OSPF wählt den „besten“ Pfad anhand der Kosten (Cost). Diese Kosten leiten sich aus einer Referenzbandbreite und der Interface-Bandbreite ab. Wenn die Referenzbandbreite nicht zu modernen Links (1G/10G/100G) passt, sehen mehrere Pfade plötzlich gleich aus – und OSPF kann nicht mehr sinnvoll zwischen schnellen und sehr schnellen Links unterscheiden. Dieser Leitfaden zeigt, wie du OSPF-Cost korrekt berechnest und praxisgerecht optimierst.
Was ist OSPF Cost?
OSPF berechnet für jedes Interface eine Cost. Die Pfadkosten sind die Summe der Interface-Costs entlang des Weges. Der Pfad mit der niedrigsten Gesamtkosten gewinnt.
- Cost ist ein OSPF-internes Gewicht pro Interface
- Gesamtkosten = Summe der Costs entlang des Pfades
- Niedrigere Kosten = bevorzugter Pfad
Cost-Berechnung: Referenzbandbreite und Interface-Bandbreite
Die Standardlogik lautet: Referenzbandbreite geteilt durch Interface-Bandbreite. In Cisco IOS ist die Referenzbandbreite historisch oft 100 Mbit/s, was bei 1G/10G zu unbrauchbaren „1er Costs“ führt.
Formel (vereinfacht)
Cost = ReferenceBandwidth InterfaceBandwidth
Warum Standardwerte problematisch sind
Wenn die Referenzbandbreite zu niedrig ist, werden schnelle Links „zusammengequetscht“. Beispiel: Bei 100 Mbit/s Reference bekommen 1G und 10G oft beide Cost 1 – OSPF kann dann nicht mehr differenzieren.
- 100M Reference → 1G ≈ Cost 1
- 100M Reference → 10G ≈ Cost 1 (gerundet)
- Ergebnis: Pfadpräferenz kann zufällig/ECMP werden
Die zwei Stellschrauben: Reference Bandwidth vs. manuelle Cost
Du kannst OSPF-Cost auf zwei Wegen beeinflussen. Für konsistentes Design ist das Setzen der Referenzbandbreite in der OSPF-Instanz meist die sauberste Methode. Manuelle Costs sind sinnvoll für Sonderfälle.
auto-cost reference-bandwidth: global pro OSPF-Prozessip ospf cost: manuell pro Interface
Reference Bandwidth richtig setzen (Best Practice)
Setze die Reference Bandwidth so, dass deine schnellste relevante Linkgeschwindigkeit noch unterscheidbar bleibt. Wichtig: Dieser Wert muss im gesamten OSPF-Domain konsistent sein, sonst rechnen Router Costs unterschiedlich.
Beispiel: Reference auf 10G setzen
In Cisco IOS wird die Reference Bandwidth typischerweise in Mbit/s angegeben. Für 10G nutzt du z. B. 10000.
Router# configure terminal
Router(config)# router ospf 1
Router(config-router)# auto-cost reference-bandwidth 10000
Router(config-router)# end
Beispiel: Reference auf 100G setzen
Router# configure terminal
Router(config)# router ospf 1
Router(config-router)# auto-cost reference-bandwidth 100000
Router(config-router)# end
Wichtig: Domainweit konsistent
- Alle Router im OSPF-Domain sollten denselben Reference-Wert nutzen
- Sonst werden identische Links auf unterschiedlichen Routern unterschiedlich bewertet
Interface-Bandbreite prüfen: Grundlage für korrekte Costs
OSPF nutzt die Interface-Bandbreite (nicht zwingend die tatsächliche Linkrate). Wenn Bandwidth falsch gesetzt ist, stimmt auch die Cost nicht. Prüfe deshalb Bandwidth und Interface-Typ.
Bandbreite und OSPF-Parameter anzeigen
Router# show interfaces gigabitEthernet0/1
Router# show ip ospf interface gigabitEthernet0/1
Bandwidth anpassen (wenn erforderlich)
bandwidth ist ein logischer Wert (in kbit/s), der Routing-Metriken beeinflusst. Er sollte zur realen Kapazität/Policy passen.
