Recalbox vs. RetroPie: Welches Gaming-System ist besser?

Die Frage „Recalbox vs. RetroPie: Welches Gaming-System ist besser?“ stellen sich viele, die aus einem Raspberry Pi eine elegante Retro-Konsole bauen möchten. Beide Plattformen verfolgen das gleiche Ziel: klassische Spiele möglichst bequem und stabil spielbar zu machen. Der Weg dorthin ist jedoch unterschiedlich. RetroPie ist traditionell stark auf Anpassbarkeit ausgelegt und baut auf einem vollwertigen Linux-Unterbau auf, der sich wie ein „normales“ Raspberry-Pi-System erweitern lässt. Recalbox setzt dagegen klar auf „einstecken, starten, spielen“ und liefert eine sehr geschlossene, konsistente Benutzererfahrung, bei der viele Entscheidungen bereits sinnvoll vorkonfiguriert sind. Was „besser“ ist, hängt deshalb nicht von einem einzigen Feature ab, sondern davon, wie Sie Ihr System nutzen wollen: möchten Sie schnell ohne viel Feintuning loslegen, ist Recalbox oft der angenehmere Einstieg. Möchten Sie tief in Emulatoren, Cores, Skripte, Systemdienste und individuelle Optimierung einsteigen, kann RetroPie die flexiblere Wahl sein. In diesem Vergleich erhalten Sie eine praxisnahe Orientierung: Installation, Bedienung, Updates, Performance, Features, Controller, Netzwerk, Anpassungen und typische Stolperfallen – damit Sie am Ende das System wählen, das wirklich zu Ihrem Anspruch passt.

Grundprinzip: Wie Recalbox und RetroPie „ticken“

RetroPie versteht sich als Projekt, das verschiedene Bausteine zu einer Retrogaming-Umgebung verbindet. Es nutzt unter anderem EmulationStation als Frontend und RetroArch mit seinen Cores als zentrale Emulationsschicht. Der entscheidende Punkt ist: RetroPie sitzt auf einem vollständigen Betriebssystem und kann entweder als fertiges SD-Image genutzt oder auf einem bestehenden Raspberry Pi OS installiert werden. Genau diese Flexibilität wird in den RetroPie-Dokumenten hervorgehoben, inklusive der Option, RetroPie auf Raspberry Pi OS aufzusetzen oder ein vorgefertigtes Image zu verwenden (First Installation (RetroPie Docs); RetroPie Überblick (Docs)).

Recalbox ist eher als „komplettes Gaming-OS“ konzipiert. Die Installation ist darauf ausgerichtet, möglichst schnell zu einem spielbaren System zu kommen. Auffällig ist der stark kuratierte Ansatz: Recalbox stellt nur die aktuelle Version bereit und empfiehlt klare Mindestanforderungen beim Speicher. Das ist in der offiziellen Recalbox-Wiki sehr deutlich dokumentiert, inklusive Empfehlung einer 16-GB-Mindestgröße und dem Hinweis, dass nur die neueste Version unterstützt wird (Recalbox Vorbereitung & Installation).

Kompatibilität und Hardware: Welche Raspberry-Pi-Modelle werden unterstützt?

Bei der Hardwarefrage lohnt sich ein genauer Blick, weil sie Ihre Entscheidung stark beeinflussen kann. Recalbox listet in der offiziellen Dokumentation explizit kompatible Boards und führt dabei auch Raspberry Pi 5 / CM5 sowie ältere Modelle bis hin zu Pi Zero auf. Zusätzlich empfiehlt das Team den Raspberry Pi 5 ausdrücklich als besonders geeignete Wahl zum Einstieg (Compatible boards (Recalbox Wiki)).

RetroPie ist traditionell eng mit Raspberry Pi OS verzahnt. Das kann ein Vorteil sein, wenn Sie ein System möchten, das sich wie ein „klassischer Pi“ verhält und zusätzlich andere Aufgaben übernehmen kann (z. B. NAS-Dienste, Samba, SSH-Tools, Monitoring). Dass RetroPie auf Raspberry Pi OS aufsetzt und über ein vorgefertigtes SD-Image als „ready to go“-System verfügbar ist, wird in den RetroPie-Dokumenten ausdrücklich beschrieben (RetroPie SD-Image auf Raspberry Pi OS-Basis). Zudem ist das Setup-Skript laut RetroPie-Setup-Projekt speziell für Raspberry Pi OS gedacht (RetroPie-Setup (GitHub)).

