MPLS ist im Kern ein Forwarding-Mechanismus: Pakete werden nicht primär anhand der IP-Destination weitergeleitet, sondern anhand eines (oder mehrerer) Labels. Für den Betrieb zählt dabei nicht „MPLS ist an“, sondern ob Label-Signaling (z. B. LDP), Label-Information (LFIB) und Data-Plane-Forwarding (Push/Swap/Pop) konsistent zusammenspielen. Dieser Artikel erklärt MPLS aus Expertensicht: Wie LDP Labels verteilt, wie aus IGP-Routen Label-Bindings werden, wie die LFIB entsteht und wie du Forwarding-Pfade sauber verifizierst und troubleshootest.
Die Rollen im MPLS-Core: LSR, LER, FEC
MPLS unterscheidet zwischen Routern, die Labels nur weiterverarbeiten (LSR) und Edge-Routern, die Labels aufsetzen/entfernen (LER). Zentral ist die FEC (Forwarding Equivalence Class): eine Gruppe von Paketen, die gleich behandelt werden und deshalb dasselbe Label nutzen.
- LSR: Label Switch Router (Swap/Pop im Core)
- LER: Label Edge Router (Push am Ingress, Pop am Egress)
- FEC: „gleiche Behandlung“ → gleiches Label
Merker
FEC → Label → LFIB Entry
Label-Stack, Label-Felder und Operationen
Ein MPLS-Label ist 20 Bit groß und wird in einem „Shim Header“ transportiert. In der Praxis ist wichtig: MPLS arbeitet mit einem Label-Stack. Damit kannst du Transport- und Service-Labels kombinieren (z. B. L3VPN: Outer Transport + Inner VPN).
- Label (20 Bit): Identifikator der FEC
- EXP/TC: Traffic Class für QoS (3 Bit)
- S-Bit: Bottom of Stack
- TTL: Loop-Schutz/Trace
Forwarding-Operationen
- Push: Label aufsetzen (Ingress LER)
- Swap: Label ersetzen (Transit LSR)
- Pop: Label entfernen (Egress oder PHP)
LDP: Label Distribution Protocol als Signaling-Ebene
LDP verteilt Labels für IGP-erreichbare Prefixes. Das bedeutet: Die IP-Routing-Topologie kommt aus OSPF/IS-IS, LDP legt „nur“ das Label-Signaling darüber. In klassischen MPLS-Kernen gilt: IGP bestimmt den Pfad, LDP liefert die Labels entlang dieses Pfads.
- LDP Discovery: Nachbarn finden (Hello)
- LDP Session: TCP-Sitzung (Label Mapping Exchange)
- Label Bindings: Zuordnung Prefix/FEC → Label
Warum LDP/IGP-Kopplung kritisch ist
Wenn IGP schneller konvergiert als LDP, kann ein Link im SPF genutzt werden, obwohl Labels noch fehlen. Deshalb ist LDP/IGP Synchronization in produktiven Netzen oft Pflicht.
Control Plane Datenstrukturen: RIB, LIB, LFIB
Für Experten ist die Trennung der Tabellen essenziell. IP-Routing (RIB/FIB) und MPLS-Labeling (LIB/LFIB) sind gekoppelt, aber nicht identisch. Viele „MPLS kaputt“-Tickets sind in Wahrheit „LIB/LFIB nicht konsistent“.
- RIB: IP Routing Information Base (Routing-Tabelle, Control Plane)
- FIB: Forwarding Information Base (CEF, Data Plane)
- LIB: Label Information Base (Label Bindings aus LDP)
- LFIB: Label Forwarding Information Base (Label-Switching Forwarding)
Merker
IGP RIB + LDP LIB → LFIB
Wie aus einem Prefix ein MPLS-Forwarding-Pfad wird
Der praktische Ablauf ist immer ähnlich: Das IGP lernt ein Prefix (z. B. Loopback des PE). LDP verteilt ein Label für diese FEC. Jeder Transit-LSR baut eine LFIB-Regel: „Wenn Label X rein kommt, swap auf Label Y und sende über Interface Z“.
