teils explizit, z. B. für LOLIN32: LOLIN32 Spezifikationen (4 MB, CP2104).
  • Pinout-Dokumentation: Gute Pinout-Grafiken sparen Zeit und reduzieren Fehlverdrahtung.
  • Regler und Stromversorgung: Billige Regler führen häufiger zu Resets bei WLAN-Peaks.

Typische Projektszenarien und die passende Boardwahl

Statt abstrakter Spezifikationen hilft eine projektorientierte Entscheidung. Die folgenden Szenarien sind bewusst praxisnah und decken typische Anwendungsfälle ab.

IoT-Prototyping am Schreibtisch (Sensorik, MQTT, Webserver, Experimente)

  • Empfehlung: ESP32 DevKit V1 (idealerweise die Variante mit mehr Pins, wenn Sie viel ausprobieren).
  • Warum: Mehr herausgeführte GPIOs, häufig unkomplizierte USB-Versorgung, breites „Standard“-Ökosystem an Beispielen.
  • Wenn Sie viele Module anschließen: 38-Pin-Boards bieten spürbar mehr Spielraum: 38-Pin-Variante (mehr Funktionen).

Portable Projekte (Akku, mobile Sensoren, Logger, Wearables im weiteren Sinn)

  • Empfehlung: Lolin32 (oder Lolin32 Lite, wenn Lade-Feature explizit benötigt wird).
  • Warum: Akkuanschluss und je nach Modell Ladeelektronik; kompakteres Layout erleichtert Gehäuseintegration.
  • Referenzen: Akku-Hinweise bei LOLIN32: LOLIN32 Specs (Battery Connector) sowie Lade-Details beim Lolin32 Lite: LOLIN32 Lite Charger & Battery.

Projekte mit vielen I/Os (Display, SD, mehrere Sensoren, Relaisbänke)

  • Empfehlung: ESP32 DevKit V1 (möglichst mit 38 Pins).
  • Warum: Mehr verfügbare Header-Pins reduziert Konflikte, vereinfacht Verdrahtung und spätere Erweiterungen.

Lehr- und Lernprojekte (Workshops, Kursbetrieb, schnelle Inbetriebnahme)

  • Empfehlung: Das Board, das in Ihrer Umgebung am zuverlässigsten als COM-/tty-Port erkannt wird.
  • Hinweis: Bei DevKit-V1-Angeboten wird häufig CP2102 genannt: DevKit V1 mit CP2102. Bei LOLIN32 ist oft CP2104: LOLIN32 mit CP2104.
  • Praxisnutzen: Weniger Treiberprobleme bedeutet mehr Zeit für Inhalt statt Troubleshooting.

Fehlersuche und typische Stolpersteine bei beiden Boards

Viele „Board-Probleme“ sind in Wirklichkeit Versorgungs- oder Pin-Konflikte. Das gilt besonders, wenn Sie Relais, Motoren oder lange Leitungen verwenden. Unabhängig vom Board helfen diese Punkte, instabile Setups zu vermeiden:

  • USB-Kabelqualität: Dünne oder lange Kabel verursachen Spannungseinbrüche und Resets.
  • WLAN-Peaks: Bei Reset-Schleifen unter Funklast zusätzliche Pufferung (Kondensator) und bessere 5V-Quelle prüfen.
  • Boot-Strapping-Pins: Manche GPIOs beeinflussen den Bootvorgang; ungünstige Beschaltung führt zu „Boot Fail“.
  • GPIO-Nutzung am richtigen Pinout: Board-Layouts unterscheiden sich; verlassen Sie sich auf das passende Pinout Ihrer Revision.

Wenn Sie sich generell an offiziellen Boardguides orientieren möchten, ist Espressifs DevKitC-Dokumentation ein solides Beispiel für strukturierte Hardware-Referenzen: ESP32-DevKitC User Guide (Espressif).

Entscheidungshilfe als kompakte Auswahlmatrix

Diese Matrix ist kein Ersatz für Spezifikationen, aber eine zuverlässige Praxisorientierung. Je mehr Punkte pro Spalte passen, desto wahrscheinlicher ist die richtige Wahl.

  • Sie möchten maximale Pin-Flexibilität und viel Prototyping: eher ESP32 DevKit V1 (besonders 38-Pin-Varianten).
  • Sie planen Akku-Betrieb oder ein portables Gehäuseprojekt: eher Lolin32/Lolin32 Lite (Akkupfad prüfen).
  • Sie wollen „einfach nur loslegen“ und haben häufig CP210x-Treiber stabil: beide geeignet, aber auf den USB-UART-Chip achten (CP2102/CP2104).
  • Sie benötigen eine dokumentierte, reproduzierbare Hardwarebasis: Orientierung an Espressif-Referenzboards kann Vorteile bringen, z. B. über den ESP32-DevKitC Hardware-Überblick.
  • Sie erwarten viele Klon-Varianten am Markt und wollen Überraschungen vermeiden: Lolin32 ist oft „modellklarer“, DevKit V1 ist stärker streuend.

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