Im Deutschen ist das Passiv sehr wichtig, besonders auf höherem Niveau. Mit dem Passiv kann man sagen, dass etwas passiert oder passiert ist, ohne immer zu sagen, wer die Handlung macht. Das ist nützlich in der Schule, im Beruf, in Texten, in Berichten und auch im Alltag. Auf A1–A2-Niveau lernt man oft zuerst einfache aktive Sätze wie „Der Lehrer erklärt die Regel“. Später lernt man auch passive Sätze wie „Die Regel wird erklärt“. Auf B2-Niveau soll man das Passiv in verschiedenen Zeiten verstehen und richtig anwenden. Auch wenn du noch Anfänger bist, kannst du die Grundidee schon Schritt für Schritt verstehen. In diesem Text lernst du das Passiv in verschiedenen Zeiten mit einfachen Erklärungen, vielen Beispielen, kurzem Lesetext und kleinen Dialogen.
Was ist das Passiv?
Die Grundidee einfach erklärt
Im Aktiv ist die Person wichtig, die etwas macht. Im Passiv ist die Handlung wichtig. Man fragt also nicht zuerst: Wer macht das? Sondern: Was passiert?
Beispiele:
- Der Koch kocht das Essen. = Aktiv
- Das Essen wird gekocht. = Passiv
- Die Lehrerin erklärt die Grammatik. = Aktiv
- Die Grammatik wird erklärt. = Passiv
Im Passiv ist das Ergebnis oder der Vorgang wichtiger als die Person.
Warum man das Passiv braucht
Das Passiv ist nützlich, wenn die handelnde Person nicht wichtig ist, nicht bekannt ist oder nicht genannt werden soll.
- Im Kurs wird viel gesprochen.
- Die Hausaufgaben werden kontrolliert.
- Das Formular wird morgen ausgefüllt.
Diese Sätze klingen sachlich und klar.
Wie bildet man das Vorgangspassiv?
Mit „werden“ und Partizip II
Das normale Passiv, also das Vorgangspassiv, bildet man mit „werden“ und dem Partizip II.
Formel:
- werden + Partizip II
Beispiele:
- Der Text wird gelesen.
- Die Tür wird geöffnet.
- Das Essen wird vorbereitet.
Das Partizip II ist oft eine Form wie:
- lesen → gelesen
- öffnen → geöffnet
- machen → gemacht
- schreiben → geschrieben
Das Objekt wird zum wichtigen Satzteil
Im Aktiv gibt es oft ein Akkusativobjekt. Im Passiv wird dieses Objekt zum wichtigsten Teil des Satzes.
Beispiel:
- Die Lehrerin erklärt die Regel. = Aktiv
- Die Regel wird erklärt. = Passiv
„Die Regel“ war im Aktiv das Objekt. Im Passiv steht es im Mittelpunkt.
Passiv im Präsens
Was passiert jetzt oder allgemein?
Das Passiv im Präsens benutzt man für Dinge, die gerade passieren oder allgemein üblich sind.
Beispiele:
- Die Tür wird geöffnet.
- Im Unterricht wird viel gesprochen.
- Die E-Mails werden beantwortet.
- Das Essen wird gekocht.
Das Passiv im Präsens ist sehr häufig.
Die Formen von „werden“ im Präsens
- ich werde
- du wirst
- er / sie / es wird
- wir werden
- ihr werdet
- sie / Sie werden
Beispiele:
- Ich werde informiert.
- Du wirst gefragt.
- Wir werden eingeladen.
Passiv im Präteritum
Was passierte in der Vergangenheit?
Das Passiv im Präteritum benutzt man oft in Berichten, Erzählungen und schriftlichen Texten. Es zeigt, dass etwas in der Vergangenheit passiert ist.
Beispiele:
- Die Tür wurde geöffnet.
- Der Text wurde gelesen.
- Das Essen wurde vorbereitet.
- Viele Fragen wurden gestellt.
Diese Form ist besonders in geschriebenen Texten wichtig.
Die Formen von „werden“ im Präteritum
- ich wurde
- du wurdest
- er / sie / es wurde
- wir wurden
- ihr wurdet
- sie / Sie wurden
Beispiele:
- Ich wurde informiert.
- Du wurdest eingeladen.
- Wir wurden gefragt.
Passiv im Perfekt
Was ist passiert?
Das Passiv im Perfekt benutzt man oft in der gesprochenen Sprache, wenn man über die Vergangenheit spricht. Die Form ist etwas länger.
Formel:
- sein + Partizip II + worden
Beispiele:
- Die Tür ist geöffnet worden.
- Das Essen ist vorbereitet worden.
- Die Aufgabe ist erklärt worden.
- Die E-Mails sind geschrieben worden.
Diese Form ist wichtig, auch wenn sie etwas schwerer wirkt.
