Im Deutschen gibt es verschiedene Arten zu schreiben. Im Alltag benutzt man oft einfache und persönliche Sätze mit vielen Verben. In formellen Texten sieht man aber oft den Nominalstil. Das bedeutet: Man benutzt mehr Nomen und weniger Verben. Diese Form ist auf B2-Niveau wichtig, weil sie in Briefen, Berichten, offiziellen Texten und Prüfungen oft vorkommt. Auch wenn du noch auf A1–A2-Niveau lernst, kannst du die Grundidee schon gut verstehen. In diesem Text lernst du Schritt für Schritt, was Nominalstil ist, warum er in formellen Texten benutzt wird und wie du ihn besser verstehen und selbst anwenden kannst.
Was ist Nominalstil?
Die Grundidee einfach erklärt
Nominalstil bedeutet: In einem Satz stehen mehr Nomen als Verben. Oft werden Verben oder Adjektive in Nomen umgewandelt. Dadurch klingt der Satz formeller und sachlicher.
Beispiele:
- Wir prüfen die Unterlagen. → die Prüfung der Unterlagen
- Wir informieren die Teilnehmer. → die Information der Teilnehmer
- Wir entscheiden schnell. → eine schnelle Entscheidung
So werden aus Handlungen oder Eigenschaften Nomen.
Warum diese Form wichtig ist
Nominalstil ist besonders wichtig, weil er in vielen schriftlichen Situationen vorkommt.
- in offiziellen E-Mails
- in Berichten
- in Formularen
- in wissenschaftlichen Texten
- in Arbeitsanweisungen
- in Prüfungen
Wenn du Nominalstil verstehst, kannst du formelle Texte viel leichter lesen.
Nominalstil und Verbalstil
Der Unterschied
Im Verbalstil benutzt man mehr Verben. Das ist oft einfacher und persönlicher. Im Nominalstil benutzt man mehr Nomen. Das klingt oft sachlicher und kompakter.
Beispiele:
- Verbalstil: Wir haben die Daten geprüft.
- Nominalstil: Die Prüfung der Daten ist erfolgt.
- Verbalstil: Die Firma informiert alle Mitarbeitenden.
- Nominalstil: Die Information aller Mitarbeitenden erfolgt durch die Firma.
Beide Formen sind richtig, aber sie klingen unterschiedlich.
Wann welche Form typischer ist
- Verbalstil = Alltag, Gespräche, einfache Texte
- Nominalstil = formelle Texte, Berichte, offizielle Sprache
Für Lernende ist es gut, zuerst beide Formen zu erkennen und dann zu vergleichen.
Warum Nominalstil formell klingt
Sprache wird sachlicher
Nominalstil klingt oft weniger persönlich. Die Sprache wirkt ruhiger und neutraler. Das ist in formellen Texten oft erwünscht.
Beispiele:
- Wir müssen die Regeln beachten.
- Die Beachtung der Regeln ist notwendig.
- Sie müssen das Formular ausfüllen.
- Das Ausfüllen des Formulars ist erforderlich.
Im zweiten Satz steht nicht die Person im Mittelpunkt, sondern die Handlung als Sache.
Sprache wird kompakter
Mit Nominalstil kann man Informationen oft sehr kurz und dicht ausdrücken.
Beispiele:
- Wir prüfen, ob alles richtig ist. → die Prüfung der Richtigkeit
- Wir analysieren die Ergebnisse. → die Analyse der Ergebnisse
- Wir dokumentieren den Ablauf. → die Dokumentation des Ablaufs
So passt viel Information in einen kurzen Satz.
Wie bildet man Nominalstil?
Verben werden zu Nomen
Sehr oft bildet man Nominalstil, indem man ein Verb nominalisiert.
Beispiele:
- prüfen → die Prüfung
- entscheiden → die Entscheidung
- informieren → die Information
- anmelden → die Anmeldung
- bezahlen → die Bezahlung
Diese Nomen kommen in formellen Texten sehr oft vor.
Adjektive werden zu Nomen
Auch Adjektive können nominalisiert werden.
Beispiele:
- wichtig → das Wichtige
- neu → das Neue
- möglich → die Möglichkeit
Beispiele im Satz:
- Das Wichtigste ist die pünktliche Anmeldung.
- Das Neue an dem Plan ist die klare Struktur.
- Es gibt die Möglichkeit einer späteren Teilnahme.
Typische Nomen im Nominalstil
Sehr häufige Beispiele
Es gibt einige Nomen, die in formellen Texten besonders oft vorkommen.
- die Anmeldung
- die Information
- die Prüfung
- die Entscheidung
- die Durchführung
- die Teilnahme
- die Bezahlung
- die Bestätigung
- die Entwicklung
- die Änderung
Diese Wörter sollte man gut kennen.
Beispiele im Satz
- Die Anmeldung ist bis Freitag möglich.
- Die Information der Teilnehmenden erfolgt per E-Mail.
