Ein gutes RFP-Template für Cisco-Router-Konfiguration verhindert zwei typische Probleme: unklare Leistungsabgrenzung (Scope Creep) und nicht messbare Abnahme („es läuft irgendwie“). Damit Anbieter vergleichbare Angebote abgeben, müssen Scope, SLA und Acceptance Criteria eindeutig definiert sein – inklusive Deliverables, Testfällen, Evidence und Rollback-Regeln. Dieses Template ist so formuliert, dass es direkt in eine Ausschreibung übernommen werden kann und „production-grade“ Anforderungen abprüft.
RFP-Rahmen: Ziel, Kontext und Liefergegenstand
Beschreiben Sie kurz, was Sie erreichen wollen, und welche Umgebung betroffen ist. Anbieter benötigen Kontext, ohne dass Sie Ihr internes Design vollständig offenlegen müssen.
- Ziel: Router-Konfiguration und produktiver Betrieb gemäß definierten Standards
- Umfang: Anzahl Standorte/Geräte, Standorttypen (HQ/Branch/DC-Edge)
- WAN: Providerarten (DIA/MPLS/Metro-E/LTE), Dual-ISP ja/nein
- Services: Internet, VPN, Routing, Segmentierung, Monitoring, QoS (falls relevant)
- Constraints: Change Windows, 24/7 Anforderungen, Compliance/Audit
Scope of Work: In-Scope Leistungen (Pflichtliste)
Definieren Sie In-Scope als konkrete Arbeitspakete. Jedes Paket muss ein Ergebnis liefern (Deliverable) und später testbar sein.
- Assessment: Requirements-Workshop, Ist-Analyse, Risiko-/Abhängigkeitsliste
- Design: HLD/LLD, IP-Plan (falls beauftragt), Routing-/VPN-/Security-Design
- Build: Konfiguration(en), Templates/Variablenmodell (bei Multi-Site)
- Security Baseline: SSH/AAA/RBAC, Logging/NTP, MGMT-Only, ggf. CoPP
- Implementierung: Remote/Onsite Cutover, Change-Plan, Kommunikationsplan
- Validation: Pre-/Post-Checks, UAT/ATP, KPI-Nachweise
- Handover: As-Built, Backups, Runbooks, Knowledge Transfer
Out of Scope: Explizite Ausschlüsse (Scope-Creep-Schutz)
Listen Sie typische Ausschlüsse auf. Anbieter sollen Abweichungen als Option oder Change Request bepreisen, nicht stillschweigend einpreisen oder später nachfordern.
- Provider-Support außerhalb definierter Eskalationsunterstützung
- Endgeräte/Client-Support (PCs, Drucker, WLAN-Clients)
- Applikationssupport (SaaS/PACS/ERP) außerhalb Connectivity-Nachweis
- Firewall-Policy-Redesign (wenn nicht ausdrücklich im Scope)
- Langfristiger Betrieb ohne separaten Managed-Service-Vertrag
Technische Anforderungen: Mindeststandard „production-grade“
Definieren Sie Mindeststandards, die jeder Anbieter erfüllen muss. Das macht Angebote vergleichbar und verhindert „billig aber riskant“.
- Management: SSH-only, VTY Access-Class (MGMT-Only), Exec-Timeout
- AAA/RBAC: zentrale Authentifizierung, Accounting (Exec, optional Commands)
- Logging: NTP synchronized, Syslog zentral, Zeitstempel mit msec
- Resilience: Dual-ISP/Tracking (wenn relevant), definierte Failover-Tests
- Security: Segmentierungs-Policies (ACL/VRF), Anti-Scan Baselines
- Operability: Monitoring-Integration (SNMPv3/Telemetry), Alarmkatalog
Evidence-Outputs (Beispielanforderung)
Anbieter muss als Deliverable eine Evidence-Sammlung liefern, die mindestens umfasst:
show version
show ip interface brief
show interfaces counters errors
show ip route 0.0.0.0
show ip route summary
show ip ssh
show ntp status
show logging | last 100
show running-config | include line vty|access-class|aaa|logging host
Deliverables: Was der Anbieter final übergeben muss
Deliverables sind der Kern der Abnahme. Ohne klare Deliverables ist „fertig“ nicht definierbar.
- As-Built Report (inkl. Versionen, Interfaces, IP-Plan, Routing/VPN/Policies)
- Konfigurationsdateien: PRE/POST running-config und startup-config
- Template-Paket: Baseline + Module + Variablenmodell (wenn beauftragt)
- UAT/ATP Protokoll: Testfälle, Ergebnisse, Evidence, Pass/Fail
- Runbook: Incident Quick Snapshot + Change/Upgrade/Rollback SOP
- Monitoring-Setup: Parameter, Alarmkatalog, KPI-Definitionen
Acceptance Criteria: Abnahmebedingungen (messbar und evidence-basiert)
Acceptance Criteria müssen prüfbar sein. Definieren Sie Pass/Fail Regeln und Evidence-Anforderungen. Das schützt beide Seiten und reduziert Diskussionen.
