QoS (Quality of Service) auf Cisco Routern sorgt dafür, dass zeitkritische Anwendungen wie VoIP auch unter Last stabil bleiben. Der Kern ist einfach: Wenn die Leitung nicht überlastet ist, bringt QoS kaum sichtbare Vorteile. Sobald jedoch Queues entstehen (typisch am WAN-Uplink), entscheidet QoS, welche Pakete bevorzugt werden und welche warten oder verworfen werden. Dieses Tutorial erklärt die wichtigsten QoS-Grundlagen und zeigt ein praxistaugliches VoIP-Beispiel mit Prioritätswarteschlange (LLQ).
Wann QoS überhaupt wirkt
QoS greift dort, wo es Engpässe gibt: meist auf langsameren WAN-Links oder bei Upload-Limits. Im LAN mit hoher Bandbreite ist QoS oft nur Marking, aber keine echte „Queue-Entscheidung“.
- QoS ist am wirksamsten am WAN-Egress (Upload)
- Engpass = Queue-Bildung = QoS kann priorisieren
- Ohne Congestion bringt QoS keine Wunder
Die vier QoS-Bausteine: Marking, Classification, Queuing, Policing/Shaping
Auf Cisco Routern wird QoS meist als MQC (Modular QoS CLI) umgesetzt. Du klassifizierst Traffic, markierst ihn (DSCP/CoS), legst Queue-Strategien fest und steuerst Bandbreite durch Shaping/Policing.
- Classification: Traffic erkennen (ACL, DSCP, NBAR)
- Marking: DSCP/CoS setzen (End-to-End QoS)
- Queuing: Priorisieren/Queues (LLQ/CBWFQ)
- Shaping/Policing: Bandbreite steuern (vor allem am WAN)
Merker: VoIP braucht geringe Verzögerung und Jitter
VoIP Qualität ∝ niedrige Latenz + niedriger Jitter + geringe Loss
Typische QoS Use-Cases im Unternehmen
Neben VoIP gibt es weitere typische Anwendungsfälle, bei denen QoS sinnvoll ist. Wichtig ist, dass du Priorisierung sparsam einsetzt, damit du dir nicht selbst „Priorität inflationierst“.
- VoIP (RTP) und Call-Signaling (SIP/SCCP)
- Videokonferenzen (Teams/Zoom) – je nach Policy
- Remote Desktop / VDI bei schmalen Links
- Geschäftskritische Apps (ERP) gegen Bulk-Transfers schützen
- Backup/Updates drosseln (nicht priorisieren)
VoIP Traffic verstehen: Signaling vs. Media
VoIP besteht aus Signaling (Aufbau/Abbau) und Media (Sprachdaten). Media läuft meist als RTP (UDP, dynamische Ports). Signaling ist häufig SIP (TCP/UDP 5060/5061) oder SCCP (TCP 2000). Media ist latenzkritischer als Signaling.
- Signaling: wichtig, aber geringe Bandbreite
- RTP Media: sehr latenz- und jitterempfindlich
- Best Practice: RTP in Priority Queue, Signaling in eigener Klasse
QoS Best Practice für VoIP: LLQ + Shaping am WAN
Das gängige Muster ist: Am WAN-Egress wird die Leitung auf die reale Upload-Rate geshaped (damit Congestion im Router statt im Provider entsteht). Innerhalb dieser Shaping-Policy bekommt RTP eine Low-Latency Queue (LLQ) mit begrenzter Bandbreite.
- Shaping: schafft kontrollierbare Queues im Router
- LLQ: echte Priorität für Voice, aber mit Limit (Schutz vor Starvation)
- Rest: fairer Anteil (CBWFQ) oder Default
Warum LLQ limitiert werden muss
Eine unbegrenzte Prioritätsqueue kann andere Klassen verhungern lassen. Deshalb nutzt du priority mit einem Bandbreitenwert.
Schritt 1: Traffic klassifizieren (DSCP oder Ports)
In gut markierten Netzen matchst du DSCP (z. B. EF für Voice). Wenn Marking nicht zuverlässig ist, kannst du zusätzlich per ACL matchen. Best Practice ist: am Edge korrekt markieren und im WAN nur noch nach DSCP behandeln.