Wichtiger Unterschied zu „ist geöffnet“
Hier muss man gut aufpassen:
- Die Tür ist geöffnet worden. = Passiv Perfekt, Vorgang in der Vergangenheit
- Die Tür ist geöffnet. = Zustandspassiv, Zustand jetzt
Der erste Satz zeigt eine vergangene Handlung. Der zweite Satz zeigt einen Zustand.
Passiv im Plusquamperfekt
Was war schon passiert?
Das Passiv im Plusquamperfekt benutzt man, wenn etwas schon vor einer anderen vergangenen Handlung passiert war.
Formel:
- sein im Präteritum + Partizip II + worden
Beispiele:
- Die Tür war geöffnet worden.
- Das Essen war schon vorbereitet worden.
- Der Text war vorher gelesen worden.
Diese Form ist eher typisch für Berichte und genauere Erzählungen.
Beispiele mit Reihenfolge
- Als wir ankamen, war der Raum schon vorbereitet worden.
- Bevor der Unterricht begann, war die Aufgabe erklärt worden.
Hier sieht man: Etwas war schon vorher passiert.
Passiv im Futur I
Was wird passieren?
Das Passiv im Futur zeigt, dass etwas in der Zukunft passieren wird.
Formel:
- werden + Partizip II + werden
Beispiele:
- Die Regel wird erklärt werden.
- Das Zimmer wird gereinigt werden.
- Die Dokumente werden geprüft werden.
Diese Form ist grammatisch richtig, aber im Alltag benutzt man oft einfachere Sätze.
Oft einfacher mit Präsens
Im Deutschen nimmt man in der Zukunft oft einfach das Präsens mit einer Zeitangabe.
Vergleich:
- Morgen wird die Regel erklärt werden.
- Morgen wird die Regel erklärt.
Der zweite Satz klingt oft natürlicher.
Passiv mit Modalverben
Sehr wichtige Struktur
Auch mit Modalverben kann man Passiv bilden. Das ist auf B2-Niveau sehr wichtig.
Formel:
- Modalverb + Partizip II + werden
Beispiele:
- Die Aufgabe muss gemacht werden.
- Der Text kann gelesen werden.
- Das Formular soll ausgefüllt werden.
- Die Tür darf nicht geöffnet werden.
Diese Form kommt oft in Regeln und Anweisungen vor.
Typische Beispiele im Alltag
- Die Hausaufgaben müssen heute abgegeben werden.
- Im Prüfungsraum darf nicht gesprochen werden.
- Die E-Mail kann später beantwortet werden.
- Das Problem soll morgen besprochen werden.
Wer macht die Handlung?
Mit „von“ oder „durch“
Manchmal möchte man sagen, wer oder was die Handlung macht. Dann benutzt man oft „von“ oder „durch“.
Beispiele:
- Die Regel wird von der Lehrerin erklärt.
- Das Essen wird vom Koch vorbereitet.
- Die Tür wurde durch den Wind geschlossen.
„Von“ benutzt man oft bei Personen. „Durch“ benutzt man oft bei Ursachen oder Mitteln.
Oft lässt man das weg
Sehr oft nennt man die handelnde Person im Passiv nicht.
- Die Regel wird erklärt.
- Das Essen wird vorbereitet.
- Die Formulare werden kontrolliert.
Das ist ganz normal und typisch für das Passiv.
Passiv und Zustandspassiv
Wichtiger Unterschied
Im Deutschen gibt es auch das Zustandspassiv. Das ist nicht dasselbe wie das normale Vorgangspassiv.
Vergleich:
- Die Tür wird geschlossen. = Vorgangspassiv
- Die Tür ist geschlossen. = Zustandspassiv
- Das Essen wird gekocht. = der Kochvorgang passiert
- Das Essen ist gekocht. = das Essen ist fertig
Mit „werden“ geht es um den Vorgang. Mit „sein“ geht es um den Zustand.
Warum dieser Unterschied wichtig ist
Auf B2-Niveau soll man genau erkennen, ob eine Handlung passiert oder ob ein Zustand beschrieben wird.
- Die Aufgabe wird erklärt. = jetzt passiert es
- Die Aufgabe ist erklärt. = jetzt ist sie fertig erklärt
Diese Unterscheidung ist sehr wichtig.
Typische Situationen für das Passiv
In Schule und Studium
- Die Aufgaben werden erklärt.
- Die Tests werden korrigiert.
- Im Unterricht wird viel gefragt.
- Die Regeln sind schon erklärt worden.
Im Büro und Beruf
- Die E-Mails werden beantwortet.
- Die Dokumente werden geprüft.
- Das Meeting wurde verschoben.
- Die Präsentation ist vorbereitet worden.
Im Alltag
- Das Essen wird gekocht.
- Die Wohnung wird geputzt.
- Die Tür wurde abgeschlossen.