Router# configure terminal
Router(config)# interface gigabitEthernet0/1
Router(config-if)# bandwidth 1000000
Router(config-if)# end
Praxisbeispiel: 1G vs. 10G sauber unterscheiden
Angenommen, du willst 10G klar bevorzugen, aber 1G als Backup behalten. Setze Reference Bandwidth auf 10000 (10G). Dann ergeben sich nachvollziehbare Costs.
Beispielhafte Cost-Werte bei Reference 10000 (Mbit/s)
- 10G (10000 Mbit/s): Cost ≈ 1
- 1G (1000 Mbit/s): Cost ≈ 10
- 100M (100 Mbit/s): Cost ≈ 100
Pfadkosten als Summe verstehen
Wenn Pfad A über zwei 1G-Links geht (10 + 10) und Pfad B über einen 10G-Link (1), gewinnt Pfad B klar.
Cost(Pfad) = Cost(Link1) + Cost(Link2)
Manuelle Cost setzen: gezielt und dokumentiert
Wenn du einzelne Links unabhängig von Bandwidth-Logik bevorzugen willst (z. B. VPN-Tunnel, Provider-Links, asymmetrische Engpässe), setzt du Cost direkt am Interface.
Cost manuell konfigurieren
Router# configure terminal
Router(config)# interface gigabitEthernet0/1
Router(config-if)# ip ospf cost 5
Router(config-if)# end
Typische Einsatzfälle für manuelle Costs
- Provider-Links mit „Bandbreite ≠ Qualität“ (Latenz/Packet Loss)
- Tunnel-Interfaces (GRE/IPsec), deren Bandwidth-Wert unzuverlässig ist
- Gezielte Pfadsteuerung ohne globale Reference-Änderung
Verifikation: Werden die Costs so genutzt wie geplant?
Nach Anpassungen prüfst du die Interface-Costs, den SPF-Pfad und die installierten Routen. Achte darauf, ob ECMP entsteht und ob das gewollt ist.
Interface-Cost prüfen
Router# show ip ospf interface brief
Router# show ip ospf interface gigabitEthernet0/1
Routen und OSPF-Metrik prüfen
Router# show ip route ospf
Router# show ip route 10.10.0.0
ECMP erkennen (falls mehrere Pfade gleich kosten)
Router# show ip route 10.10.0.0
Router# show ip cef 10.10.0.0/16
Häufige Fehler bei OSPF-Cost-Optimierung
Die häufigsten Probleme entstehen durch inkonsistente Reference-Werte, falsche Bandwidth-Angaben oder unerwartetes ECMP. Prüfe daher zuerst Konsistenz und dann die tatsächliche Pfadwahl.
- Reference Bandwidth nicht auf allen Routern identisch
- Bandwidth auf Interfaces falsch/Default (Cost wird falsch berechnet)
- Mehrere schnelle Links bekommen Cost 1 → OSPF kann nicht differenzieren
- Manuelle Cost gesetzt, aber später vergessen (Dokumentationslücke)
Schnelle Troubleshooting-Befehle
Router# show running-config | section router ospf
Router# show ip ospf interface brief
Router# show ip ospf interface gigabitEthernet0/1
Router# show ip route ospf
Best Practices: Kosten-Design sauber und wartbar halten
Ein gutes Cost-Design ist konsistent, verständlich und dokumentiert. Ziel ist, dass Pfade anhand echter Design-Intentionen gewählt werden und nicht zufällig durch Defaultwerte.
- Reference Bandwidth domainweit einheitlich setzen (z. B. 10000 oder 100000)
- Bandwidth-Werte realistisch pflegen, besonders bei WAN/Tunneln
- Manuelle Costs nur für Ausnahmen, mit klarer Dokumentation
- Nach jeder Änderung: Route, CEF und Pfad per Traceroute verifizieren
Konfiguration speichern
Wenn Pfadwahl und Costs wie gewünscht sind, speichere die Konfiguration.
Router# copy running-config startup-config
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