Class-Maps per DSCP (empfohlen)
class-map match-any CM_VOICE_RTP
match dscp ef
class-map match-any CM_VOICE_SIG
match dscp cs3
Alternative: per ACL (wenn DSCP nicht verfügbar ist)
ip access-list extended ACL_SIP
permit udp any any eq 5060
permit tcp any any eq 5060
class-map match-any CM_VOICE_SIG
match access-group name ACL_SIP
Schritt 2: Policy-Map bauen (LLQ + Bandbreite für Rest)
Die Policy legt fest, wie viel Bandbreite Voice bekommt und wie der Rest behandelt wird. Beispiel: 10 Mbit/s WAN, Voice bekommt bis zu 1 Mbit/s Priorität, Signaling bekommt eine kleine reservierte Bandbreite.
VoIP Policy (Beispiel)
policy-map PM_WAN_QOS
class CM_VOICE_RTP
priority 1000
class CM_VOICE_SIG
bandwidth 128
class class-default
fair-queue
Hinweis zur Einheit
Je nach Plattform ist der Wert bei priority/bandwidth in kbps. Plane Voice-Bandbreite realistisch (Anzahl Calls, Codec, Overhead).
Schritt 3: Shaping-Policy am WAN-Egress (typisches Gesamtmuster)
Für Internet/WAN ist ein Parent-Shaper gängig. Er shaped auf die reale Upload-Rate und hängt darunter die VoIP-Policy als Child-Service-Policy.
Parent/Child QoS (WAN Shaping + LLQ)
policy-map PM_WAN_SHAPER
class class-default
shape average 10000000
service-policy PM_WAN_QOS
Schritt 4: QoS am richtigen Interface aktivieren
QoS ist fast immer am WAN-Ausgang sinnvoll. Dort setzt du die Service-Policy outbound. Inbound-QoS ist begrenzt wirksam, weil du eingehende Congestion beim Provider nicht „wegqosen“ kannst.
Service-Policy outbound am WAN
interface gigabitEthernet0/1
service-policy output PM_WAN_SHAPER
Marking am LAN-Edge: QoS Ende-zu-Ende
Damit WAN-QoS zuverlässig arbeitet, müssen Pakete korrekt markiert sein (DSCP). Das passiert idealerweise am Telefon/Switch oder am LAN-Edge-Router. Ohne konsistentes Marking matchen deine Klassen nicht.
Beispiel: DSCP setzen (konzeptionell, je nach Plattform)
policy-map PM_MARKING
class CM_VOICE_RTP
set dscp ef
class CM_VOICE_SIG
set dscp cs3
Verifikation: Funktioniert QoS wirklich?
Die wichtigste Frage ist: steigen die Counter in den Klassen und gibt es Drops in der richtigen (nicht in Voice) Queue? Prüfe zusätzlich, ob der Shaper aktiv ist und ob Latenz/Jitter unter Last stabil bleiben.
QoS Counters prüfen
show policy-map interface gigabitEthernet0/1
Interface und Drops prüfen
show interfaces gigabitEthernet0/1 | include drops|queue
show interfaces gigabitEthernet0/1
Typische Fehler und Denkfehler
Viele QoS-Setups wirken „konfiguriert“, aber matchen nicht, weil Marking fehlt oder die Policy am falschen Interface/in der falschen Richtung hängt. Auch zu hohe Voice-Priority kann andere Apps zerstören.
- Keine Matches: DSCP wird nicht gesetzt oder unterwegs überschrieben
- Policy am falschen Interface oder inbound statt outbound
- Kein Shaping: Congestion entsteht beim Provider, QoS wirkt nicht
- Voice-Priority zu hoch: andere Klassen verhungern
- RTP per Port matchen ist schwierig (dynamische UDP-Ports)
Quick-Reference: VoIP QoS Minimaltemplate (Copy & Paste)
class-map match-any CM_VOICE_RTP
match dscp ef
class-map match-any CM_VOICE_SIG
match dscp cs3
policy-map PM_WAN_QOS
class CM_VOICE_RTP
priority 1000
class CM_VOICE_SIG
bandwidth 128
class class-default
fair-queue
policy-map PM_WAN_SHAPER
class class-default
shape average 10000000
service-policy PM_WAN_QOS
interface gigabitEthernet0/1
service-policy output PM_WAN_SHAPER
Konfiguration speichern
Router# copy running-config startup-config
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