- Die Prüfung der Unterlagen dauert zwei Tage.
- Die Entscheidung wird morgen bekannt gegeben.
- Die Teilnahme ist kostenlos.
Solche Sätze liest man oft in formellen Texten.
Nominalstil mit Präpositionen
Sehr typische Verbindungen
Im Nominalstil gibt es viele feste Verbindungen mit Präpositionen. Diese Strukturen sind sehr häufig.
- zur Anmeldung
- bei der Bezahlung
- nach der Prüfung
- vor der Entscheidung
- mit der Bitte um …
- im Fall von …
Diese Verbindungen klingen oft formell.
Beispiele im Satz
- Zur Anmeldung ist ein Formular notwendig.
- Bei der Bezahlung ist die Kartennummer anzugeben.
- Nach der Prüfung erhalten Sie eine Nachricht.
- Vor der Entscheidung sollen alle Unterlagen gelesen werden.
Solche Sätze sind typisch für offizielle Sprache.
Nominalstil in E-Mails und Briefen
Formelle Schreiben
In formellen E-Mails und Briefen findet man oft Nominalstil, weil er höflich und sachlich wirkt.
Beispiele:
- Wir bitten um eine schnelle Antwort.
- Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich.
- Nach Erhalt der Unterlagen erfolgt die Bearbeitung.
- Bei Fragen ist eine Kontaktaufnahme möglich.
Diese Sprache klingt formeller als einfache Alltagssprache.
Vergleich mit einfacheren Sätzen
- Einfach: Bitte antworten Sie schnell.
- Formeller: Wir bitten um eine schnelle Antwort.
- Einfach: Sie müssen sich anmelden.
- Formeller: Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich.
So wird aus einem direkten Satz ein sachlicherer Satz.
Nominalstil in Berichten und offiziellen Texten
Berichte klingen oft unpersönlich
In Berichten ist oft nicht wichtig, wer etwas tut. Wichtiger ist der Vorgang oder das Ergebnis. Darum benutzt man dort oft Nominalstil.
Beispiele:
- Die Auswertung der Daten ist abgeschlossen.
- Die Durchführung des Projekts begann im März.
- Die Dokumentation der Ergebnisse erfolgt schriftlich.
Diese Sprache wirkt sachlich und professionell.
Typische Strukturen
- die Analyse der Daten
- die Durchführung des Projekts
- die Vorbereitung des Treffens
- die Verbesserung der Qualität
Diese Formen sind im Deutschen sehr häufig.
Nominalstil und Passiv
Zwei formelle Mittel
Nominalstil und Passiv werden oft zusammen benutzt. Beide machen Sprache sachlicher.
Beispiele:
- Die Bearbeitung der Anträge erfolgt morgen.
- Die Unterlagen werden morgen bearbeitet.
- Die Kontrolle der Ergebnisse ist notwendig.
- Die Ergebnisse müssen kontrolliert werden.
Beide Varianten klingen formell, aber der Nominalstil ist oft noch dichter.
Warum das für B2 wichtig ist
Auf B2-Niveau soll man formelle Texte nicht nur verstehen, sondern auch erkennen, wie sie gebaut sind. Nominalstil und Passiv sind dabei sehr wichtig.
Wann man Nominalstil nicht zu viel benutzen sollte
Zu viele Nomen machen Texte schwer
Nominalstil ist nützlich, aber zu viel Nominalstil kann einen Text schwer und unnatürlich machen. Besonders für Lernende ist es oft besser, klare und einfache Sätze zu schreiben.
Beispiel:
- Sehr schwer: Nach Durchführung der Prüfung erfolgt die Auswertung der Ergebnisse und die Mitteilung der Entscheidung.
- Einfacher: Nach der Prüfung werden die Ergebnisse ausgewertet, und danach wird die Entscheidung mitgeteilt.
Beide Sätze sind richtig, aber der zweite ist leichter zu verstehen.
Die richtige Balance
Für gutes Schreiben ist eine Mischung oft am besten. Ein Text darf formell sein, soll aber trotzdem klar bleiben.
- zu einfach = manchmal zu mündlich
- zu nominal = manchmal zu schwer
- gut gemischt = klar und passend
Das ist besonders wichtig beim Schreiben auf B2-Niveau.
Typische Beispiele aus dem Alltag
Formelle Wendungen
- mit der Bitte um Antwort
- zur weiteren Bearbeitung
- nach der Anmeldung
- vor der Abfahrt
- bei der Rückgabe
Beispiele im Satz:
- Wir senden Ihnen die Unterlagen zur weiteren Bearbeitung.
- Nach der Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigung.
- Vor der Abfahrt ist eine Kontrolle notwendig.
- Bei der Rückgabe des Buches ist auf den Zustand zu achten.
Was diese Wendungen zeigen
Hier sieht man gut, dass formelle Texte oft mit Nomen arbeiten. Das ist typisch für Nominalstil.