- Connectivity: Internet/VPN/Routing gemäß Testfällen erreichbar
- Stabilität: keine Routing Flaps/Loops im Abnahmefenster
- Resilience: Failover-Test bestanden (Link-down und/oder Path-down, je Scope)
- Security: MGMT-Only umgesetzt, AAA/Accounting aktiv, Policies wirksam
- Auditability: NTP ok, Syslog sichtbar, Evidence Pack vollständig
- Operability: Monitoring sichtbar, Alarme getestet (mind. Interface down)
UAT/ATP Testfälle (Template-Auszug)
- Test 1: Default-Route vorhanden, Internet erreichbar (DNS + HTTPS)
- Test 2: VPN (falls Scope) SA up und Traffic-Counter steigen
- Test 3: Segmentierung (Guest→RFC1918 blockiert, Users→MGMT blockiert)
- Test 4: Failover (wenn Dual-ISP) Umschaltzeit messen, Services stabil
- Test 5: Monitoring/Logging: NTP synced, Syslog im SIEM/NOC sichtbar
Rollback-Anforderungen: Trigger, Zeitbox und Vorgehen
Rollback ist Pflichtbestandteil. Definieren Sie Trigger und eine Rollback-Zeitbox im Change Window. Ohne Zeitbox wird Rollback oft zu spät entschieden.
- Rollback-Trigger: Internet down, VPN kritisch down, Routing Loop/Flaps, Managementverlust
- Rollback-Strategie: Soft (Config) und/oder Hard (Startup/Image) je Projekt
- Rollback-Reserve: fest im Maintenance Window eingeplant
- Rollback-Evidence: Nachweis, dass alter Zustand wieder stabil ist
SLA/Support: Incident-Definition, Reaktionszeiten, Eskalation
Wenn Support Teil des RFP ist, definieren Sie Incident-Klassen und klare Reaktions-/Wiederherstellungsziele. „Response Time“ allein reicht nicht.
- Incident-Klassen: P1/P2/P3 mit Business-Definition
- Reaktionszeit: Zeit bis zur ersten qualifizierten Bearbeitung
- Restore/Workaround: Zielzeiten für Service-Wiederherstellung
- Eskalation: NOC → Senior Engineer → Hersteller/Provider
- RACI: Verantwortlichkeiten (Customer/Provider) eindeutig
Projektplan: Phasen, Timeline und Change Windows
Verlangen Sie einen realistischen Projektplan und definieren Sie, welche Informationen der Anbieter benötigt. In großen Rollouts ist die Wellenplanung Teil der Angebotsqualität.
- Phasenmodell: Assess–Design–Build–Validate–Handover
- Wellenrollout: Pilot, Batch, Stabilitätsfenster (bei Multi-Site)
- Change Windows: Zeiten, Kommunikationsplan, Stakeholder-Abnahme
- Risk Register: Risiken, Trigger, Mitigation, Owner
Preisstruktur: Transparenz, Annahmen und Change Requests
Ein RFP sollte Anbieter zwingen, Preisannahmen offen zu legen. Das reduziert spätere Nachforderungen und macht Angebote vergleichbar.
- Preismodell: Fixpreis vs. T&M, klare Leistungsgrenzen
- Annahmen: Anzahl Sites, Tunnel, VLANs, Routing-Peers, UAT-Umfang
- Onsite/Remote: Kriterien, wann Onsite nötig ist, Tagessätze/Spesen
- Change Requests: Prozess, Stundensätze, Genehmigungsworkflow
Anbieterauswahl: Einreichungsanforderungen für Vergleichbarkeit
Damit Anbieter nicht „schleifen“, definieren Sie eine klare Struktur für die Angebotsabgabe. So erhalten Sie vergleichbare Antworten.
- Executive Summary: Verständnis, Risiken, Vorgehen
- Technisches Design: Architektur, Routing/VPN/Segmentation, Security Baseline
- Methodik: Pre-/Post-Checks, UAT/ATP, Rollback
- Deliverables: vollständige Liste mit Beispiel-Gliederung
- SLA/Support: Incident-Definition, Zeiten, Eskalation
- Commercials: Preis, Annahmen, CR-Prozess, Zahlungsplan
- Referenzen: vergleichbare Projekte, Teamrollen, Zertifizierungen
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Routing: Default/Static Routing oder OSPF, Inter-VLAN Routing (Router-on-a-Stick)
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Services: DHCP (Pools/Scopes), NAT/PAT für Internet-Simulation
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Optional Security: Basic ACLs und SSH-Hardening
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Test & Verifikation: Ping/Traceroute + wichtige Show-Commands (mit erwarteten Ergebnissen)
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