Installation im Vergleich: Wie schnell kommen Sie ins Spiel?

Für viele Nutzer ist die Installationshürde der wichtigste Unterschied. Recalbox richtet sich klar an Anwender, die ohne lange Vorbereitung starten möchten. In der Recalbox-Wiki wird der Installationsprozess sehr geradlinig dargestellt: Image herunterladen, auf das Medium flashen, Karte einstecken, booten – fertig. Auch der Hinweis, das Image nicht manuell zu entpacken, ist Teil der offiziellen Anleitung (Install Recalbox (Recalbox Wiki)).

RetroPie bietet ebenfalls einen „schnellen Weg“ über ein SD-Image, betont aber gleichzeitig die Alternative für Fortgeschrittene: die manuelle Installation auf einem bestehenden Raspberry Pi OS. Dadurch wird RetroPie für Nutzer interessant, die ein System nicht nur als Spielekonsole, sondern als vollwertigen Linux-Rechner mit Gaming-Frontend betreiben möchten (Installationswege (RetroPie Docs)).

Bedienung und Nutzererlebnis: „Konsole“ versus „Baukasten“

Recalbox wirkt im Alltag oft wie eine fertige Konsole. Menüs sind in der Regel konsistent, viele Optionen sind „vernünftig“ vorbelegt und typische Aufgaben wie WLAN-Einrichtung, Controller-Erkennung oder grundlegende Video-/Audio-Parameter sind darauf ausgelegt, schnell ans Ziel zu führen. Das ist besonders angenehm, wenn Sie das System im Wohnzimmer nutzen und nicht ständig am Gerät konfigurieren möchten.

RetroPie wirkt stärker wie ein Baukasten, der sich zu einer Konsole formen lässt. Das kann im ersten Moment komplexer sein, bietet aber Vorteile, wenn Sie exakt steuern möchten, welche Emulatoren installiert sind, welche Cores genutzt werden und wie sich das System im Detail verhält. Wer gern feintuned, profitiert von dieser Offenheit. Dass RetroPie auf einer vollständigen OS-Basis sitzt und sich entsprechend erweitern lässt, ist ein zentrales Merkmal des Projekts (RetroPie sitzt auf einem vollwertigen OS).

Updates und Wartung: Wie „pflegeleicht“ ist das System?

Recalbox verfolgt einen klaren Release-Ansatz: laut offizieller Wiki ist nur die aktuelle Version verfügbar und alte Versionen werden nicht mehr unterstützt. Das kann die Pflege vereinfachen, weil Sie weniger Fragmentierung haben, gleichzeitig aber die Erwartung, auf einem aktuellen Stand zu bleiben (Nur aktuelle Version verfügbar (Recalbox Wiki)).

RetroPie hängt stärker am Unterbau, weil es auf Raspberry Pi OS aufsetzt. Das kann ein Vorteil sein, weil Sie bekannte Debian-Mechanismen nutzen und das System wie einen klassischen Pi aktuell halten können. Die Raspberry-Pi-Dokumentation erklärt, dass Updates über apt auch Kernel und Firmware abdecken und wie Upgrades auf neue Major-Versionen funktionieren (Raspberry Pi OS Update-Hinweise). Gleichzeitig bedeutet es: Wer ein „reines Gaming-OS“ erwartet, muss sich bei RetroPie eher bewusst sein, dass er ein vollständiges Linux mitpflegt.

Leistung und Stabilität: Welche Plattform ist schneller?

In der Praxis entscheidet weniger der Name der Distribution als die Kombination aus Hardware, Emulator/Core und Einstellungen. Beide Systeme nutzen häufig RetroArch und dessen Cores als zentrale Basis, sodass die reine Emulationsleistung oft ähnlich ist – vorausgesetzt, Sie verwenden vergleichbare Cores und Einstellungen. Der Unterschied zeigt sich eher im Feintuning und in Standard-Defaults: Recalbox ist darauf optimiert, ohne lange Konfiguration ein stabiles Ergebnis zu liefern. RetroPie lässt Ihnen mehr Freiheit, was Ihnen sehr gute Ergebnisse ermöglichen kann, aber auch mehr Fehlkonfigurationen erlaubt.

