Ultraschall-Radar: Objekte auf dem PC-Monitor visualisieren

Ein Ultraschall-Radar ist eines der faszinierendsten Arduino-Projekte, weil es Messdaten nicht nur „ausgibt“, sondern als echte Visualisierung auf dem PC-Monitor sichtbar macht. Statt einer reinen Distanzzahl im seriellen Monitor entsteht eine Radar-Ansicht: Ein Sensor tastet einen Bereich ab, erkennt Objekte in unterschiedlichen Winkeln und Entfernungen und überträgt die Daten in Echtzeit an eine PC-Anwendung, die daraus Punkte, Linien oder farbige Markierungen zeichnet. Das Projekt kombiniert mehrere Kernkompetenzen, die in modernen Maker-Setups immer wichtiger werden: Sie lernen, wie der Ultraschallsensor HC-SR04 Entfernungen misst, wie ein Servomotor den Sensor präzise schwenkt, wie Sie Messwerte glätten und interpretieren und wie eine serielle Datenverbindung (USB) robuste Datentelegramme an eine Visualisierung sendet. Gleichzeitig ist ein Ultraschall-Radar ein sehr gutes Übungsfeld für saubere Systemarchitektur: Wenn Timing und Datenformat nicht stimmen, flackert die Anzeige oder wirkt ungenau; wenn die Stromversorgung für Servo und Sensor nicht sauber ist, entstehen Aussetzer. In diesem Artikel erhalten Sie eine praxistaugliche Anleitung, wie Sie ein Ultraschall-Radar mit Arduino Uno und PC-Visualisierung aufbauen – inklusive sinnvoller Hardwarewahl, zuverlässiger Verdrahtung, stabiler Messlogik und einer verständlichen Struktur für die Darstellung auf dem Computer.

So arbeitet ein Ultraschall-Radar: Prinzip und Grenzen

Ein Ultraschall-Radar im Maker-Kontext ist kein Radar im physikalischen Sinne (Radar nutzt elektromagnetische Wellen), sondern eine Rundum- oder Sektorabtastung per Ultraschall. Der HC-SR04 sendet kurze Ultraschallimpulse aus und misst, wie lange es dauert, bis das Echo zurückkommt. Aus der Laufzeit berechnet man die Entfernung. Wird der Sensor zusätzlich über einen Servo in Winkelschritten gedreht, entsteht eine zweidimensionale „Karte“: Winkel plus Distanz.

  • Winkel: Position des Servos (z. B. 0–180 Grad)
  • Distanz: Messwert des HC-SR04 in Zentimetern
  • Darstellung: Umrechnung in Koordinaten (x/y) und Zeichnung auf dem PC

Wichtig ist, die Grenzen zu kennen: Ultraschall reagiert empfindlich auf Oberflächen (weich, schräg, absorbierend), auf Luftströmungen und auf die Ausrichtung des Objekts. Auch kleine Messschwankungen sind normal – deshalb sind Filter und Mittelwerte in einem Radarprojekt fast immer sinnvoll.

Wenn Sie die Funktionsweise der Distanzmessung vertiefen möchten: Ultraschallsensor – Grundlagen.

Komponenten: Was Sie für das Projekt benötigen

Ein zuverlässiges Ultraschall-Radar steht und fällt mit einem soliden mechanischen Aufbau und einer stabilen Stromversorgung. Die folgende Liste ist bewusst praxisorientiert: Sie umfasst die Teile, die sich in typischen Arduino-Setups bewährt haben.

  • Arduino Uno (oder kompatibles Board)
  • Ultraschallsensor HC-SR04 (oder kompatible Variante)
  • Servomotor (z. B. SG90 für leichte Aufbauten; bei stabiler Mechanik gern ein stärkerer Servo)
  • Halterung für Sensor und Servo (3D-gedruckt oder aus Bastelmaterial)
  • Externe 5V-Versorgung für Servo (empfohlen), z. B. USB-Netzteil oder Step-Down-Regler
  • Kondensator (z. B. 470–1000 µF) nahe am Servo zur Pufferung
  • Kabel und Breadboard oder Lötlösung für einen stabilen Aufbau
  • PC mit USB-Anschluss und Visualisierungssoftware (z. B. Processing oder Python)

Für Arduino-Grundlagen und Beispiele ist die offizielle Dokumentation hilfreich: Arduino Dokumentation.

Verdrahtung: So vermeiden Sie typische Aussetzer

Viele Radar-Projekte scheitern an „kleinen“ Details: Servo zieht Stromspitzen, die den Arduino stören, oder Echo-Leitungen fangen Störimpulse ein. Eine saubere Verdrahtung sorgt dafür, dass Messwerte und Visualisierung stabil bleiben.