Typische Fehler beim Nominalstil
Zu viele schwere Nomen
Viele Lernende glauben, dass ein formeller Text nur dann gut ist, wenn er sehr kompliziert klingt. Das ist nicht richtig. Zu viele Nomen können einen Text schwer machen.
- nicht gut: Die Durchführung der Bearbeitung der Prüfung der Unterlagen …
- besser: Die Unterlagen werden geprüft und bearbeitet.
Der zweite Satz ist klarer.
Die falsche Form wählen
Manchmal wird ein Verb falsch nominalisiert oder unpassend benutzt.
- gut: die Anmeldung
- gut: die Entscheidung
- gut: die Information
Es hilft, häufige Formen gezielt zu lernen.
Artikel und Präpositionen vergessen
Nominalstil braucht oft die richtige Verbindung mit Artikeln und Präpositionen.
- falsch: nach Prüfung
- richtig: nach der Prüfung
- falsch: zur Bearbeitung Unterlagen
- richtig: zur Bearbeitung der Unterlagen
Auch diese kleinen Wörter sind wichtig.
Kurzer Lesetext
Im Deutschkurs erklärt die Lehrerin heute den Nominalstil. Sie sagt, dass viele formelle Texte mit Nomen statt mit Verben arbeiten. Als Beispiel schreibt sie an die Tafel: „Wir prüfen die Unterlagen.“ Danach zeigt sie die nominale Form: „Die Prüfung der Unterlagen erfolgt morgen.“ Später lesen die Lernenden einen kurzen offiziellen Text. Dort stehen Formulierungen wie „nach der Anmeldung“, „bei der Bezahlung“ und „zur weiteren Information“. Die Lehrerin erklärt, dass solche Formen besonders in Briefen, Berichten und offiziellen Mitteilungen typisch sind.
Wichtige Beispiele aus dem Lesetext
- Die Prüfung der Unterlagen erfolgt morgen.
- nach der Anmeldung
- bei der Bezahlung
- zur weiteren Information
Einfache Dialoge
Dialog im Unterricht
A: Was ist Nominalstil?
B: Dabei benutzt man mehr Nomen als Verben.
A: Warum macht man das?
B: Weil der Text dann formeller klingt.
Dialog über einen Brief
A: Was bedeutet „Wir bitten um Antwort“?
B: Das ist eine formelle Form.
A: Und einfacher?
B: Bitte antworten Sie.
Dialog über einen Bericht
A: Warum steht dort „die Analyse der Daten“?
B: Das ist Nominalstil.
A: Und mit Verb?
B: Wir analysieren die Daten.
Dialog über Lernen
A: Ist Nominalstil schwer?
B: Am Anfang ja, aber man erkennt viele Muster.
A: Welche zum Beispiel?
B: „nach der Anmeldung“ oder „zur Information“.
Wortschatz zum Thema Nominalstil
- der Nominalstil = eine Art zu schreiben mit vielen Nomen
- der Verbalstil = eine Art zu schreiben mit vielen Verben
- formell = offiziell und sachlich
- sachlich = neutral und ruhig
- die Anmeldung = das Anmelden
- die Prüfung = das Prüfen
- die Entscheidung = das Entscheiden
- die Information = das Informieren
- die Durchführung = das Durchführen
- die Bearbeitung = das Bearbeiten
Nützliche Formulierungen im Nominalstil
Typische Wendungen
- die Anmeldung zur Teilnahme
- die Prüfung der Unterlagen
- die Information der Teilnehmenden
- die Entscheidung über den Antrag
- die Durchführung des Projekts
Beispiele im Satz:
- Die Anmeldung zur Teilnahme ist bis Freitag möglich.
- Die Prüfung der Unterlagen dauert zwei Tage.
- Die Information der Teilnehmenden erfolgt per E-Mail.
- Die Entscheidung über den Antrag kommt nächste Woche.
- Die Durchführung des Projekts beginnt im Mai.
Mit Präpositionen
- zur Anmeldung
- nach der Entscheidung
- bei der Bezahlung
- mit der Bitte um Antwort
Beispiele:
- Zur Anmeldung ist ein Formular nötig.
- Nach der Entscheidung erhalten Sie eine Nachricht.
- Bei der Bezahlung ist eine Karte notwendig.
- Wir schreiben Ihnen mit der Bitte um Antwort.
Kleine Schreibhilfe
- Die Anmeldung …
- Die Prüfung …
- Die Information …
- Die Entscheidung …
- Nach der Anmeldung …
- Bei der Bezahlung …
- Zur weiteren Information …
- Mit der Bitte um …
- Die Durchführung …
- Die Bearbeitung …
Mit diesen Grundlagen kannst du den Nominalstil in formellen deutschen Texten besser verstehen und sicherer erkennen. So lernst du, sachlicher zu schreiben und typische Strukturen auf B2-Niveau klarer zu verstehen.
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