Warum Cores und RetroArch-Einstellungen entscheidend sind

Viele Systeme werden über RetroArch emuliert, und dort hängen Bildqualität, Input-Latenz und Stabilität stark von Optionen wie Audio-Backend, Video-Driver, Threading, Shadern und „Run-Ahead“ ab. Wer tiefer einsteigen möchte, findet in den offiziellen RetroArch/Libretro-Guides eine solide Grundlage (Libretro/RetroArch Dokumentation). Für Raspberry-Pi-spezifische Hinweise existieren ebenfalls offizielle Guides, die allerdings auf Kompatibilitäten und Treiber eingehen können, die je nach OS-Version variieren (Libretro Guide: Raspberry Pi).

Emulatoren, Systeme und Arcade: Wo liegen die praktischen Unterschiede?

Beide Plattformen decken die gängigen Klassiker sehr gut ab: 8-Bit- und 16-Bit-Konsolen, viele Handhelds und zahlreiche Arcade-Titel. Die Unterschiede zeigen sich typischerweise bei:

  • Arcade/MAME-ROM-Sets: Kompatibilität hängt stark von Emulator-Version und Set-Struktur ab. Hier profitieren Sie bei RetroPie oft von der Möglichkeit, mehrere Alternativen zu testen und sehr spezifisch zu konfigurieren.
  • „Schwerere“ Systeme: N64, PSP, Dreamcast oder anspruchsvolle Arcade-Titel sind stark hardware- und einstellungsabhängig. Recalbox kann hier schneller zu einem „guten Standard“ führen, RetroPie bietet eher den Spielraum, für einzelne Titel gezielt zu optimieren.
  • PC-Engine, DOS, Amiga: Beide können das, aber die Usability hängt davon ab, wie stark Sie Tastatur-/Joystick-Profile, Kickstarts/BIOS und Dateistrukturen sauber pflegen.

Controller und Eingabegeräte: Komfort, Bluetooth und Hotkeys

Für Einsteiger ist entscheidend, dass Controller sofort erkannt und sauber gemappt werden. Recalbox ist häufig sehr komfortabel, weil viele Standard-Controller-Profile gut vorkonfiguriert sind. RetroPie ist ebenfalls gut, kann aber mehr Handarbeit bedeuten, wenn Sie Sonderhardware nutzen, mehrere Controller-Layouts pro System möchten oder Arcade-Setups mit individuellen Button-Belegungen planen.

Ein Vorteil von RetroPie kann sein, dass Sie auf einer vollwertigen OS-Basis sehr präzise an Eingabetreibern, udev-Regeln oder sogar eigenen Skripten arbeiten können – das ist allerdings eher ein Pluspunkt für fortgeschrittene Nutzer. Wenn Sie einfach nur „Couch-Gaming“ möchten, sind die konsistenten Defaults von Recalbox oft entspannter.

Bibliothek, Scraper, Themes: Wie „fertig“ sieht das System aus?

Der sogenannte „Wohnzimmer-Faktor“ wird häufig unterschätzt. Wenn Cover, Beschreibungen und Videos zuverlässig eingebunden sind, fühlt sich das System deutlich hochwertiger an. Recalbox ist in der Regel stark darauf ausgelegt, dass Scraping und Bibliotheksdarstellung schnell attraktiv aussehen. RetroPie kann mindestens genauso gut aussehen, erfordert aber manchmal mehr bewusste Entscheidungen: welcher Scraper, welche Medienqualität, welche Theme-Konfiguration, wie viel Speicherplatz Sie dafür opfern möchten.

  • Recalbox: Häufig schnell „fertig“, optisch konsistent, weniger Handarbeit.
  • RetroPie: Sehr flexibel, riesige Theme-Auswahl, kann aber in Details mehr Pflege brauchen.

