Ein Fensterkontakt DIY mit einem Arduino Pro Mini ist eine elegante Lösung, wenn Sie einen unauffälligen Öffnungssensor direkt im Fensterrahmen verbauen möchten – ohne sichtbare Kästen, ohne klobige Funkkontakte und mit der Freiheit, das Verhalten exakt an Ihr System anzupassen. Gerade in Mietwohnungen oder bei hochwertigen Fenstern spielt Optik eine große Rolle: Der Sensor soll zuverlässig erkennen, ob das Fenster geöffnet oder gekippt ist, dabei möglichst wartungsarm bleiben und im Idealfall monatelang mit einer Batterie laufen. Der Pro Mini ist für solche „Embedded“-Aufgaben ideal, weil er klein, leicht und für feste Einbauten konzipiert ist (Arduino Pro Mini Guide). Die Basis eines Fensterkontakts ist meist ein Reedkontakt mit Magnet: Öffnet sich das Fenster, verändert sich das Magnetfeld, und der Kontakt schaltet. Entscheidend wird der Aufbau jedoch erst durch die Details: Welche Einbauposition ist unauffällig und gleichzeitig zuverlässig? Wie wählen Sie Magnet und Reedkontakt so, dass „Kippstellung“ nicht zu Fehlalarmen führt? Wie bauen Sie das Ganze so stromsparend, dass Sie nicht ständig Batterien wechseln? Und wie gelingt Debugging und Wartung, wenn der Pro Mini im Rahmen verschwindet? Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch die Planung, die Hardwareauswahl, den mechanischen Einbau, die Low-Power-Strategie und die Funk-/Gateway-Anbindung – mit Fokus auf eine alltagstaugliche, saubere DIY-Lösung, die im Rahmen praktisch unsichtbar bleibt.
Grundprinzip: Reedkontakt + Magnet als robuste Öffnungserkennung
Der klassische Fensterkontakt besteht aus zwei Teilen: einem Reedkontakt (im Rahmen) und einem Magneten (am beweglichen Flügel). In geschlossenem Zustand ist der Magnet nahe genug, damit der Reedkontakt schließt (oder öffnet – je nach Ausführung). Beim Öffnen entfernt sich der Magnet, und der Kontakt wechselt seinen Zustand. Reedkontakte sind für diese Aufgabe beliebt, weil sie stromlos schalten, mechanisch sehr simpel sind und bei korrekter Auswahl über Jahre zuverlässig funktionieren. Der Pro Mini liest lediglich den digitalen Zustand ein und sendet ihn an Ihr System.
- Reedkontakt (Rahmen): schaltet durch Magnetfeld, benötigt selbst keinen Strom.
- Magnet (Flügel): bestimmt Schaltabstand, Einbauposition und Toleranzen.
- Controller (Pro Mini): erkennt Zustandswechsel, steuert Funk/Logik und Energiemanagement.
Planung vor dem Bohren: Rahmenmaterial, Platz, Wartung und Legalität im Mietobjekt
Bevor Sie mit dem Einbau beginnen, lohnt sich eine kurze Bestandsaufnahme. Fensterrahmen unterscheiden sich stark: Holz, Kunststoff (PVC), Aluminium oder Verbundprofile haben unterschiedliche Wandstärken und Innenkammern. Auch Dichtungen, Stahlverstärkungen und Beschläge beeinflussen, wo Sie Bauteile verstecken können. In Mietwohnungen sollten Sie zudem berücksichtigen, dass Bohrungen und dauerhafte Änderungen am Rahmen je nach Vertrag problematisch sein können. Eine alternative Montage mit Klebepads oder in vorhandenen Hohlräumen kann hier die bessere Wahl sein.
- Rahmenprofil prüfen: Hohlräume und Verstärkungen bestimmen den verfügbaren Platz.
- Servicezugang planen: Batterie wechselbar? Programmierpads erreichbar? Sensor austauschbar?
- Feuchtigkeit und Temperatur: Kondenswasser im Rahmen ist möglich, Elektronik schützen.
- Reversibilität: bei Mietobjekten nach Möglichkeit rückbaubar konstruieren.
