Das User Interface (UI) einer Mobile App ist der erste und wichtigste Kontaktpunkt zwischen App und Nutzer. Ein schlechtes UI führt zu Verwirrung, Frustration und Abbruch, während ein gutes UI die Nutzer bindet, Vertrauen schafft und die Conversion steigert. Leider werden immer noch viele klassische Fehler gemacht – von überladenen Layouts bis zu schlechter Navigation.
In diesem Leitfaden erfährst du, welche UI-Fehler du unbedingt vermeiden solltest, warum sie problematisch sind und wie du sie korrekt löst.
1. Überladene Benutzeroberflächen
Problem
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Zu viele Buttons, Banner oder Elemente auf einem Screen
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Nutzer fühlen sich überfordert, wichtige Inhalte gehen unter
Lösung
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Minimalistisches Design: Fokus auf Kernfunktionen
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Weißraum gezielt einsetzen
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Priorisiere Informationen nach Wichtigkeit
Praxisbeispiel: Eine Banking-App zeigt nur Kontostand, Transaktionen und Hauptaktionen auf dem Startscreen – zusätzliche Features kommen in Untermenüs.
2. Schlechte Navigation
Problem
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Unklare Icons, verwirrende Menüs
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Nutzer wissen nicht, wo sie sich befinden oder wie sie zurückkommen
Lösung
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Intuitive Navigation: Bottom Navigation Bars für Hauptaktionen
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Klare Icons + Labels
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Einheitliche Strukturen auf allen Screens
Praxisbeispiel: E-Commerce-Apps nutzen Bottom Navigation für Home, Suche, Warenkorb, Profil – alles direkt erreichbar.
3. Inkonsistente UI-Elemente
Problem
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Unterschiedliche Buttons, Schriftgrößen oder Farben auf verschiedenen Screens
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Nutzer müssen sich jedes Mal neu orientieren
Lösung
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Einheitliche Design-Systeme oder Styleguides
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Wiederverwendbare Komponenten (Buttons, Cards, Input-Felder)
Praxisbeispiel: Einheitliche Farbpalette für Primär-Buttons und konsistente Typografie über alle Screens hinweg.
4. Schlechte Lesbarkeit
Problem
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Text zu klein oder schlechter Kontrast
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Schwer verständliche Fonts oder zu viele Schriftarten
Lösung
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Mindestschriftgröße 16px für Body-Text
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Kontraste >4,5:1 zwischen Text und Hintergrund
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Maximal 2–3 Schriftarten pro App
Praxisbeispiel: Dark Mode optimieren: Hellgrauer Text auf dunklem Hintergrund statt reines Weiß, um Blendung zu vermeiden.
5. Fehlendes Feedback bei Interaktionen
Problem
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Buttons reagieren nicht sichtbar auf Klick
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Nutzer wissen nicht, ob Aktion erfolgreich war
Lösung
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Microinteractions: Farbwechsel, Häkchen, kurze Animationen
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Ladeindikatoren bei Aktionen oder Netzwerkverbindungen
Praxisbeispiel: Swipe-to-Refresh Animationen in Social Media Apps zeigen direkt, dass Inhalte geladen werden.
6. Lange Ladezeiten & Performance-Probleme
Problem
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Langsame App führt zu Frustration
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Hohe Abbruchrate bei Start oder beim Laden von Inhalten
Lösung
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Assets optimieren, Lazy Loading, Caching
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Animationen performant gestalten, keine Heavy-Libraries ohne Nutzen
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Progress Indicators für längere Ladezeiten
Praxisbeispiel: E-Commerce-Apps zeigen Skeleton-Loading für Produktlisten, während Inhalte geladen werden.
7. Unklare Hierarchie & Informationsarchitektur
Problem
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Nutzer wissen nicht, welche Inhalte oder Aktionen Priorität haben
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Wichtige Features gehen unter
Lösung
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Visuelle Hierarchie durch Farben, Größe, Abstände
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Kernfunktionen prominent darstellen, sekundäre Funktionen in Menüs auslagern
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Storytelling durch UI: Flow leitet Nutzer logisch durch die App
Praxisbeispiel: Fitness-Apps zeigen tägliche Aufgaben oder Trainings direkt auf dem Dashboard, Fortschrittsanzeige oben.