  • HC-SR04: VCC an 5V, GND an GND, TRIG an digitalen Pin, ECHO an digitalen Pin
  • Servo: VCC idealerweise an externe 5V, GND gemeinsam mit Arduino-GND, Signal an PWM-fähigen Pin
  • Gemeinsame Masse: GND der externen Servo-Versorgung muss mit Arduino-GND verbunden sein
  • Pufferung: Elko nahe am Servo (zwischen 5V und GND) reduziert Spannungseinbrüche
  • Kabelführung: Signal- und Echo-Leitungen kurz halten, Motor-/Servoleitungen möglichst getrennt führen

Die elektrische Logik hinter PWM (wichtig für Servo-Steuerung) ist hier gut erklärt: PWM/Analog Output bei Arduino.

Messlogik: Distanzwerte zuverlässig erfassen

Der HC-SR04 misst Entfernungen über eine Zeitmessung: Nach einem kurzen Trigger-Impuls setzt der Sensor die ECHO-Leitung für die Dauer der Schalllaufzeit auf HIGH. Der Arduino misst diese Zeit und rechnet sie in Entfernung um. In der Praxis sollten Sie dabei immer mit Plausibilitätsprüfungen arbeiten.

  • Timeout: Wenn kein Echo zurückkommt, darf die Messung nicht „hängen“.
  • Min/Max: Werte außerhalb des sinnvollen Bereichs (z. B. 2–400 cm) ignorieren oder kappen.
  • Mittelwert/Median: Mehrere Messungen pro Winkel glätten Ausreißer.
  • Abtastrate: Zu schnelles Messen führt zu Echos von vorherigen Impulsen; kurze Pausen sind sinnvoll.

Warum Medianfilter oft besser ist als ein Mittelwert

Ultraschallmessungen haben gelegentlich Ausreißer, etwa durch schräge Flächen oder Mehrfachreflexionen. Ein Mittelwert wird von Ausreißern stärker beeinflusst. Ein Medianfilter (z. B. aus 3 oder 5 Messungen) ist häufig stabiler, weil einzelne Extremwerte weniger Gewicht haben.

Servo-Scan: Wie Sie Winkelbereiche sinnvoll abtasten

Für die Radar-Ansicht dreht der Servo den Sensor schrittweise. Dabei gibt es einen klassischen Zielkonflikt: Kleine Winkelschritte liefern eine feinere Darstellung, dauern aber länger. Große Schritte sind schneller, wirken aber grob und „löchrig“.

  • Einsteiger-Scan: 0–180 Grad in 3–5-Grad-Schritten
  • Schneller Scan: 0–180 Grad in 5–10-Grad-Schritten
  • Feiner Scan: 0–180 Grad in 1–2-Grad-Schritten (nur bei guter Mechanik und ruhiger Umgebung sinnvoll)

Praxis-Tipp: Geben Sie dem Servo pro Schritt eine kurze Zeit, um die Position zu erreichen, bevor Sie messen. Sonst messen Sie während der Bewegung und erhalten schwankende Werte.

Serielle Datenübertragung: Das richtige Datenformat für stabile Visualisierung

Damit die PC-Visualisierung zuverlässig läuft, brauchen Sie ein eindeutiges, leicht zu parsenden Datenformat. Eine bewährte Lösung ist eine Zeile pro Messpunkt: „Winkel;Distanz“. Alternativ können Sie JSON oder CSV verwenden. Wichtig ist, dass der PC klar erkennt, wann ein Datensatz beginnt und endet.

  • Einfaches Format: angle;distance (z. B. „45;123“)
  • Zeilenende: jede Messung endet mit einem Newline-Zeichen
  • Synchronisation: optional Startmarker (z. B. „S“), wenn Sie komplexer werden
  • Baudrate: 9600 funktioniert, 115200 ist oft flüssiger bei vielen Datenpunkten

Als Einstieg in serielle Kommunikation am Arduino ist diese Referenz hilfreich: Arduino Serial Referenz.

PC-Visualisierung: Welche Tools sich bewährt haben

Für die Darstellung auf dem PC gibt es mehrere Wege. Wichtig ist nicht die „perfekte“ Software, sondern eine Lösung, die Sie schnell ans Laufen bekommen und die sich später erweitern lässt.

  • Processing: sehr beliebt für Arduino-Visualisierungen, schnell, visuell, ideal für Radar-Grafiken
  • Python: flexibel, gut für Datenverarbeitung; Visualisierung z. B. mit matplotlib oder pygame
  • Web-Ansatz: Daten über Serial-to-Websocket und dann HTML/Canvas (fortgeschritten)

Processing wurde historisch eng mit Arduino-Projekten genutzt und ist für solche Visualisierungen besonders einsteigerfreundlich. Ein Überblick: Processing Reference.