Hardwareauswahl: Welcher Pro Mini passt und wie klein muss es wirklich sein?
Für einen Fensterkontakt ist der Pro Mini oft „mehr als genug“ Leistung. Wichtiger als Rechenpower sind Bauhöhe, Stromverbrauch und stabile Funktion. Viele DIY-Bauer wählen die 3,3-V-Variante (8 MHz), weil sie sich gut mit Batteriebetrieb und gängigen Funkmodulen kombinieren lässt. Die 5-V-Variante (16 MHz) kann sinnvoll sein, wenn Sie bestimmte Peripherie oder Sensoren unbedingt mit 5 V betreiben müssen. Für den Pro Mini-Einstieg ist der offizielle Guide eine solide Referenz (Arduino Pro Mini Guide).
- 3,3 V Pro Mini: meist ideal für Low-Power-Fensterkontakte und Funkmodule mit 3,3 V.
- 5 V Pro Mini: eher für versorgte Installationen oder spezielle Peripherie.
- Board-Modifikationen: Power-LED entfernen und Spannungsregler umgehen kann den Ruhestrom deutlich senken (für Profis).
Funk-Anbindung: Wie der Kontakt zu Home Assistant kommt
Ein Fensterkontakt ist erst dann wirklich nützlich, wenn er seinen Zustand zuverlässig an Ihr Smart-Home-System meldet. In Home Assistant haben sich zwei Integrationsmuster bewährt: ein strukturierter Ansatz über MySensors (Funkknoten → Gateway → Home Assistant) oder ein universeller Ansatz über MQTT, bei dem ein Gateway Funkdaten in MQTT-Themen übersetzt. Beide Wege sind gut dokumentiert (MySensors-Integration, MQTT-Integration).
- MySensors: sehr passend für viele batteriebetriebene Reedkontakt-Knoten, klare Struktur, Gateway-freundlich.
- MQTT: maximal flexibel, gut wenn bereits ein Broker (z. B. Mosquitto) läuft und Sie Topics standardisieren.
- Wichtig: für Fensterkontakte ist Ereignisübertragung (Event) plus seltener Heartbeat oft optimal.
Schaltung: Reedkontakt richtig anschließen (einfach, zuverlässig, stromsparend)
Der Reedkontakt ist elektrisch unkompliziert. Für einen stabilen Zustand nutzen Sie typischerweise den internen Pull-up-Widerstand des ATmega328P: Der Pin wird als Eingang mit Pull-up konfiguriert, der Reedkontakt verbindet bei geschlossenem Zustand den Pin mit Masse. So fließt im Normalbetrieb praktisch kein Strom durch den Kontakt, und die Verdrahtung bleibt minimal. Für Hintergrund zur Pin-Konfiguration ist die Arduino-Dokumentation zur digitalen Ein-/Ausgabe hilfreich (pinMode()).
- Pin als INPUT_PULLUP: stabiler Pegel ohne externen Widerstand.
- Reedkontakt nach GND: geschlossen = LOW, offen = HIGH (je nach Logik).
- Entstörung: optional kleiner Kondensator oder Software-Debounce gegen Prellen/Schwingungen.
Warum Debounce auch bei Reedkontakten Sinn ergeben kann
Reedkontakte prellen meist weniger als mechanische Taster, aber durch Vibrationen am Fenster, Magnetbewegungen oder knappe Schaltabstände kann der Zustand kurz „flattern“. Ein kurzes Software-Debounce (z. B. 20–100 ms) oder eine Plausibilitätsprüfung (z. B. „Zustand muss zweimal identisch sein“) verhindert Fehltrigger – besonders wichtig, wenn Sie daraus Alarme oder Automationen ableiten.
