January 6, 2026

Personen orten mit Android: Rechtliche Tipps und technische Wege

In einer vernetzten Welt ist die Frage „Wo bist du gerade?“ oft nur einen Klick entfernt. Ob es darum geht, den Heimweg eines Freundes abzusichern, die Kinder im Blick zu behalten oder im Notfall Hilfe zu rufen – die technische Ortung von Personen ist unter Android so einfach wie nie zuvor. Doch was technisch machbar ist, bewegt sich rechtlich auf einem schmalen Grat.

Im Jahr 2026 sind die Tools zur Standortfreigabe tief in das System integriert, bieten aber auch strengere Schutzmechanismen gegen Missbrauch. In diesem Guide erfahren Sie, wie Sie Standorte legal und sicher teilen, welche rechtlichen Fallstricke Sie vermeiden müssen und welche Apps für verschiedene Szenarien am besten geeignet sind.

Die rechtliche Basis: Wann ist Ortung erlaubt?

Die wichtigste Regel in Deutschland und der EU (DSGVO) lautet: Ohne ausdrückliche Einwilligung ist die Ortung einer Person verboten. Standortdaten gelten als hochsensible personenbezogene Informationen.

  • Einwilligung: Die zu ortende Person muss aktiv zustimmen. Heimliche Ortung – etwa durch das heimliche Installieren einer App auf dem Handy des Partners – ist strafbar (Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht, § 202a StGB „Ausspähen von Daten“).

  • Kinder: Eltern dürfen ihre Kinder orten, solange dies der Fürsorgepflicht dient. Experten raten jedoch dazu, bei älteren Kindern das Gespräch zu suchen und die Ortung transparent zu machen, um das Vertrauensverhältnis nicht zu schädigen.

  • Notfälle: Bei akuter Gefahr für Leib und Leben (vermisste Personen, Unfälle) darf die Polizei eine Ortung veranlassen. Hier greift das Prinzip der „Gefahr im Verzug“.

  • Mitarbeiter: Eine Ortung von Diensthandys während der Arbeitszeit ist nur mit schriftlicher Zustimmung und für legitime Zwecke (z. B. Routenplanung im Außendienst) erlaubt. Eine Überwachung nach Feierabend ist streng untersagt.

Strategien für die Standortfreigabe

Je nach Situation gibt es unterschiedliche Ansätze, um Standorte zu teilen:

  1. Die temporäre Freigabe: Ideal für Verabredungen. Der Standort wird nur für ein paar Stunden geteilt und erlischt danach automatisch.

  2. Der Familien-Verbund: Dauerhafte Sichtbarkeit innerhalb eines geschlossenen Kreises (z. B. Eltern und Kinder).

  3. Die Notfall-Ortung: Spezielle Funktionen, die nur im Krisenfall (z. B. Sturzerkennung) den Standort an definierte Kontakte senden.

Technische Anleitung: So teilen Sie Standorte unter Android

Hier sind die gängigsten und sichersten Methoden im Jahr 2026:

Methode 1: Google Maps Standortfreigabe (Der Klassiker)

  1. Öffnen Sie Google Maps.

  2. Tippen Sie oben rechts auf Ihr Profilbild > Standortfreigabe.

  3. Wählen Sie „Standort teilen“ und legen Sie die Dauer fest (z. B. „1 Stunde“ oder „Bis zur Deaktivierung“).

  4. Wählen Sie die Person aus Ihren Kontakten aus. Der Empfänger sieht Ihren Standort nun in Echtzeit auf seiner Karte.

Methode 2: WhatsApp Live-Standort (Für unterwegs)

  1. Öffnen Sie einen Chat in WhatsApp.

  2. Tippen Sie auf die Büroklammer (oder das Plus) > Standort.

  3. Wählen Sie „Live-Standort teilen“ und die gewünschte Dauer (15 Min., 1 Std., 8 Std.).

  4. Der Standort wird am Ende der Zeit automatisch gelöscht.

Methode 3: Google Family Link (Für Eltern)

  1. Installieren Sie Family Link auf den Geräten von Eltern und Kindern.

  2. Verknüpfen Sie die Konten.

  3. In der App können Eltern unter dem Punkt „Standort“ sehen, wo sich das Kind gerade befindet und sogar Zonen (Geofencing) einrichten, um benachrichtigt zu werden, wenn das Kind die Schule erreicht.

Tips

  • Transparenz schafft Vertrauen: Sprechen Sie innerhalb der Familie offen darüber, warum eine Ortung genutzt wird (Sicherheit vs. Überwachung).

  • Akku-Management: Die GPS-Dauerortung verbraucht viel Energie. Nutzen Sie Apps, die den Standort nur bei Bewegung oder in Intervallen aktualisieren.

  • Datenschutz-Check: Prüfen Sie regelmäßig unter Einstellungen > Standort, welche Apps Zugriff auf Ihre Position haben, und entziehen Sie unnötige Berechtigungen.

  • Vorsicht vor Drittanbieter-Apps: Viele kostenlose „Tracker“-Apps im Play Store sammeln im Hintergrund Daten für Werbezwecke. Nutzen Sie bevorzugt etablierte Dienste von Google, Apple oder namhaften Sicherheitsanbietern.

  • QR-Code-Sharing: Einige Apps erlauben es, den Standort per QR-Code freizugeben. Das ist ideal, wenn Sie Ihre Handynummer nicht an Fremde (z. B. bei einer Wandergruppe) weitergeben möchten.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Personenortung

1. Kann ich eine Person nur über die Handynummer orten? Technisch ist das für Mobilfunkanbieter möglich, aber für Privatpersonen ohne Zugriff auf das Gerät oder eine installierte App ausgeschlossen. Webseiten, die „Handyortung nur per Nummer“ versprechen, sind fast immer Betrug.

2. Was ist Geofencing? Geofencing bedeutet, dass Sie einen virtuellen Zaun um einen Ort (z. B. das Haus) ziehen. Die App benachrichtigt Sie automatisch, wenn die Person diesen Bereich betritt oder verlässt.

3. Erkennt man am Handy, wenn man geortet wird? Ja, Android zeigt in der Statusleiste (oben rechts) ein Standort-Symbol (Kompassnadel oder Punkt) an, sobald eine App aktiv auf GPS-Daten zugreift. Zudem erhalten Nutzer bei Google Maps regelmäßig E-Mails über aktive Freigaben.

4. Kann man die Ortung fälschen? Es gibt „Fake GPS“-Apps, mit denen man dem System einen falschen Standort vorgaukeln kann. Viele Sicherheits- und Familien-Apps erkennen solche Manipulationen jedoch und warnen den Administrator.

5. Ist die Ortung von Senioren erlaubt? Auch hier gilt: Einwilligung ist Pflicht. Bei dementen Personen, die zur Selbstgefährdung neigen, kann ein rechtlicher Betreuer die Ortung im Rahmen der Fürsorge entscheiden, sollte dies jedoch mit dem behandelnden Arzt abstimmen.

Frazit

Die Ortung von Personen unter Android ist im Jahr 2026 ein wertvolles Sicherheitsfeature, sofern sie auf Freiwilligkeit und Vertrauen basiert. Während Google Maps und WhatsApp perfekte Tools für den Alltag bieten, ermöglichen spezialisierte Apps wie Family Link einen tiefergehenden Schutz für Familien. Rechtlich bleibt die Grenze klar: Jede heimliche Überwachung überschreitet den Bereich der Legalität. Richtig eingesetzt, schenkt die Technik jedoch Gelassenheit und Sicherheit für alle Beteiligten.

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