Visualisierung als Radar: Von Winkel und Distanz zu Punkten auf dem Bildschirm

Die Radar-Ansicht basiert auf einer einfachen Umrechnung: Aus einem Winkel und einer Distanz machen Sie Koordinaten. Der PC zeichnet dann einen Kreisbereich oder Halbkreis (je nach Scan-Bereich), eine „Radarlinie“ für den aktuellen Winkel und Punkte für erkannte Objekte.

  • Polarkoordinaten: Winkel + Radius (Distanz)
  • Umrechnung: x = r * cos(α), y = r * sin(α)
  • Skalierung: Distanz in cm wird auf Pixel gemappt, z. B. 200 cm = 300 px
  • Clipping: Maximaldistanz begrenzen, damit die Darstellung nicht „auseinanderläuft“

Für trigonometrische Grundlagen (falls Sie die Umrechnung nachvollziehen möchten): Trigonometrie – Grundlagen.

Datenqualität verbessern: Glättung, Ausreißer und „Ghost“-Objekte

Ultraschallmessungen sind anfällig für Effekte, die in der Radaransicht wie „Geisterpunkte“ wirken: Mal taucht ein Punkt kurz auf, mal springt er. Mit wenigen Maßnahmen wird die Darstellung deutlich ruhiger.

  • Median aus 3–5 Messungen: reduziert Ausreißer pro Winkel
  • Plausibilitätsprüfung: nur Werte in einem sinnvollen Bereich akzeptieren
  • Hysterese: Punkte nur anzeigen, wenn sie mehrere Scans „bestätigt“ werden
  • Minimum-Abstand: extrem kurze Werte können durch Störungen entstehen
  • Winkel-Glättung: Servo nicht zu schnell, Messung erst nach kurzer Beruhigungszeit

Warum weiche Oberflächen „unsichtbar“ sein können

Textilien, Vorhänge oder schräg stehende Flächen reflektieren Ultraschall schlecht oder lenken ihn ab. Das ist kein Fehler im Code, sondern eine physikalische Eigenschaft der Messmethode. Ein Radarprojekt ist deshalb auch ein gutes Experiment, um Material- und Geometrieeffekte zu beobachten.

Performance und Timing: Flüssige Darstellung ohne Flackern

Damit das Ultraschall-Radar auf dem PC flüssig wirkt, muss die gesamte Pipeline passen: Servo bewegen, messen, senden, zeichnen. Wenn Sie zu viele Messungen pro Winkel machen oder zu kleine Winkelschritte wählen, wird der Scan langsam. Wenn Sie zu schnell scannen, leidet die Messqualität.

  • Praktischer Startpunkt: 3–5 Grad Schrittweite, 1–3 Messungen pro Winkel, Baudrate 115200
  • Zeitraster: Servo bewegen, kurz warten, messen, senden
  • Darstellung: PC zeichnet pro Datensatz oder sammelt pro Sweep und zeichnet dann gebündelt

Ein bewährtes Konzept ist, einen kompletten Sweep (z. B. 0–180) als „Frame“ zu behandeln. So können Sie pro Sweep die Anzeige aktualisieren und erhalten ein ruhigeres Bild.

Erweiterungen: Vom Demo-Radar zum echten Mess-Tool

Wenn das Grundprojekt steht, lässt es sich hervorragend ausbauen. So wird aus einer netten Visualisierung ein System, das wirklich nutzbare Informationen liefert.

  • Objektverfolgung: Cluster bilden (nahe Punkte zusammenfassen), um „Objekte“ statt Einzelpunkte zu erkennen
  • Farbcodierung: Distanz über Farbe darstellen (nah = auffälliger)
  • Kalibrierung: Offset und Skalierung je nach Montagewinkel anpassen
  • Mehr Sensoren: zusätzlicher Sensor für „Blindzonen“
  • Logging: Messdaten speichern und später auswerten
  • WLAN statt USB: Daten kabellos streamen (fortgeschritten)

Typische Fehlerquellen und schnelle Lösungen

  • Servo zuckt, Arduino startet neu: Servo über Arduino-5V versorgt → externe 5V, Elko, gemeinsame Masse
  • Messwerte springen stark: zu wenig Beruhigungszeit nach Servo-Bewegung → kurze Pause, Medianfilter
  • Keine Werte am PC: falsche Baudrate oder falscher COM-Port → Baudrate abgleichen, Port prüfen
  • Radarbild „verschoben“: falsche Winkelzuordnung oder Montage schief → Winkel-Offset einführen
  • Viele Geisterpunkte: Reflexionen/Mehrwege → Ausreißerfilter, bestätigte Treffer, Scan-Geschwindigkeit reduzieren

Weiterführende Quellen

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