Mechanischer Einbau: So wird der Pro Mini im Rahmen unauffällig
Der unauffällige Einbau ist der anspruchsvollste Teil – und zugleich der Unterschied zwischen „DIY sichtbar“ und „professionell integriert“. Ziel ist, dass weder Elektronik noch Kabel von außen sichtbar sind und die Funktion nicht durch Dichtungen, Beschläge oder Rahmenbewegungen beeinträchtigt wird. Häufig ist es am besten, den Pro Mini im Rahmenfalz oder in einem Profilhohlraum unterzubringen und den Reedkontakt nahe an die Kontaktzone zum Flügel zu setzen. Der Magnet sitzt dann im Flügel oder in einer kleinen Aussparung gegenüber.
- Position nahe Schließkante: dort ist die Relativbewegung definiert und reproduzierbar.
- Abstand definieren: Reedkontakt und Magnet so setzen, dass „geschlossen“ eindeutig ist.
- Kippstellung berücksichtigen: testen, ob bei gekipptem Fenster der Magnet zu weit weg ist (gewünscht) oder noch schaltet (ungewünscht).
- Gehäuse/Schutz: Elektronik gegen Feuchte und Abrieb kapseln (z. B. Schrumpfschlauch/vergossenes Mini-Gehäuse).
Schaltabstand in der Praxis: Toleranzen einplanen
Reedkontakte und Magnete sind keine Präzisionssysteme. Temperatur, Materialtoleranzen, Dichtungsdruck und Verwindung können den Abstand im Betrieb verändern. Planen Sie daher Reserve ein: Der Reedkontakt sollte im geschlossenen Zustand „sicher“ schalten, nicht „gerade so“. Gleichzeitig sollte er in der geöffneten oder gekippten Position sicher abfallen. Der beste Weg ist ein Prototyp-Test: Magnet und Reedkontakt zunächst mit Klebeband positionieren, alle Fensterzustände durchprobieren und erst danach dauerhaft montieren.
Strom sparen: Wake-up per Interrupt und Deep Sleep
Für einen Fensterkontakt ist die ideale Logik ereignisbasiert: Der Pro Mini schläft nahezu die ganze Zeit und wacht nur bei Zustandsänderung auf (Fenster auf/zu). Das gelingt über externe Interrupts am ATmega328P. Danach sendet der Knoten ein Funk-Event und geht wieder schlafen. Damit erreichen Sie sehr lange Laufzeiten, solange Ihr Ruhestrom niedrig ist. Eine technische Grundlage zu Sleep-Modi bietet die avr-libc-Dokumentation (avr-libc Sleep Modes).
- Interrupt-Pin nutzen: Reedkontakt an einen Interrupt-fähigen Pin (je nach Board-Pinout).
- Kurze Wachphase: Zustand lesen, debouncen, senden, optional bestätigen lassen, wieder schlafen.
- Heartbeat: seltenes Lebenszeichen (z. B. alle 12–24 Stunden) kann Diagnose erleichtern.
- Ruhestrom minimieren: Power-LED und ineffiziente Regler sind bei Batterieknoten oft der größte „Stromfresser“.
Mittleren Strom aus Duty Cycle abschätzen (MathML)
Ein Fensterkontakt ist ein typischer Duty-Cycle-Fall: kurze Aktivphasen, lange Sleep-Phasen. Der mittlere Strom
Da
Batterie und Versorgung: Welche Energiespeicher in den Rahmen passen
Die Energieversorgung muss zum Einbauort passen. Im Fensterrahmen sind flache Lösungen vorteilhaft. Häufig werden Lithium-Knopfzellen (für sehr sparsame Designs), kleine LiPo-Zellen oder AAA/AA-Halterungen genutzt, je nachdem, wie viel Platz verfügbar ist und wie oft der Kontakt funkt. Entscheidend: Funkspitzen benötigen kurzfristig Strom; eine zu „zähe“ Quelle oder zu dünne Leitungen können zu Reset oder Sendeabbrüchen führen. Planen Sie außerdem den Batteriewechsel: ein versteckter Sensor nützt wenig, wenn Sie das Fenster halb zerlegen müssen.
- Knopfzellen: nur bei sehr konsequentem Low-Power und kurzen Funkspitzen sinnvoll.
- LiPo flach: gute Energiedichte, erfordert Ladestrategie oder Wechsel; besonders kompakt.