Netzwerk, Dateitransfer und Extras: Samba, SSH und Dual-Use

Beide Systeme unterstützen typischerweise den Transfer von ROMs über das Netzwerk. Im Alltag zählt vor allem, wie „stressfrei“ das funktioniert: korrekte Freigaben, stabile IP, saubere Verzeichnisstruktur und eine zuverlässige Speicherlösung (gute microSD oder SSD). RetroPie punktet häufig, wenn Sie zusätzlich zum Gaming weitere Dienste betreiben möchten – etwa weil Sie ohnehin Raspberry Pi OS als Basis nutzen und damit viele Standard-Linux-Werkzeuge zur Verfügung haben. Das RetroPie-Setup ist ausdrücklich für Raspberry Pi OS konzipiert und passt in diese Denkweise (RetroPie-Setup-Projekt).

Fehlersuche und Community: Wie gut kommen Sie bei Problemen weiter?

Bei Retro-Gaming-Setups treten typische Probleme immer wieder auf: falsche BIOS-Dateien, inkompatible ROM-Sets, Controller-Mapping durcheinander, Audio knackt, Bild ist abgeschnitten (Overscan), Emulator startet und schließt sofort. In solchen Fällen hilft es enorm, wenn Dokumentation, Community und Tools strukturiert sind.

  • RetroPie: Sehr viele Anleitungen, tiefes Wissen in Foren und GitHub-Issues, gute Dokumentation zu Installationswegen und Komponenten (RetroPie Docs).
  • Recalbox: Sehr klare offizielle Installations- und Hardwarehinweise, stark auf ein konsistentes System ausgerichtet (Recalbox Wiki).

Wenn Sie Probleme schnell und reproduzierbar lösen wollen, ist ein „kontrollierbarer Unterbau“ oft hilfreich. Das spricht eher für RetroPie bei technisch versierten Nutzern. Wenn Sie möglichst wenig Problemquellen möchten, spricht das eher für Recalbox, weil es stärker kuratiert ist.

Wer sollte Recalbox wählen?

Recalbox ist besonders stark, wenn Sie eine Konsole möchten, die sich „aus einem Guss“ anfühlt. Sie profitieren häufig, wenn:

  • Sie möglichst schnell ohne viele Entscheidungen starten möchten.
  • Sie ein System für das Wohnzimmer bauen und selten am System „schrauben“ möchten.
  • Sie klare, offizielle Vorgaben schätzen (z. B. nur aktuelle Version, klare Mindestanforderungen).
  • Sie moderne Raspberry-Pi-Hardware nutzen möchten und eine offizielle Kompatibilitätsliste wichtig ist (Recalbox führt kompatible Raspberry-Pi-Modelle explizit auf, inklusive Pi 5 / CM5: Compatible boards).

Wer sollte RetroPie wählen?

RetroPie ist besonders attraktiv, wenn Sie Kontrolle und Anpassbarkeit priorisieren. Das System passt gut, wenn:

  • Sie Emulatoren, Cores und Einstellungen gezielt pro System oder sogar pro Spiel optimieren möchten.
  • Sie neben Gaming weitere Pi-Aufgaben nutzen wollen, weil RetroPie auf einem vollwertigen OS aufsetzt (RetroPie basiert auf Raspberry Pi OS und Co.).
  • Sie gerne mit Linux-Tools arbeiten (SSH, Skripte, Dienste, Dateirechte, Logs) und Ihre Konsole wie einen Server pflegen möchten.
  • Sie die Wahl zwischen SD-Image und Installation auf bestehendem Raspberry Pi OS als Vorteil sehen (Installationsvarianten).

Quick-Check nach Anspruch: Eine praxisnahe Orientierung

Wenn Sie sich noch unsicher sind, hilft dieser einfache Kriteriencheck. Er ist bewusst praxisorientiert und nicht „Feature-Listen-getrieben“:

  • Sie wollen am Wochenende einfach spielen: Recalbox ist häufig der entspanntere Einstieg.
  • Sie wollen basteln, optimieren, lernen: RetroPie bietet mehr Tiefgang und Kontrolle.
  • Sie planen ein Familien-/Wohnzimmergerät: Recalbox wirkt oft konsistenter und pflegeleichter.
  • Sie wollen ein Hybrid-System (Desktop + Retro): RetroPie auf Raspberry Pi OS passt in vielen Fällen besser.
  • Sie legen Wert auf offizielle Board-Liste inklusive Pi 5: Recalbox dokumentiert die Kompatibilität sehr klar (Recalbox Compatible boards).

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