- Ingress LER: IP Lookup → Push Transportlabel
- Core LSR: Swap/Pop je Hop
- Egress LER: Pop → IP Lookup oder Service-Label-Verarbeitung
PHP (Penultimate Hop Popping) als Standard
In vielen Designs wird das Transportlabel am vorletzten Hop entfernt (implicit-null), damit der Egress weniger Arbeit hat. Das ist normal und kein Fehler.
Verifikation: Die wichtigsten MPLS/LDP Show-Befehle
In MPLS-Troubleshooting willst du drei Dinge beweisen: IGP Reachability, LDP Neighbor/Session, und LFIB/Forwarding-Pfade. Diese Kommandos decken das ab.
IGP/Reachability
show ip route <loopback-prefix>
show ip cef <loopback-ip> detail
LDP Discovery und Sessions
show mpls ldp discovery
show mpls ldp neighbor
show mpls ldp session
Labels und Forwarding
show mpls ldp bindings
show mpls forwarding-table
show mpls interfaces
LFIB lesen: Swap/Pop/Push sichtbar machen
Die MPLS Forwarding Table zeigt dir den tatsächlichen Label-Forwarding-Plan. Du suchst nach: In-Label, Operation (Swap/Pop), Out-Label, Out-Interface und Next-Hop.
Typische Muster
- Transit: InLabel → Swap → OutLabel
- Penultimate Hop: InLabel → Pop Label
- Ingress: kein InLabel (IP) → Push → OutLabel
LFIB Beispielcheck
show mpls forwarding-table | include Pop|Swap
Forwarding-Pfade testen: MPLS Traceroute
Für Pfadverifikation ist MPLS-aware Traceroute hilfreich. Damit siehst du, ob Labels entlang des erwarteten Pfads verarbeitet werden. Je nach Konfiguration (TTL propagation) kann die Sicht variieren.
traceroute mpls ipv4 <dst-loopback>
Typische Fehlerbilder und Root Causes
Die meisten MPLS-Probleme lassen sich auf wenige Ursachen zurückführen: LDP Sessions fehlen, Label-Bindings fehlen, LFIB ist inkonsistent oder MTU/Forwarding bricht. Diese Fehlerbilder solltest du schnell erkennen.
- LDP Neighbor fehlt: Discovery/Hello oder MPLS auf Interface fehlt
- LDP Session flapt: TCP/179? (LDP nutzt TCP), CPU/CoPP, Link-Errors
- LFIB Einträge fehlen: IGP Route fehlt oder LDP Binding fehlt
- MTU zu klein: Drops/Fragmentierung, besonders bei VPN/TE
- LDP/IGP nicht synchron: Blackholes nach Reload/Flap
LDP/IGP Synchronization: Blackholes nach Konvergenz vermeiden
In produktiven Netzen ist LDP/IGP Sync ein Guardrail: Der Link wird im IGP erst dann „voll“ genutzt, wenn LDP Labels ready sind. Das verhindert „IGP up, MPLS down“ Situationen.
Sync prüfen
show mpls ldp igp sync
Performance: CEF, Hardware-Forwarding und „Punt Paths“
MPLS muss in der Data Plane sauber hardwarebeschleunigt laufen. Wenn Pakete in Slow Path/Punt gehen, siehst du CPU-Last und Drops. Deshalb ist CEF-Status und Plattform-Telemetrie relevant.
- CEF aktiv und stabil
- Keine unerwarteten Punt/Drops in der Plattform
- QoS/Queueing korrekt, damit Control Plane nicht leidet
Checks
show ip cef
show platform hardware qfp active statistics drop
show processes cpu sorted
Quick-Runbook: MPLS/LDP Forwarding in 5 Minuten verifizieren
Diese Sequenz ist eine schnelle Profi-Prüfung: IGP ok, LDP ok, LFIB ok, Data Plane ok.
show ip route <dst-loopback>
show mpls interfaces
show mpls ldp neighbor
show mpls ldp bindings
show mpls forwarding-table
traceroute mpls ipv4 <dst-loopback>
show platform hardware qfp active statistics drop
Konfiguration speichern
Router# copy running-config startup-config
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