- AAA/AA: robust und leicht zu wechseln, aber oft zu voluminös für den Rahmen.
- Spannungsregler: in Low-Power-Knoten möglichst effizient wählen oder umgehen (nur mit sauberer Planung).
Home-Assistant-Logik: Kippstellung, Verzögerungen und „unavailable“ richtig handhaben
Ein Fensterkontakt ist in Home Assistant meist ein Binary Sensor („open/closed“). In der Praxis möchten viele Nutzer mehr: Kippstellung erkennen, Alarmverzögerungen setzen, oder Automationen abhängig von Uhrzeit und Anwesenheit steuern. Mit einem einzigen Reedkontakt ist Kippstellung nur eingeschränkt zuverlässig, weil „Kipp“ je nach Fenstergeometrie mal näher, mal weiter vom Magneten sein kann. Wenn Sie Kippstellung sicher erkennen möchten, planen Sie zwei Sensorpunkte (z. B. zwei Reedkontakte oder Reed + Neigungssensor). Für die Systemseite ist die Integrationsdokumentation von Home Assistant der beste Ausgangspunkt (Integrationsübersicht).
- Ein Kontakt: zuverlässig für „offen/zu“, Kipp nur bedingt.
- Zwei Kontakte: klarere Zustände (zu / gekippt / offen) durch definierte Positionen.
- Verfügbarkeit: bei Funkknoten sinnvoll, Heartbeat oder MQTT-Availability zu nutzen (MQTT-Integration).
- Automationen: Debounce/Verzögerung im System kann Fehlalarme weiter reduzieren.
Wartung und „Werkstattfreundlichkeit“: Programmierung, Diagnose, Austausch
Der größte Unterschied zwischen einem Bastelprojekt und einer langlebigen Installation ist die Wartbarkeit. Planen Sie deshalb einen minimalen Servicezugang ein: kleine Lötpads für FTDI/Seriell oder zumindest testbare Messpunkte für GND, VCC und Signal. Eine Diagnose-LED kann hilfreich sein, sollte aber im Normalbetrieb deaktiviert bleiben, um Energie zu sparen. Für die Pro-Mini-Basics und Programmierung ohne USB ist der offizielle Guide hilfreich (Arduino Pro Mini Guide).
- Programmierpads statt Buchse: spart Platz und bleibt unauffällig.
- Modulares Design: Elektronik in kleinem „Cartridge“-Gehäuse, das im Rahmen sitzt und tauschbar ist.
- Dokumentation: Node-ID, Einbauort, Batterietyp und Datum des Einbaus notieren.
- Fallback: bei Funkproblemen vor Ort testbar (z. B. Statusblinken bei Öffnung).
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
Viele DIY-Fensterkontakte scheitern nicht an der Idee, sondern an ein paar wiederkehrenden Details. Wenn Sie diese Punkte früh berücksichtigen, steigt die Zuverlässigkeit erheblich.
- Schaltabstand zu knapp: führt zu Flattern in Grenzlagen; Reserve einplanen und testen.
- Magnet falsch ausgerichtet: Reedkontakte reagieren auf Feldlinien; Ausrichtung beeinflusst den Schaltpunkt.
- Feuchtigkeit im Rahmen: kann Korrosion verursachen; Elektronik kapseln und Leitungen schützen.
- Ruhestrom zu hoch: Power-LED/Regler ziehen dauerhaft; Low-Power-Design konsequent umsetzen.
- Funk instabil: schlechte Versorgung oder ungünstiger Gateway-Standort; Entkopplung und Standort optimieren.
Outbound-Links für zuverlässige Grundlagen und Integration
- Arduino Pro Mini Guide: Board-Varianten und Programmierung
- Arduino pinMode(): INPUT_PULLUP und Digitalpins
- avr-libc Sleep Modes: Low-Power-Sleep auf AVR
- Home Assistant Integrations: Überblick und Systemlogik
- MySensors-Integration in Home Assistant: Funkknoten-Gateway-Ansatz
- MQTT-Integration in Home Assistant: Entities, Topics und Verfügbarkeit
- MySensors: Framework für Arduino-Funkknoten
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