8. Zu komplexe Gesten & Interaktionen
Problem
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Swipe, Drag & Drop, Multi-Touch Gesten, die nicht offensichtlich sind
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Nutzer entdecken Funktionen nicht
Lösung
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Gesten nur dort einsetzen, wo sie intuitiv sind
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Tooltips oder kurze Hinweise einblenden
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Alternative Bedienung über Buttons anbieten
Praxisbeispiel: Swipe-Gesten zum Löschen von Tasks in To-Do-Apps – mit zusätzlichem Button als Backup.
9. Vernachlässigte Barrierefreiheit
Problem
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App ist für Menschen mit Seh- oder Bewegungseinschränkungen schwer nutzbar
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Exklusion von Zielgruppen, schlechte Reviews
Lösung
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Kontrastreich, skalierbare Schriftgrößen
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Screenreader-Unterstützung
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Touch-Ziele mindestens 48px
Praxisbeispiel: Banking-Apps bieten VoiceOver-Kompatibilität und anpassbare Schriftgrößen.
10. Schlechte Onboarding-Erfahrung
Problem
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Nutzer verstehen nicht sofort, wie App funktioniert
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Zu viele Screens, lange Tutorials, Pflichtregistrierung
Lösung
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Kurzes, optionales Onboarding
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Fokus auf Kernfunktionen und Wert der App
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Progressive Disclosure: Komplexere Features nach und nach zeigen
Praxisbeispiel: Fitness-Apps fragen zuerst nur nach Trainingsziel, weitere Einstellungen können später angepasst werden.
11. Farben & Kontraste falsch eingesetzt
Problem
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Zu grelle Farben, schlechte Lesbarkeit im Dark Mode
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Farbpsychologie nicht berücksichtigt
Lösung
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Farbpalette auf Kontrast und Harmonie prüfen
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Dark Mode optimieren: sanfte Grautöne, keine reinen Schwarz-Weiß-Flächen
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Markenfarben gezielt einsetzen, nicht überstrapazieren
12. Übermäßige Push-Benachrichtigungen
Problem
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Nutzer fühlen sich belästigt, deinstallieren App
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Unnötige Interruptions mindern UX
Lösung
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Relevante und personalisierte Benachrichtigungen
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Opt-In anbieten
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Frequenz kontrollieren
Praxisbeispiel: Shopping-Apps schicken nur Angebote oder Updates basierend auf Nutzerinteressen.
13. Fehlender Dark Mode
Problem
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Nutzer wünschen Dark Mode, App zwingt Light Mode
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Gerade abends oder auf OLED-Displays störend
Lösung
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Dark Mode als Option oder automatische Erkennung
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Farben, Schatten und Typografie speziell anpassen
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Test auf unterschiedlichen Geräten
14. Vernachlässigte Microinteractions
Problem
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Keine Rückmeldung bei Klick, Swipe, Pull-to-Refresh
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App wirkt starr, wenig lebendig
Lösung
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Microinteractions einsetzen: kleine Animationen, Farbänderungen, Feedback
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Nutzer emotional einbinden
Praxisbeispiel: Like-Button in Social Media Apps animiert Herz oder Symbol, Nutzer wissen sofort, dass Aktion erfolgreich war.
15. Ignorieren von User Feedback
Problem
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Nutzerbeschwerden oder Bewertungen werden nicht berücksichtigt
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App verbessert sich nicht, Nutzerbindung sinkt
Lösung
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Feedback sammeln und in Design-Iteration einbeziehen
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Analysen, Heatmaps, Usability-Tests nutzen
16. Fazit: Erfolgreiches Mobile App UI gestalten
Ein gutes Mobile UI:
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ist klar, übersichtlich und konsistent
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bietet schnelle, intuitive Interaktionen
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reagiert mit Feedback und Microinteractions
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berücksichtigt Barrierefreiheit und Dark Mode
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testet kontinuierlich Performance und Nutzerverhalten
Merke: Wer diese klassischen Fehler vermeidet, schafft Apps, die nicht nur genutzt, sondern geliebt werden.