- Die Getränke sind kaltgestellt worden.
Kurzer Lesetext
In einem Deutschkurs wird heute das Passiv wiederholt. Zuerst wird eine Regel an die Tafel geschrieben. Danach werden einige Beispiele erklärt. Letzte Woche wurde das Vorgangspassiv schon kurz besprochen, aber viele Fragen sind erst heute gestellt worden. Eine Übung wird jetzt zusammen gemacht. Später wird noch ein Text gelesen werden. Die Lehrerin sagt, dass das Thema in vielen Prüfungen gebraucht wird. Am Ende des Kurses ist den Lernenden klar, dass das Passiv in verschiedenen Zeiten wichtig ist.
Wichtige Passivformen aus dem Lesetext
- wird heute das Passiv wiederholt
- wird eine Regel an die Tafel geschrieben
- werden einige Beispiele erklärt
- wurde das Vorgangspassiv schon kurz besprochen
- sind erst heute gestellt worden
- wird jetzt zusammen gemacht
- wird noch ein Text gelesen werden
Einfache Dialoge
Dialog im Unterricht
A: Was wird heute im Kurs gemacht?
B: Heute wird das Passiv erklärt.
A: Wurden letzte Woche auch Übungen gemacht?
B: Ja, einige Übungen wurden gemacht.
Dialog im Büro
A: Sind die E-Mails schon beantwortet worden?
B: Ja, sie sind schon beantwortet worden.
A: Und die Dokumente?
B: Die werden morgen geprüft.
Dialog zu Hause
A: Was wird heute gekocht?
B: Es wird eine Suppe gekocht.
A: Ist der Tisch schon gedeckt worden?
B: Nein, noch nicht.
Dialog mit Modalverb
A: Muss das Formular heute ausgefüllt werden?
B: Ja, es muss heute ausgefüllt werden.
A: Kann ich es auch online schicken?
B: Ja, es kann auch online geschickt werden.
Wortschatz zum Thema Passiv
- das Passiv = eine Form, in der die Handlung wichtig ist
- das Aktiv = eine Form, in der die handelnde Person wichtig ist
- der Vorgang = das, was passiert
- der Zustand = wie etwas ist
- das Partizip II = eine Form wie gemacht, gelesen, geschrieben
- sachlich = ruhig und ohne persönliche Betonung
- die Regel = eine feste Information
- die Prüfung = ein Test
- verschieben = auf einen anderen Termin legen
- kontrollieren = prüfen
Nützliche Satzmuster
Im Präsens
- Die Aufgabe wird gemacht.
- Die Tür wird geöffnet.
- Die E-Mails werden geschrieben.
Im Präteritum
- Die Aufgabe wurde gemacht.
- Die Tür wurde geöffnet.
- Die E-Mails wurden geschrieben.
Im Perfekt
- Die Aufgabe ist gemacht worden.
- Die Tür ist geöffnet worden.
- Die E-Mails sind geschrieben worden.
Mit Modalverb
- Die Aufgabe muss gemacht werden.
- Die Regel kann erklärt werden.
- Das Formular soll ausgefüllt werden.
Typische Fehler
„Werden“ und „sein“ verwechseln
Das ist ein sehr häufiger Fehler.
- Die Tür wird geöffnet. = Vorgang
- Die Tür ist geöffnet. = Zustand
Man muss genau sehen, ob eine Handlung passiert oder ob ein Zustand beschrieben wird.
Das Partizip II vergessen
Im Passiv braucht man immer das Partizip II.
- falsch: Der Text wird lesen.
- richtig: Der Text wird gelesen.
„Worden“ vergessen
Im Perfekt des Vorgangspassivs braucht man am Ende „worden“.
- falsch: Die Aufgabe ist gemacht.
- richtig als Vorgangspassiv Perfekt: Die Aufgabe ist gemacht worden.
„Die Aufgabe ist gemacht“ ist Zustandspassiv, nicht Perfekt vom Vorgangspassiv.
Die falsche Zeitform nehmen
Auch im Passiv muss die Zeitform zum Satz passen.
- Präsens: Die Tür wird geöffnet.
- Präteritum: Die Tür wurde geöffnet.
- Perfekt: Die Tür ist geöffnet worden.
- Plusquamperfekt: Die Tür war geöffnet worden.
Kleine Schreibhilfe
- Heute wird …
- Gestern wurde …
- Schon ist … worden.
- Morgen wird …
- Die Aufgabe muss … werden.
- Im Kurs wird …
- Im Büro werden …
- Von der Lehrerin wird … erklärt.
Mit dem Passiv in verschiedenen Zeiten kannst du im Deutschen sehr gut ausdrücken, was gerade passiert, was passiert ist oder was passieren wird. So sprichst und schreibst du sachlicher, klarer und genauer über viele Situationen im Alltag, in der Schule und im Beruf.
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